Krisen-Phänomene
In einer Krise ziehe sich der Mensch auf sich selbst zurück, neige dazu, sich abzugrenzen, erklärte Erzbischof Dr. Bentz in seiner Predigt. Abgrenzung, dauernde, teilweise krampfhafte Selbstvergewisserung und Polarisierungen seien Phänomene der Gegenwart und würden das gesellschaftliche Miteinander prägen. Das Erstarken politischer Extreme sei eine Zuspitzung dieser Krisen-Dynamik. Auch in der Kirche sei „Krise“ zu erleben, führte der Paderborner Erzbischof weiter aus und nannte als Beispiele die Abkehr von unglaublich vielen Getauften von den Kirchen, der kirchliche Relevanzverlust in der Gesellschaft, schwindende Ressourcen, Ringen und Streiten und Polarisierungen, die Selbstblockaden, um notwendige Konsequenzen zu ziehen. Das um-sich-selber-Kreisen der Kirche führe dazu, dass die Wirksamkeit und die Auseinandersetzung in den politischen und ethischen Diskursen leide, zeigte sich Erzbischof Dr. Bentz überzeugt.
Isolation und Abschottung – vom Auferstandenen durchbrochen
Ausgehend von der biblischen Pfingst-Erzählung entfaltete Erzbischof Dr. Bentz, dass sich auch die Jünger Jesu nach seinem Tod zurückgezogen hätten, denn „Krise provoziert Rückzug“: Die Jünger hätten in ihrer Angst und Verunsicherung die Türen zugemacht, alle Schotten dicht gemacht. Für den Durchbruch zu einem neuen Anfang sei diese Erfahrung allerdings notwendig, bekräftigte Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz: „Der Auferstandene durchbricht die Abschottung der Jünger, er kommt durch verschlossene Türen. In ihrer Lähmung bricht der Auferstandene bei den Jüngern etwas auf, so dass sie selbst neu aufbrechen, aus sich heraus und über sich hinaus gehen.“ Der Geist Jesu sei eine extrovertierte Kraft, die das Kreisen um sich selbst durchbreche, sagte Erzbischof Bentz. „‘Pfingsten‘ ist der ultimative Ausdruck dieser Dynamik.“