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© Photo Kozyr / Shutterstock.com
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„Sich vergewissern und das Ja erneuern“

Gottesdienst und Begegnung am „Tag des geweihten Lebens“

„Erneuern wir unser Ja zu Gott in den Gelübden der ‚Evangelischen Räte‘, damit viele unserer Zeitgenossen im Kontrast unserer Lebensform für sich das finden, was zu einem erfüllten Leben führt.“ Das sagte Weihbischof Matthias König im Pontifikalamt zum „Tag des geweihten Lebens“ im Hohen Dom zu Paderborn. Das Erzbistum Paderborn und die Paderborner Ordenskonferenz (POK) hatten zur gemeinsamen Feier eines Gottesdienst und zur Begegnung eingeladen. Rund 150 Christen des geweihten Lebens, Ordenschristen, Mitglieder eines Säkularinstitutes und „geweihte Jungfrauen“ aus dem ganzen Erzbistum Paderborn waren der Einladung gefolgt. Ordenschristen bekennen, was ihnen der von Papst Johannes Paul II. 1997 eingeführte „Tag des geweihten Lebens“ bedeutet und warum sie diese Lebensform für sich gewählt haben.

Rund 150 Christen im Stand des geweihten Lebens trafen sich zu Gottesdienst und Begegnung am „Tag des geweihten Lebens“ in Paderborn. Foto: Thomas Throenle / Erzbistum Paderborn

Evangelische Räte: Armut, Ehelosigkeit, Gehorsam

Das, was Menschen im geweihten Leben für sich angenommen und als Lebensform bejaht haben, sei in unserer Zeit schwer zu erläutern, führte Weihbischof Matthias König in seiner Predigt aus: „Die ‚Evangelischen Räte‘ Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam stoßen weitgehend auf Unverständnis. Doch Sie haben die ‚Evangelischen Räte‘ freiwillig angenommen, aus Liebe zu Gott. Sie haben sich dafür entschieden, um den Wert des Lebens mit und für Gott in der Welt hochzuhalten.“

Bewusste „Gegenexistenz“

Das Zeugnis der Menschen im Stand des geweihten Lebens sei wertvoll, so der Bischofsvikar des Erzbistums Paderborn für Institute des geweihten Lebens und für Gesellschaften des apostolischen Lebens. In einer Zeit, in der sich der Mensch mit seinen Bedürfnissen weitgehend an die erste Stelle setze, sei es eine bewusste „Gegenexistenz“, das eigene Leben Gott zu überantworten. Die Existenz eines Menschen, der sich Gott ganz und gar weihe, mache deutlich, dass es sich lohne, ohne Wenn und Aber zu Gott Ja zu sagen: „Denn von Ihm erhalten wir immer mehr, als wir je erbitten können“, bekräftigte Weihbischof König. Der Verzicht auf das rein Materielle, die Bescheidung auf das Wesentliche und Notwendige, wie es im Evangelischen Rat der Armut zum Ausdruck komme, könne ein Leben reich machen.

Herausforderungen begegnen

Herausforderungen zu begegnen, sei keine leichte Aufgabe, sagte die Ordensreferentin des Erzbistums Paderborn, Dr. Rosel Oehmen-Vieregge in ihrer Begrüßung. Veränderungen und Herausforderungen für die Ordensgemeinschaften könnten je nach Situation eine lähmende Wirkung entfalten und notwendige Entscheidungsprozesse erschweren. „Wie kann mit der Spannung kreativ umgegangen werden?“, fragte die Ordensreferentin weiter. Um schwierigen Situationen beweglich und kreativ zu begegnen, sei es wichtig, „vom Heiligen Geist inspiriert“ Ballast abzuwerfen: „auferlegte Strukturen, die nichts mehr mit Charisma zu tun haben“.

Aus dem ganzen Erzbistum kamen Christen im Stand des geweihten Lebens, um den Tag in Paderborn gemeinsam zu verbringen. Foto: Thomas Throenle / Erzbistum Paderborn

„meine Antwort auf die Umwerbung Gottes“

„Es tut gut, wenn viele Ordenschristen am ‚Tag des geweihten Lebens‘ in Paderborn zum Gottesdienst und zur Begegnung zusammenkommen“, sagt Schwester Gertudis Lüneborg OSF. Sie erfährt dies als gegenseitige Stärkung im Glauben. Im Hinblick auf ihr Leben als Ordens-Christin erläutert Sr. Gertrudis: „Das Leben in einer Ordensgemeinschaft ist für mich zunächst meine Antwort auf die hartnäckige, aber liebevolle Umwerbung Gottes, der mich gerufen hat, in dieser Lebensform mich ständig um eine lebendige Beziehung zu ihm zu bemühen.“ Seit 39 Jahren gehört Sr. Gertrudis zur Gemeinschaft der Franziskanerinnen von der ewigen Anbetung in Olpe: „Das Leben in dieser Ordensgemeinschaft fordert mich heraus, trägt mich, hilft mir und schenkt mir immer neu die Erfahrung, dass ich als Christin nicht allein unterwegs bin.“

„der schenkende Gott“

Der „Tag des geweihten Lebens“ sei ihr Erinnerung, von Gott gerufen zu sein, erklärt Schwester Laetitia Müller SMMP aus dem Bergkloster in Bestwig. „Wir sind reich beschenkt mit unserem Leben, unseren Talenten und Charismen. Der schenkende Gott sucht die Begegnung mit uns, er wartet auf unsere Antwort, auf unser Zurückschenken, auf unsere Hingabe. Dadurch entfaltet unser Leben seinen vollen Sinn und tiefsten Reichtum.“ Schwester Leatitia ist Schwester der heiligen Maria Magdalena Postel und sagt: „Als Ordensfrau danke ich an diesem Tag Gott für das Geschenk der Berufung und bitte ihn, auch heute junge Menschen zu begeistern, durch ihr Lebenszeugnis Christus in den Alltag und die Begegnung mit den Menschen zu tragen.“

„schon jetzt und noch nicht“

„Der ‚Tag des geweihten Lebens‘ ist für mich ein Ausdruck dafür, dass wir als Ordensleute ‚in der Erwartung‘ leben. Das heißt einerseits, immer fest mit Gott zu rechnen, in meinem Alltag, in meiner Arbeit als Seelsorger, in meinen Beziehungen und Begegnungen: Gott ist da, mitten unter uns! Und er begegnet mir jeden Tag!“, sagt Pater Siegfried Modenbach SAC. Der Pallottiner-Pater führt weiter aus: „Andererseits gilt aber auch: All das, was in diesem Leben geschieht und was mein Leben bestimmt, ist noch nicht die Erfüllung. Da kommt noch was, da muss es doch noch mehr geben! Die Vollendung, das Heil, die Fülle des Lebens wird uns am Ende erst noch geschenkt werden.“ Der „Tag des geweihten Lebens“ sei für ihn die Erinnerung an das „Schon jetzt – und noch nicht!“, erklärt Pater Modenbach, der gemeinsam mit einem Mitbruder am Wallfahrtsort Kohlhagen ein Geistliches Zentrum für Südwestfalen aufbaut. „Für mich als Ordensmann ist das eine wichtige Lebensgrundhaltung: Ich lebe in intensiver Verbindung mit Gott, weiß aber genau: Das Schönste kommt erst noch!“

Im Erzbistum Paderborn gibt es eine große Vielfalt an Ordensgemeinschaften und Institute des geweihten Lebens. Foto: Thomas Throenle / Erzbistum Paderborn

„mit einer Verheißung“

Christa Branse vom Institut St. Bonifatius, einer missionsbenediktinsichen Gemeinschaft auf dem Kupferberg bei Detmold, sagt über den „Tag des geweihten Lebens“: „Für mich ist es ein Innehalten, um in Dankbarkeit auf das zu schauen, was mir in der Vergangenheit geschenkt wurde. Ich möchte mit einer Verheißung den Weg weiter in die Zukunft gehen.“

„Missionarin sein“

„Im Vorfeld meiner Entscheidung für ein Leben im Kloster begegnete mir immer wieder ein Wort aus dem Alten Testament, dem Buch des Propheten Jeremia: ‚Sag nicht: Ich bin noch so jung. Wohin ich dich auch sende, dahin sollst du gehen, und was ich dir auftrage, das sollst du verkünden.‘“, sagt Schwester Martino Machowiak CPS. Die Missionsschwester vom Kostbaren Blut aus dem Missionshaus Neuenbeken sagt weiter: „Ja, das war’s! Darin sah ich meine Berufung! Das hat mich nicht mehr losgelassen, und gilt auch heute noch, nach 56 Ordensjahren. Ich bin überzeugt, dass dies mein Weg war und immer noch ist: Meine Beziehung zu Gott innerhalb einer Ordensgemeinschaft zu leben und zu pflegen, ohne dabei den Mitmenschen aus dem Auge zu verlieren, um Missionarin zu sein.“

Geweihtes Leben im Erzbistum Paderborn

Im Erzbistum Paderborn sind verschiedene Institute des gottgeweihten Lebens / Orden ansässig. Es gibt insgesamt 103 Niederlassungen. In ihnen leben 1.107 Ordensfrauen, 105 Ordensmänner (Priester und Laien), zudem gibt es 63 Angehörige eines Säkularinstituts. Ein Überblick über die Vielfalt ist hier möglich.

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