Jede Kirche ist auf ihre Weise einzigartig. Doch die wenigsten Kirchen können auf eine ähnlich lange und spannende Baugeschichte zurückblicken wie St. Walburga in Meschede. Um 870 wurde dort ein Kanonissenstift gegründet. Schriftliche Zeugnisse aus dieser Zeit gibt es nicht. Allerdings belegen wissenschaftliche Untersuchungen, dass die Fundamente des heutigen Kirchbaus um das Jahr 900 gelegt wurden. Erhalten haben sich aus spätkarolingischer Zeit auch Teile des Westturms und der Krypta. Außerdem wurden bei archäologischen Untersuchungen im Gemäuer aus der Karolingerzeit 136 Schalltöpfe gefunden. Im angeblich so finsteren Mittelalter verstanden sich die Baumeister vortrefflich darauf, standfeste Bauwerke zu errichten. Und mehr noch: Sie dachten bereits die Akustik eines Raumes mit!
Es gibt aber in St. Walburga nicht nur alte Bauteile, sondern auch moderne. Zu diesen zählt die nach der Gründerin des Damenstifts benannte Emhildis-Kapelle. Errichtet wurde der Baukörper Mitte der 1960er-Jahre, die Architektur ist deutlich vom Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils erfüllt. „Die Bezeichnung Emhildis-Kapelle kennt aber kein Mensch“, sagt Pfarrer Michael Schmitt. „Hier nennt man die Kapelle nur die ‚Beule‘.“ Die saloppe Bezeichnung rührt nicht allein daher, dass es sich bei der Kapelle um einen Rundbau handelt. Der Erweiterungsbau entstand während der Amtszeit des Pfarrers Robert Beule, der im Jahr 2018 im Alter von 102 Jahren in Meschede verstarb.
„An der ‚Beule‘ scheiden sich bis heute die Geister“, berichtet Pfarrer Schmitt. „Natürlich würde man heute nicht mehr so bauen, schon gar nicht in diesem historischen Umfeld. Aber es gibt deutlich schlechtere Architektur aus dieser Zeit.“ Und: Dank der „Beule“ bieten sich neue Möglichkeiten in der Pastoral und der Liturgie. Krabbelgottesdienste etwa finden in der modernen Kapelle statt.