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3
September
2020
3.September.2020

Bildung für das Land und die Landwirtschaft

Die Katholische Landvolkshochschule ermutigt Menschen, das Leben auf dem Land mitzugestalten

Auf dem ehemaligen Klostergelände in Hardehausen ist sie – neben dem Jugendhaus – die zweite langjährige und wichtige Institution: die Landvolkshochschule (LVH), eine Erwachsenenbildungsstätte des Erzbistums Paderborn. Ob Schützen, Erzieherinnen, Landfrauen, die Landwirtschaftskammer oder der Bauernverband: Für verschiedenste Gruppen bietet die LVH Kurse und Seminare an.

Auch landwirtschaftliche Schulklassen aus Paderborn, Herford, Meschede und Kleve oder Studierende der Fachhochschule Soest kommen Jahr für Jahr ein paar Tage an die LVH. Dabei geht es um den Austausch untereinander, aber auch um die Soft Skills: Persönlichkeitsentwicklung und Teambildung, genauso wie um das Aufwerfen von politischen sowie theologischen und spirituellen Fragen: Wer bin ich? Wo will ich hin? Was ist mein Auftrag in diesem Leben? Was dabei alle eint, die herkommen: Ihnen liegt die Mitgestaltung des ländlichen Raumes am Herzen.

Kurse zunächst nur für Landwirte

„Wir selbst verstehen uns als Raum, wo Land und Landwirtschaft Fragen diskutieren können“, erklärt Monsignore Uwe Wischkony, Direktor der LVH. Vor 71 Jahren, im Jahr 1949, starteten die ersten Kurse, zunächst nur für Landwirte. Der Auftrag von damals, „Bildung für das Land und die Landwirtschaft“, gilt bis heute. So besteht der Kurs für die Landwirte noch immer. Für sechs Wochen diskutieren die meist 20- bis 30-jährigen Teilnehmenden miteinander über wichtige und aktuelle Thematiken der Landwirtschaft und lernen Neues. Dabei geht es um Rhetorik, Netzwerkbildung, Mitarbeiterführung, Verhandlungstraining, Kommunikation oder Fragen wie: Wo soll unser Betrieb eigentlich hin?

„Durch unsere Kursangebote geben wir den jungen Menschen Impulse und das Handwerkszeug, damit sie das Leben auf dem Land mitgestalten“, erklärt Barbara Leufgen, eine von sechs Pädagogen der LVH und seit gut 20 Jahren Leiterin des Grundkurses. Auch eine politische und religiöse Bildung sowie Wissen über die gesellschaftspolitische Situation in Deutschland, die für Landwirte nicht unerheblich ist, ist Teil des Grundkurses. „Der Kurs ist das Herzstück unserer Arbeit“, so Monsignore Wischkony.

Eindrücke aus dem Grundkurs

„Finde Deinen Weg“

Der Grundkurs – wirklich etwas ganz Besonderes und eine feste Säule der LVH. Sogar Leute aus städtischen Bereichen kommen her, um sich (neu) zu orientieren. „Finde Deinen Weg“, so lautet der Leitspruch: zu reflektieren, zu schauen, wo der eigene Weg hinführt, welche Stärken man hat, woran man noch arbeiten kann.

Das Netzwerk, das man knüpft, bleibt oft viele Jahre bestehen. Barbara Leufgen beschreibt: „Diese sechs Wochen fördern die Gemeinschaft und den Austausch, aber auch das offene und ehrliche Miteinander. Wer hier raus geht, weiß: Den oder die kann ich in Glücks- oder Krisensituationen jederzeit anrufen und seinen oder ihren Rat einholen.“ Und der Grundkurs ist etwas, das Generationen verbindet. „Es gibt viele landwirtschaftliche Familien, bei denen mittlerweile schon die Enkelkinder von ehemaligen Teilnehmern den Kurs mitmachen“, sagt die studierte Ökotrophologin. „Und die Familien besuchen dann andere Kurse: Frauen von Grundkursteilnehmern zum Beispiel gehen in unsere Mutter-Kind-Freizeiten und sind so ebenfalls mit unserem Haus verbunden.“

Gerade das sorge für das Lebendige, schildert Monsignore Wischkony. „Es lebt vieles von Interaktion. Das macht den Charme unseres Hauses aus.“ Die jungen Landwirte und Landwirtinnen des Grundkurses beispielsweise besichtigen teilweise andere Höfe, tauschen Erfahrungen aus und erhalten neue Denkanstöße für die eigene Zukunft.

Monsignore Uwe Wischkony
Monsignore Uwe Wischkony
Monsignore Uwe Wischkony

Landwirtschaft der Zukunft

Derzeit ein brennendes Thema: Wie sieht die Landwirtschaft der Zukunft aus? Klimaschutz-Regelungen, ein sich änderndes Verhalten der Verbraucher – und mittendrin die Landwirte, die sich deshalb zum Teil in einem großen Wandel befinden. So hat die LVH vor etwa fünf Jahren den Anstoß zur Gründung der ländliche Familienberatung Hardehausen gegeben. Monsignore Wischkony erklärt: „Viele Landwirte und Landwirtinnen kamen zu uns und haben uns ihr Herz ausgeschüttet, was in und mit der Familie vor sich geht, mit all den Problemen und Herausforderungen.“ Deshalb habe man ehrenamtliche Berater und Beraterinnen ausgebildet, die sich mit den Familien an einen Tisch setzen. „Reden hilft!“, sagt er weiter. „Das Ganze ist angelegt als eine Hilfe zur Selbsthilfe. Unsere Beratung soll als erster und zweiter Schritt auf dem Weg zu einer Lösung dienen.“

Landwirt ist nicht gleich Landwirt

Gerade das Land lebe von Ehrenamtlichen, die ihre Heimat über das eigene Dorf hinaus mitgestalten. „Dörfer werden erst durch das Engagement der Menschen vor Ort lebendig. Wir brauchen Leute, die mutig sind, die Ideen entwickeln, die Menschen begeistern“, sagt Monsignore Wischkony. Denn das Erzbistum Paderborn sei vor allem ein Landbistum mit vielen kleineren Ortschaften und Dörfern. Daher auch der Slogan der Katholischen Landvolkshochschule in Hardehausen: „Wir ermutigen Menschen, das Leben auf dem Land mitzugestalten.“ Das gilt auch für die Kirche vor Ort: Als Landpastorales Zentrum für das Erzbistum Paderborn will die LVH das kirchliche Leben im ländlichen Gebiet mitgestalten und weiterentwickeln. „Die Kurse hier sind für viele Leute der Anstoß, sich ehrenamtlich und politisch zu engagieren, weil man auch viel Selbstbewusstsein fasst“, sagt Leufgen.

Die meisten Menschen, die an Kursen der LVH teilnehmen, kommen aus den Kreisen Paderborn, Soest, Höxter, Gütersloh, Waldeck-Frankenberg und dem Hochsauerlandkreis. Viele davon sind im landwirtschaftlichen Bereich tätig. Doch „Landwirt ist nicht gleich Landwirt“, erklärt Monsignore Wischkony weiter. „Einige sind Bio-Bauern, andere arbeiten konventionell. Es gibt unterschiedliche Einstellungen. Wir als kirchliche Einrichtung haben ein offenes Ohr dafür und bilden Räume für den Austausch. Wir sind kein Sprachrohr der Landwirtschaft, bieten uns aber als Gesprächspartner an und versuchen in unterschiedlichen Gruppen die Bedeutung der Landwirtschaft für unsere Gesellschaft näher zu bringen. Wir sind dabei, wenn unterschiedliche Gruppen über das Thema Landwirtschaft ins Gespräch kommen wollen oder vermitteln landwirtschaftliche Betriebsbesichtigungen und bieten in Seminaren die Möglichkeit, Landwirtschaft zu entdecken und kennenzulernen.“

Diese Räume, um Orientierung und Verständnis zu gewinnen, finden dann zum Beispiel in Form von Stammtischen, Podiumsdiskussionen oder Seminaren für Familien oder Erzieherinnen und Erzieher statt. „Wir sind auch ein Ort, wenn Politik nicht weiter weiß und bringen die Menschen für den Dialog gemeinsam an einen Tisch.“

Leben und Lernen unter einem Dach

Gegenüber einer normalen Volkshochschule, die keinen Übernachtungsbetrieb hat, arbeite die LVH „ganz anders“, wie Monsignore Wischkony erklärt: „Bei uns greift das Motto: Leben und Lernen unter einem Dach. Für einen bestimmten Zeitraum, meist einige Tage, machen sich Gruppen auf einen Weg und lernen gemeinsam.“ Die gemeinsamen Kurse und Seminare am Tag seien dann das eine, die Pausen und die Abendgestaltung das andere: „Das ist ja am Ende des Tages das Schöne hier an der LVH“, sagt Monsignore Wischkony. „Die Menschen eignen sich nicht einfach nur neues Wissen an, sondern alles hat immer etwas mit dem eigenen Leben und der Lebenserfahrung zu tun. Das Zusammensitzen in der Zeit ist für jeden Einzelnen sehr wertvoll.“

Ein Beitrag von:

Till Kupitz
Freier Journalist
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