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© el lobo / Shutterstock.com
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Wie sehr fühlen wir Allerheiligen und Allerseelen?

Mit viel Licht und geborgen in der Familie eine Brücke zu den Verstorbenen bauen: Wie Allerheiligen wirken und Trost bringen kann – auch über Rituale.

Wie und was fühlen wir am 1. November? Das kann ambivalent sein, so das Ergebnis der Recherche. Ich, die Reporterin, habe an Allerheiligen als Kind und bis heute viel Geborgenheit und Trost erlebt.

Es gibt aber auch die andere Seite. Allerheiligen kann schwer sein. Insbesondere für jene, die gerade intensiv trauern, ist dieser Feiertag herausfordernd. So hat es Gemeindereferentin Theresa Wagner aus ihrer Perspektive beobachtet.

Viel Familie, viel Tradition und viel Licht

Lange Jahre gestaltete sich Allerheiligen für mich, die Reporterin, so: Patentante und Onkel mit Cousins zu Besuch, Apfelkuchen, gemeinsame Stunden zu Hause gemütlich im Warmen. Zeit, Ruhe, Zusammensein. Mittendrin der erste Aufbruch: Mein Vater fährt zum Friedhof, er wird wie jedes Jahr singen mit seinem Männerchor: zur Gräbersegnung.

Dann endlich ist es dunkel. Schon lange vorher haben wir die roten, gläsernen Glaslämpchen aus dem Keller geholt. Wie jedes Jahr. Gleich müssen noch die kleinen Brenner im Plastikbehälter rein. Es werde Licht! Wir fahren alle gemeinsam auf den Friedhof, wo kaum in Parkplatz frei ist.

Es ist auch ein bisschen gruselig. Aber wir sind ja zusammen. Wir stellen Lämpchen hin, zünden sie an, schauen aufs Grab und beten. Unterwegs treffen wir andere Familien. Leises Plaudern der Erwachsenen. Nur kurz, und gedämpft. Die Gedanken und der Fokus bleiben bei den Lieben, die hier beerdigt sind.

In Kontakt zu den Seelen der Verstorbenen kommen

Wir Kinder derweil, gewappnet mit Streichhölzern, sehen: „Oh, da ist wieder ein Lämpchen ausgegangen.“ Das hätte der Angehörige sicher nicht gewollt. Schnell wieder anzünden, „fiemeln“ – wie die Sauerländer sagen – macht ja auch Spaß. Obwohl: Autsch, Daumen schon wieder verbrannt.

Es bleibt das Gefühl, eine wichtige Mission erfüllt zu haben. Wir haben Licht gebracht!

Schließlich, wieder zu Hause, vom Berg herab der Blick auf das Dorf und das Lichtermeer des Friedhofs. Unvergleichlich. Irgendwie spürte ich: Oma und Opa, heute seid ihr mehr als sonst wieder in unserer Mitte.

Dieser Tag führt ja auch in eine gewisse Zeit hinein. Es gibt oft Menschen, für die das Dunkele insbesondere im November schwierig ist, und sie freuen sich, dass der Advent dann wieder Licht bringt.

Theresa Wagner, Gemeindereferentin im Pastoralverbund Balve-Hönnetal

Nicht für alle ist Allerheiligen und Allerseelen mit guten Gefühlen verbunden

Theresa Wagner ist Gemeindereferentin im Pastoralverbund Balve-Hönnetal. Wie erlebt sie Allerheiligen? Persönlich erinnert sie sich an Besuche mit ihrem Vater auf dem Friedhof, nur sie allein – was sie sehr schön fand. Über ihren Beruf hat sie andererseits auch andere Gefühlswelten kennen gelernt.

Die Gemeindereferentin hat Menschen erlebt, für die dieser Tag besonders schwer sein kann. Insbesondere dann, wenn sie ihre Angehörigen und Freunde erst vor kurzer Zeit verloren haben. Oder wenn sie unabhängig von der zeitlichen Nähe sehr intensiv trauern.

„Ich glaube, dass es viele Menschen gibt, für die Allerheiligen ein ziemlicher Fels sein kann, der auf dem Herzen liegt“, sagt sie. Manche würden sich sogar vor Allerheiligen fürchten. „Denn der Tag erinnert an die Beerdigung des Verstorbenen und das Gefühl des Verlustes. Nach Allerheiligen sind manche auch wieder froh, dass das geschafft ist.“

Wie sich Allerheiligen gestalte sei abhängig von der Situation, in der sich der Mensch befinde. „Allgemein ist es ein Tag, wo es schön ist, zusammen zu kommen, sich zu erinnern. Es kommt wieder was in der Familie hervor zu den Menschen, die verstorben sind. Sich bewusst gemeinsam zu erinnern, kann für viele besonderes tröstlich sein.“

Hintergrund: Was hat es mit den beiden Feiertagen auf sich?

  • An Allerheiligen wird der bekannten Heiligen wie Franz von Assisi oder Edith Stein gedacht. Aber nicht nur: Auch unbekannte Heilige und damit alle, die in ihrem Leben ein wenig Heiligkeit zum Beispiel durch Nächstenliebe in die Welt gebracht haben, sind gemeint.
  • An Allerseelen steht das Gedenken an alle Verstorbenen im Vordergrund. Längst aber sind die beiden Feiertage ineinander verwoben. Dies schon allein, weil an Allerheiligen als gesetzlichem Feiertag in fünf Bundesländern die Zeit da ist, auf den Friedhof zu gehen. Und: Auch die Heiligen sind Verstorbene – nicht wenige sind für ihren Glauben verstorben.

 

Wie sehr trägt die Hoffnung auf die Auferstehung?

Aber als gläubige Christen haben wird doch sogar die berechtigte Hoffnung auf ein Wiedersehen durch die Auferstehung! Diesen Einwand der Reporterin denkt auch Theresa Wagner mit. Nur kann sie nicht einschätzen, wie viele, die sie an Allerheiligen auf dem Friedhof trifft, wirklich daran glauben. „Genau so stark wie unsere Botschaft ist, ist sie natürlich auch eine Herausforderung“. Aus Gesprächen heraus weiß sie: Viele können eher daran glauben, dass da überhaupt etwas ist.

Dann merkt sie: Sie hat mit der Auferstehungsbotschaft „ein paar Funken verstreut“. Der Verlust eines Angehörigen nehme den Menschen eine angenommene Handlungsfähigkeit, die vermeintliche Kontrolle, das Sichtbare. „Es wird dir viel genommen und genau dann kommt die Hoffnung besonders hervor: „Wenn da was ist, dann bitte jetzt!“

Vorbereitung beginnt schon Wochen zuvor: Mit der Grabpflege

Wer sieht, wie schon Wochen vor dem 1. und 2. November die Angehörigen nach und nach auf den Friedhof gehen und die Gräber herrichten, der spürt: Ein fester Anlaufort wie ein Grab kann helfen, die seelische Verbindung zu den verstorbenen Lieben zu spüren. Und es an Allerheiligen besonders herzurichten, schafft ein Stück Nähe. Nebeneffekt besonders im dörflichen Bereich ist allerdings ein gewisser sozialer Druck, wie die anderen aktiv werden zu müssen.

Theresa Wagner glaubt: „Es ist schon für den ein oder anderen eine Art Trauerverarbeitung, so eine ganz intensive Fürsorge für diejenigen, die man vermisst. Mit der Frage dahinter: Wie hätte sie oder er es gerne gehabt?“

Es könne Trost bringen, alles so richtig schön für die Verstorbenen herzurichten. „Was waren seine Lieblingsblumen? Wie hätte sie es gewollt?“ Letztlich ist Trauer ganz individuell und so unterschiedlich ist es auch, was wem genau guttut. Mehr Informationen hierzu gibt es auf unserer Themenseite Trauer, Trost und Kondolenz.

Darum zur Gräbersegnung: Mit Liturgie und Ritualen einen Rhythmus in den Tag bringen

Mir, der Reporterin, wird mit zunehmenden Lebensjahren und auch angesichts eigener Trauererfahrungen immer klarer: Die Liturgie bringt an Allerheiligen einen Rhythmus in den Tag, der trösten kann. Als Kind, wenn mein Vater zur Gräbersegnung fuhr und ich zu Hause blieb, war mir das nicht so bewusst. Heute erlebe ich es intensiver.

Vielleicht gehe ich dieses Jahr doch selbst einmal hin – im Hellen. Und dann nochmal, wenn es dunkel ist.

Ein Beitrag von:
Sonja Funke
Redakteurin

Sonja Funke

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