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Erzbistum Paderborn
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Das Heilige und die Heilung

Die Lourdes-Grotte im Garten der Pfarrkirche St. Laurentius in Enkhausen ist ein Relikt eines ehemaligen Krankenhauses

Die Lourdes-Grotte im Garten der Pfarrkirche St. Laurentius in Enkhausen ist ein Relikt eines ehemaligen Krankenhauses

Die an Krebs erkrankte Mutter schickt ihre beiden Söhne nach Lourdes, in den Wallfahrtsort am Rande der Pyrenäen, um dort mit eigener Hand eine Flasche voll des wundertätigen Wassers abzufüllen und zu ihr zu bringen. Die Söhne tun wie ihnen geheißen. Nur stellen sie, nachdem sie ihren Auftrag erledigt hatten, das Fläschchen in einem unkonzentrierten Augenblick aufs Autodach und machen sich auf den Heimweg. Den Verlust bemerken sie erst nach der Rückkehr. Was also tun? Sollen sie den weiten Weg erneut auf sich nehmen? Nein. Sie füllen ein anderes Fläschchen mit Sauerländer Leitungswasser und lassen ihre Mutter im Glauben, es handle sich um Wasser aus Lourdes. Der Glaube kann bekanntlich Berge versetzen. Die Krebstherapie verläuft bei der Mutter erfolgreich, ihre Genesung ist vollständig. Nach einem erfüllten Leben stirbt sie friedlich als hochbetagte Frau.

Die Grotte hat viel mit Heilung, medizinischer Heilkunst und christlichem Glauben zu tun

Von 7.000 Heilungen wird aus Lourdes berichtet, 70 davon hat die römisch-katholische Kirche als Wunder anerkannt. Diese eine Heilung, die sich im Umfeld von Pastor Otto Dalkmann exakt so abgespielt hat wie hier erzählt, gehört nicht dazu. Und doch erinnert sich der Kirchenmann jeden Tag daran, wenn er sich auf den wenige Schritte kurzen Weg vom Pfarrhaus zur Kirche St. Laurentius in Enkhausen, ein Stadtteil von Sundern, macht. Dort kommt er an einer Lourdes-Grotte vorbei. Die Figuren sind typisch gehalten: Eine Bernadette Soubirous in blau-weißer Schwesterntracht kniet betend vor einer ebenfalls in blau-weiß gekleideten Madonna. Auch sie hat die Hände zum Gebet gefaltet. Der künstlerische Wert der Lourdes-Grotte ist gering, der ideelle Wert dafür umso höher, denn auch die Grotte hat viel mit Heilung, medizinischer Heilkunst und christlichem Glauben zu tun. Das Mauerwerk der Grotte stammt von einem alten Krankenhaus in Enkhausen, dessen Grundstein im Jahr 1905 gelegt wurde. Das oberhalb der Kirche gelegene Grundstück stiftete ein Adliger der Kirchengemeinde, der Bau erfolgte durch Kirchenmittel. Den Krankenhausbetrieb übernahmen Olper Franziskanerinnen. Die Klosterfrauen betrieben zur Selbstversorgung und zur Verköstigung ihrer vielen Patientinnen und Patienten auch Landwirtschaft.

Die schönsten Bruchsteine für die Lourdes-Grotte

Das kleine Dorfkrankenhaus war ein wichtiger Teil der ländlichen Infrastruktur. Dort wurden gebrochene Beine eingegipst, Schnittwunden genäht, andere Blessuren verarztet und Krankheiten geheilt. Vor allem aber kamen in dem katholischen Krankenhaus scharenweise Kinder zur Welt. Mitte der 1970er-Jahre war dann ein wirtschaftlicher Betrieb des Krankenhauses Enkhausen nicht mehr möglich, die Schwestern zogen weg. Der Versuch, das Gebäude als kirchliches Jugendhaus zu nutzen, scheiterte. 1986 wurde das alte Krankenhaus abgerissen. Wenigstens fand ein Großteil der Steine beim Bau einer Stützmauer eine weitere Verwendung. Die schönsten Bruchsteine aber klaubte sich ein Bauhandwerker aus dem Schutt, um daraus die Lourdes-Grotte zu mauern. Als Otto Dalkmann die Pfarrei Enkhausen im Jahr 1991 übernahm, war die Grotte schon da und mit Efeu bewachsen. Gepflegt wird die Grotte von einer kleinen Gruppe engagierter Christen, darunter Lourdes-Pilger.

Den Wallfahrtsort besuchen?

Pastor Dalkmann selbst war noch nie in Lourdes. Ob er den Wallfahrtsort in seinem sich abzeichnenden Ruhestand aufsuchen wird, den er im November 2023 antritt? „Die Heiligen im Himmel bauen Beziehungen zu uns Menschen auf und wir Menschen tun gut daran, diese Beziehung zu erwidern“, sagt der Pastor. „Konkrete Pläne für den Ruhestand habe ich nicht, schon gar keine Reisepläne. Einstweilen bin ich auch noch im Amt und will dieses ausfüllen. Was danach kommt, werden wir mit Gottes Hilfe erkennen und erleben.“

Foto: Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Bistumskalender 2021: Auf dem Weg im Erzbistum Paderborn

Der diesjährige Bistumskalender nimmt uns mit auf eine Reise durch das Erzbistum Paderborn und macht jeden Monat Halt an zwei besonderen Orten: an zahlreichen Kapellen oder Kreuzwegen, die jeweils Zeugen einer interessanten Entstehungsgeschichte sind. Darüber hinaus erzählt der Kalender faszinierende Geschichten von Menschen, die mit diesen Orten verbunden sind – manchmal nicht nur über viele Jahre, sondern sogar über weite Entfernungen hinweg.

Wir stellen Ihnen hier alle zwei Wochen das neueste Kalenderblatt vor.

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