Eine Vorlesefunktion, eine integrierte Übersetzung in viele Sprachen und die Möglichkeit, die Schriftgröße anzupassen, hatten die Internetseiten des Erzbistums schon seit einiger Zeit. Neu hinzugekommen ist nun, dass sich die Seite zusätzlich zur Maus mit der Tastatur steuern lässt. Auch können Menschen, die zu Krampfanfällen neigen oder Konzentrationsschwierigkeiten haben, störende Animationen und gefährliche Farbkombinationen deaktivieren. Wort- und Zeilenabstände lassen sich beliebig vergrößern, Bilder in Schwarzweiß anzeigen oder gleich ganz ausblenden.
Kirche ist immer inklusiv
Auf diese Weise ist die Seite zwar noch nicht völlig barrierefrei, zumindest aber heben die technischen Neuerungen viele der bisherigen Nutzungseinschränkungen auf. „Der Abbau von Barrieren ist für uns als Kirche sehr wichtig, unter kommunikativen wie unter theologischen Gesichtspunkten“, erklärt Heike Meyer, Leiterin der Kommunikationsabteilung des Erzbistums Paderborn. „In seiner Gebetsmeinung im Monat Dezember 2023 ruft Papst Franziskus dazu auf, Menschen mit Behinderung ins Zentrum einer barrierefreien Pfarrei zu stellen, inklusive Angebote zu machen und nicht mehr von ‚ihnen‘, sondern von ‚uns‘ zu sprechen. Der Auftrag an die Kirche ist, dass wir uns an alle Menschen wenden, vor allem an diejenigen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Mit Behinderung oder ohne, unabhängig von Kompetenzen oder Persönlichkeitsmerkmalen: Vor Gott ist jedes Leben gleich viel wert.“
Overlay-Tools können Barrieren senken
Möglich wird der Abbau von Barrieren in der Online-Kommunikation durch sogenannte Overlay-Tools. Das in der Online-Kommunikation des Erzbistums Paderborn eingesetzte Tool wurde von der Aktion Mensch im Zuge der „Mikroförderung Barrierefreiheit“ mit 5.000 Euro bezuschusst. Mit der Summe sind die Lizenz-Kosten des Overlay-Tools für das erste Jahr und die Programmierarbeiten zu großen Teilen abgedeckt.
Neue inklusive Inhalte
Overlay-Tools sind eine gute Möglichkeit, Internetseiten barriereärmer zu gestalten. Doch selbst die Aktion Mensch, die den Einsatz von Overlay-Tools finanziell fördert, weist darauf hin, dass die technischen Lösungen Grenzen haben. „Inklusive Onlinekommunikation auf Knopfdruck gibt es nicht“, sagt auch Anja Fecke, im Erzbistum Paderborn Diözesanbeauftragte für die Seelsorge für und mit Menschen mit Behinderung. Seit vielen Jahren gestaltet sie mit ihrem Team, das sich aus Menschen mit und ohne Behinderung zusammensetzt, Gottesdienste und Materialien für Menschen mit unterschiedlichen Formen der Behinderung.
Die bei diesen Aktivitäten gewonnenen Erfahrungen wird Anja Fecke mit ihrem Team nun beim Aufbau von inklusiven Inhalten in der Online-Kommunikation nutzen. Geplant sind beispielsweise inklusive Videos mit Untertiteln sowie mit simultaner Übersetzung in Gebärdensprache sowie Audiodeskription. Für Gläubige mit kognitiven Behinderungen wird es spirituelle Impulse, Gebete und andere religiöse Inhalte in Leichter Sprache geben. Geplant ist auch, auf den Medien des Erzbistums Teile der Bibel in Leichter Sprache zur Verfügung zu stellen. Die Übertragung der biblischen Texte in Leichte Sprache verantwortet ein Team des Katholischen Bibelwerkes in Stuttgart.
Leichte Sprache durch Künstliche Intelligenz
Bei der Übertragung von Inhalten der Online-Kommunikation in inklusive Medien experimentiert Anja Fecke mit ihrem Team mit Künstlicher Intelligenz (KI). So können KI-Tools beispielsweise Videos automatisch untertiteln. Besonders spannend ist die Nutzung von KI bei der Übertragung von Inhalten in Leichte Sprache.
Dabei erprobt die Diözesanbeauftragte für die Seelsorge für und mit Menschen mit Behinderung neben der KI des Anbieters SUMM-AI auch die KI, die der Fußballverein FC St. Pauli entwickeln ließ und nun für die Übertragung von Inhalten in Leichte Sprache zur Verfügung stellt. Anja Fecke: „Die KI ist ein lernendes System und muss noch mit vielen religiösen Inhalten gefüttert werden, auch muss hinterher immer ein Mensch noch nachsteuern. Aber bei der Übertragung von großen Textmengen ist die KI auf jeden Fall hilfreich.“
Die inklusiven Digitalangebote befinden sich derzeit noch im Aufbau, in wenigen Monaten sollen die neuen Inhalte erstmals auf Sendung gehen. Als religiöse Institution ist das Erzbistum Paderborn nicht vom 2025 in Kraft tretenden Barrierefreiheitsstärkungsgesetz betroffen. Gleichwohl erhofft sich Anja Fecke, dass durch das Gesetz inklusive Informationsangebote zum Standard werden.