logocontainer-upper
Erzbistum Paderborn
logocontainer-lower

Nachfolge heißt Gott hinterherlaufen

Erzbistumskalender 2022: Das Kloster Grafschaft ist vom Mittelalter bis heute ein spirituelles Zentrum im Sauerland
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Unser Glaube
03. August 2022
Schmallenberg

Nachfolge heißt Gott hinterherlaufen

Erzbistumskalender 2022: Das Kloster Grafschaft ist vom Mittelalter bis heute ein spirituelles Zentrum im Sauerland

Das Ordensleben beginnt jeden Tag neu

Es war 1991. Erst ein Jahr zuvor war der Kommunismus implodiert, war der Eiserne Vorhang zwischen den Machtblöcken gefallen. In einer Nacht dieses Jahres, früh um drei Uhr, stehen fünf junge Frauen aus Rumänien, begleitet von zwei Priestern, vor der Pforte des Klosters Grafschaft. Müde von der langen Reise klopfen sie an … und ab hier beginnt das Ordensleben, jeden Tag neu.

Die Suche nach Sinn führte mich zu Gott

Eine der fünf Frauen ist Schwester Edith, die heute noch im Kloster Grafschaft lebt, arbeitet und betet. In ihrer Kindheit und Jugend war Rumänien ein kommunistisches Land. „Klosterfrauen kannten wir nur aus dem Film“, sagt sie und fängt an zu lachen. Schwester Edith lacht gern. Manchmal leise, mitunter schallend. Trotz ihrer früheren Unkenntnis des klösterlichen Lebens hat sie sich für ein Ordensleben entschieden. „Dafür sorgte eine innere Unruhe, die mich immer wieder ergriffen hat“, erzählt die Klosterfrau. „Die Suche nach Sinn führte mich zu Gott.“

Dass es verschiedene Kongregationen mit unterschiedlichen Ausprägungen gibt, von kontemplativ über apostolisch bis karitativ und diakonisch, war der Schwester bei ihrem Eintritt als Novizin unbekannt und spielt auch heute keine große Rolle für sie. „Nachfolge heißt Gott hinterherlaufen, dorthin, wo Gott einen haben will“, sagt die Ordensfrau.

Wie aus dem Bilderbuch

Gott stellte Schwester Edith an einen besonderen Ort. Grafschaft war von seiner Gründung im Jahr 1072 bis zu seiner Auflösung im Jahr 1804 im Zuge der Säkularisation eine Benediktinerabtei und das spirituelle Zentrum im Sauerland. Wieder als Kloster genutzt wird es erst seit dem Einzug der Borromäerinnen im Jahr 1948. „Dass es ursprünglich ein benediktinisches Männerkloster war, ist an dem Gebäude heute noch an vielen ordenspriesterlichen Details abzulesen“, erzählt Schwester Edith. „Von seiner Architektur her ist Grafschaft ein Kloster wie aus dem Bilderbuch.“

Der heilige Karl Borromäus

Viel wichtiger als Baulichkeiten und Gemäuer ist für die Ordensfrau aber das Klosterleben. Bei den Borromäerinnen handelt es sich um einen apostolisch-karitativ tätigen Orden. Der Patron des Ordens, der heilige Karl Borromäus, war im 16. Jahrhundert Kardinal und Erzbischof von Mailand. Gegründet wurde der Orden jedoch erst im darauffolgenden Jahrhundert im lothringischen Nancy. Dort widmete der Advokat Josef Chauvenel sein Leben den Armen, Kranken und Verlassenen und richtete eine Armenapotheke ein. Als 1651 in Toul die Pest ausbrach, reiste er dorthin, um die Kranken zu pflegen. Er steckte sich an und starb im Alter von 31 Jahren. Dem Wunsch seines verstorbenen Sohnes entsprechend, führte sein Vater Emanuel Chauvenel dessen Lebenswerk fort und gründete 1652 in Nancy das Haus der Barmherzigkeit oder La Charité.

Mit Respekt, Herzlichkeit und der Liebe zu Gott

Die Versorgung der Armen und die Pflege der Kranken gehören immer noch zu den Kernaufgaben der Borromäerinnen. An das Kloster Grafschaft ist eine Fachklinik in Trägerschaft der Schwestern angeschlossen, Neubauten des Krankenhauses umschließen den historischen Klosterkomplex vollständig. Schwester Edith ist nicht in der Krankenpflege tätig. „Ich hab’s versucht, aber Gott hat mich an einen anderen Platz gestellt“, sagt sie. „Ich bin Erzieherin und leiste Verkündigungsarbeit. Manchmal mit Worten oder Taten, manchmal nur durch mein Lebenszeugnis.“ Und dann lacht sie wieder, und ihr Lachen ist angefüllt mit Respekt, Herzlichkeit und der Liebe zu Gott.

Das Kalenderbild

© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Bistumskalender 2022: Auf dem Weg im Erzbistum Paderborn

Der diesjährige Bistumskalender nimmt uns mit auf eine Reise durch das Erzbistum Paderborn und macht jeden Monat Halt an zwei besonderen Orten: an zahlreichen Kapellen oder Kreuzwegen, die jeweils Zeugen einer interessanten Entstehungsgeschichte sind. Darüber hinaus erzählt der Kalender faszinierende Geschichten von Menschen, die mit diesen Orten verbunden sind – manchmal nicht nur über viele Jahre, sondern sogar über weite Entfernungen hinweg. Wir stellen Ihnen hier alle zwei Wochen das neueste Kalenderblatt vor.

Die weiteren Kalender-Einträge

© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Unser Glaube | 16. November 2022

Spanische Trompeten machen ordentlich Lärm!

Erzbistumskalender 2022: Die Orgel in St. Marien in Schwerte ist zugleich romantisch und barock gestimmt
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Unser Glaube | 01. November 2022

Zum Licht und zur Ruhe kommen

Erzbistumskalender 2022: In der Marienkapelle der Abtei Königsmünster in Meschede brennen neben echten auch virtuelle Kerzen
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Unser Glaube | 16. Oktober 2022

Alte Menschen sind offen für Neues

Erzbistumskalender 2022: Die Kapelle im Seniorenzentrum St. Engelbert in Brilon ist ein Ort der Teilhabe, der Gemeinschaft und Geborgenheit
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Unser Glaube | 01. Oktober 2022

Die Kirche muss den Menschen etwas geben

Erzbistumskalender 2022: St. Meinolf in Hagen ist eine moderne Kirche – nicht nur in Sachen Architektur
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Unser Glaube | 16. September 2022

Ruhend auf neun Säulen

Erzbistumskalender 2022: St. Joseph in Herne-Horsthausen ist eine moderne Erzählkirche mit stündlich wechselnder Lichtstimmung
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Unser Glaube | 01. September 2022

Kunstschätze im Waschbecken

Erzbistumskalender 2022: 25 Jahre lang umsorgte das Küsterehepaar Kneer die Kirche St. Pankratius in Gütersloh
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Unser Glaube | 16. August 2022

Kirche ist mehr als ein Gebäude

Erzbistumskalender 2022: Der Turm von Herz Mariä in Lünen-Horstmar war ein Sanierungsfall – jetzt ist er das Wahrzeichen einer neuen Mitte des Stadtteils
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Unser Glaube | 03. August 2022

Nachfolge heißt Gott hinterherlaufen

Erzbistumskalender 2022: Das Kloster Grafschaft ist vom Mittelalter bis heute ein spirituelles Zentrum im Sauerland
© Bezim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Unser Glaube | 16. Juli 2022

Fest verankert in der Kirche, fest verankert in der Stadt

Erzbistumskalender 2022: Die Pfauenfigur auf der Turmspitze der Liboriuskapelle ist ein Wahrzeichen der Stadt Paderborn und des Libori-Festes
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Unser Glaube | 01. Juli 2022

Bei Anruf Kirchenführung!

Erzbistumskalender 2022: In der romanischen Kirche Sankt Kilian in Lügde finden sich neben christlichen auch heidnische Symbole
 
| |
generalvikariat@erzbistum-paderborn.de
+49 (0)5251 125-0
Barrierefreiheit