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© Triff / Shutterstock.com
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Glaube auf TikTok: Mit „Gottesbeweisen“ zum Nachdenken anregen

Könnte Gott dahinterstecken? In kurzen Videos stellt das Team Social Media des Erzbistums Paderborn auf TikTok grundlegende Fragen, die viele Menschen beschäftigen. Zum Beispiel nach Sinn und Ursprung des Lebens.

Im Fokus steht unter anderem eine Reihe zu sogenannten Gottesbeweisen. Also zu der Frage, ob und wie sich die Existenz Gottes mit Vernunft und Erfahrung erschließen lässt. Die Beiträge werden in lockerer Reihenfolge seit einigen Wochen veröffentlicht und fortlaufend ergänzt.

Das Gesicht der Reihe ist Social-Media-Redakteur Tim Sprenger. Für ihn ist klar: „Große Fragen brauchen keine komplizierte Sprache. Wenn Menschen verstehen, worum es im Glauben geht, dann sind sie auch bereit, sich damit zu beschäftigen.“

Warum die Frage nach Gott heute relevant ist

Gottesbeweis, die Erste: Der Film beginnt mit einem Beispiel aus dem digitalen Raum. Es geht um die Frage des Planes hinter unserem Leben, der besonderen Beschaffenheit unserer Erde. „Ein kleines Detail in einem Computerspiel wird verändert. Das System stürzt ab und nichts funktioniert mehr.“ Auch unser Universum hätte ganz anders entstehen können. Schon minimale Abweichungen bzw. „Bugs“ (Fehler) in Naturkonstanten hätten Leben unmöglich gemacht. In der Naturwissenschaft spricht man hier von der sogenannten „Feinabstimmung“ des Universums. Tim Sprenger fragt im Video: „Aber wer hat jetzt dieses Game, das wir Universum nennen, so passgenau designed? Eine höhere Macht? Oder gibt es vielleicht einfach nur unzählige Universen die parallel existieren und wir leben zufällig in einer der Versionen mit weniger Bugs? Beide Theorien sind nicht bewiesen. Was denkst du? Schlauer Designer oder unser Universum hat einfach Glück gehabt?“

In der Theologie wird dieser Gedanke als „teleologisches Argument“ beschrieben. Also als Hinweis darauf, dass Ordnung und Zielgerichtetheit in der Welt auf einen Urheber hindeuten könnten. Bereits Thomas von Aquin hat im 13. Jahrhundert in seinen „Fünf Wegen“ ähnliche Überlegungen formuliert: Die Welt sei nicht zufällig, sondern weise auf eine ordnende Ursache hin.

Tim Sprenger formuliert es so: „Wir nehmen ein wissenschaftliches Phänomen und stellen die Frage, die sich daraus ergibt. Nicht belehrend, sondern offen: Was erklärt die Welt für dich besser?“ Für ihn steckt ganz klar die Intention dahinter, bei TikTok mitzureden, wenn es um so grundlegende Themen geht: „Ich finde es wichtig, dass die klassische Sicht auf Glaubensthemen aus der katholischen Kirche heraus stattfindet. Es soll eine verlässliche Anlaufstelle geben, bei der man sich grundlegend über Lehrinhalte informieren kann, damit nicht nur Privatmeinungen den Diskurs auf den sozialen Medien beherrschen.“

 

Anfang und Ursprung: Wer stößt den ersten Dominostein an?

Gottesbeweis, die Zweite: das klassische Argument der ersten Ursache, des Ursprungs. Die Vorstellung ist einfach: Alles, was existiert, hat eine Ursache. Doch was steht am Anfang dieser Kette?
„Die Wissenschaft sagt: Urknall. Aber das erklärt nur, was passiert ist – nicht, warum es überhaupt passiert ist“, sagt Tim Sprenger im Video.
Auch dieses Argument hat eine lange Tradition und wird als „kosmologischer Gottesbeweis“ beschrieben. Das Video übersetzt diese Idee in ein Bild: eine Reihe von Dominosteinen. Einer stößt den nächsten an. Doch wer hat den ersten bewegt?

Schon Aristoteles hat intensiv über eine erste Ursache nachgedacht, später Thomas von Aquin. Kant kritisierte beide Beweise später als rational nicht nachweisbar und Papst Johannes Paul II. setzt sich in seiner Enzyklika „Fides et Ratio“ im Jahr 1998 intensiv damit auseinander, dass Glaube und Vernunft doch weiterhin zusammengehören müssten.

„Am Ende ist etwas Gutes“

Tim Sprenger betont: „Es geht am Ende darum, dass sich die Welt trotz aller Widrigkeiten nicht auf etwas Schlechtes hinführt, sondern am Ende etwas Gutes ist. Hier setzt für mich die Kernbotschaft des Evangeliums an, der frohen Botschaft. Das christliche Menschenbild legt zugrunde, dass wir alle vom gleichen Gott entstanden sind und alle gleich geliebt werden. Dementsprechend ist kein Mensch vorzuziehen oder zurückzustellen.“

Wir knüpfen an das an, was wir über die Welt wissen, und stellen die Frage nach dem, was dahinterliegen könnte.

Tim Sprenger

Heute vor einem Jahr gestartet

  • Das Erzbistum Paderborn ist vor genau einem Jahr, am 8. Juni 2025, mit einem eigenen Kanal auf der Social-Media-Plattform TikTok gestartet.
  • Unter dem Accountnamen @praystation.pb  sind kurze Videos zu sehen, rund um Gott, Glaube, die Katholische Kirche und gesellschaftliche Themen – lebensnah, „um die Ecke gedacht“ und angelehnt an die Interessen und den Alltag von jungen Menschen.
  • „Jugendliche und jungen Erwachsene sollen auf diesem Weg sehen: Unsere Kirche ist nicht weltfremd. Sie hat etwas zu sagen, sie hört zu, sie sucht den Dialog – auch in 30 oder 60 Sekunden“, so Till Kupitz, Teamleiter Social Media & Video.

Warum bin ich hier?

Gottesbeweis zum Dritten: Ein weiterer Beitrag geht von der persönlichen Lebenswirklichkeit aus. Viele Menschen erleben ihren Glauben zunächst unbefangen als Teil der Kindheit. Später treten andere Themen in den Vordergrund: Ausbildung, Beruf, Erfolg, Konsum. Und dennoch bleiben viele beim Glauben, denn die eine grundlegende Frage bleibt: Wofür das alles?

Tim Sprenger ist überzeugt, dass die katholische Kirche hier ihre Antworten mit präsentieren, eine Rolle im Diskurs spielen sollte. „Ich denke, dass, wenn man die Menschen einfach mit den offiziellen Lehrinhalten konfrontiert, sich dadurch schon ihr Bild über die Kirche und den Glauben ändern können. Weil viel im Umlauf ist, was einfach nicht stimmt. Wir blicken auf 2000 Jahre Historie zurück, die neben dunklen Punkten mit Blick auf den Ursprung, das Wirken Jesu und seine Botschaften, vor allem ganz viel Licht hat, und da ist es wichtig, gegen negative Narrative einfach zu prägen.“

Die christliche Tradition versteht die oben beschriebene Sinnsuche als zutiefst menschlich. Der Kirchenvater Augustinus formulierte es so: „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, o Gott.“ Die Sehnsucht nach Sinn, nach Orientierung und nach einem Ziel über das eigene Leben hinaus gehört zum Kern menschlicher Existenz.

Das Video greift diese Erfahrung auf und verbindet sie mit weiteren Gedankengängen: Ist der Mensch gewollt? Gibt es einen Sinn, der über das Zufällige hinausgeht? Und daraus folgend, die letzte, vielleicht auch beängstigende Frage: „Ist der Tod das Ende?“ Wer denkt, es kommt noch etwas, hofft doch eigentlich, dass da jemand ist, der größer ist als der Tod. So endet das Video.

Viele merken irgendwann, dass Erfolg allein nicht trägt. Genau da setzen wir an. Wir nehmen diese Erfahrung ernst und öffnen einen Raum für die Frage nach Gott.

 

Glaube in 60 Sekunden - was hätte Jesus gesagt?

Redaktion

Hätte Jesus wohl auch TikTok genutzt?

Tim Sprenger

Ich denke schon, dass Jesus heute TikTok nutzen würde. Wenn man sich seine Worte genau anschaut, merkt man, wie radikal seine ethischen Forderungen sind. Jesus spricht zugespitzt, provokant und kompromisslos. Genau solche pointierten Botschaften funktionieren auf Plattformen wie TikTok.

Der Unterschied wäre allerdings der Inhalt: Während soziale Medien heute oft radikalen Hass verstärken, würde Jesus radikale Liebe entgegensetzen. Seine Botschaft zielt darauf, Menschen miteinander zu versöhnen statt sie gegeneinander aufzubringen.

Außerdem ist Jesus immer aktiv zu den Menschen gegangen. Er hat seine Botschaft nicht distanziert verbreitet, sondern dort gesprochen, wo Menschen waren. TikTok ist heute genau so ein Ort: ein Raum, in dem nahezu alle Altersgruppen und gesellschaftlichen Milieus zusammentreffen.

Redaktion

Würden seine Aussagen wohl für Diskurs sorgen?

Tim Sprenger

Natürlich würde auch Jesus anecken. Viele seiner Aussagen wären unbequem und würden Widerspruch auslösen. Aber genau das gehört zu seiner Art zu sprechen.

Und noch etwas passt zu TikTok: Jesu Sprache ist oft erstaunlich kurz und klar. Viele seiner Botschaften lassen sich in wenigen Worten ausdrücken, auch wenn sie bis heute immer neu ausgelegt werden.

Ein Beitrag von:
Sonja Funke
Redakteurin

Sonja Funke

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