Erstmals ist auch Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz dabei. Dass er persönlich nach Werl kommt, um auch Menschen im Strafvollzug an die Hand zu nehmen, empfinden viele der begleitenden JVA-Bediensteten und Seelsorger als sehr ermutigend. „Zu einer Wallfahrt gehört immer der Ortswechsel, man bricht auf zu einem anderen Ort als der Alltag, so besteht die Chance, dass auch innerlich in einem etwas aufbricht“, so der Erzbischof bei der Begrüßung im Klostergarten. Den Teilnehmenden legt er den besonderen Wallfahrtsort mit der Basilika und der Gottesmutter ans Herz. „Es ist hier ein Ort, wo wir Maria verehren, wo wir Zuflucht suchen mit unserem eigenen Anliegen.“ Dazu gehöre „das Erlebnis und die Erfahrung von Zusammen und Gemeinsam.“ Es gehe darum, Leben, Glauben und Hoffnung zu teilen. Er wünsche sich, „dass alle gestärkt und ermutigt von hier wieder weg gehen“.
Pilgerwege wegen der besonderen Situation zwangsläufig kurz
Die Menschen, die sich an diesem Tag erst zur Kapelle an der Gänsevöhde aufmachen, um dann zum Gnadenbild der Gottesmutter, der „Trösterin der Betrübten“, zurückzukehren, sind alles andere als betrübt. Und das liegt nicht nur am herrlichen Sommerwetter. Jene, die dabei sein dürfen, haben trotz Strafe einen positiven Blick nach vorn entwickelt. Sie befinden sich größtenteils im offenen Vollzug und lernen das Leben draußen durch regelmäßige Freigänge – zumeist in Begleitung – kennen. Im Vergleich zu den anderen Wallfahrten, die in Werl im Jahresverlauf stattfinden, sind es denn auch nur kurze Wege, die die rund 100 Teilnehmer gehen. Und an diesem Tag ist der „Freigang“ etwas Außergewöhnliches.
Wie etwa für den 67-jährigen Sicherungsverwahrten, der sich im Gespräch freimütig zu seinen Fehlern bekennt. „Inzwischen habe ich es begriffen“, blickt er auf sein Leben zurück, das anders hätte verlaufen können. Zum Pilgern gehört für ihn der Rückblick, aber auch der Blick nach vorn. Er will sein Leben in die Hand nehmen, auch wenn er weiß, dass die Kontrolle durch andere bleibt. „Man muss etwas tun, damit man nicht auf dumme Gedanken kommt.“ Der Glaube gebe ihm die Stärke, dies trotz seiner Lage zu bewältigen. Deshalb sei er heute dabei.