logocontainer-upper
Erzbistum Paderborn
logocontainer-lower

Bei der Männerwallfahrt machen sich die Frauen aus dem Staub

Erzbistumskalender 2022: Das Brünneken bei Bökenförde ist auch abseits der Wallfahrten und Prozessionen gut besucht
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Unser Glaube
01. Juni 2022
Lippstadt

Bei der Männerwallfahrt machen sich die Frauen aus dem Staub

Erzbistumskalender 2022: Das Brünneken bei Bökenförde ist auch abseits der Wallfahrten und Prozessionen gut besucht

Ein paar Grad wärmer

„Spüren Sie das?“, fragt Rita Lübbers mit einem Lächeln. „In der Kapelle ist es wegen der Kerzen immer ein paar Grad wärmer als draußen. Im Winter ist das angenehm, aber jetzt in der Junisonne … puh!“ Tatsächlich ist der große Kerzenständer vor der steinernen Madonnenfigur gut zur Hälfte mit brennenden Kerzen bestückt, und die Temperatur steigt beim Betreten der Wallfahrtskapelle merklich an. Dabei ist heute ein normaler Wochentag, und die Glocken der zwei Kilometer entfernten Pfarrkirche St. Dionysius haben noch nicht einmal zur Mittagsstunde geschlagen. „Am Wochenende ist am Kerzenständer kein einziger freier Platz mehr“, berichtet Rita Lübbers, die sich als Mitglied des Kirchenvorstands für ihre Gemeinde St. Dionysius in Bökenförde und für das Brünneken als dazugehörige Wallfahrtskapelle einsetzt. „Dann verbietet der Brandschutz das Anzünden weiterer Kerzen.“

Hierher kommen die unterschiedlichsten Menschen

Wenn es oft heißt, dass die Menschen heutzutage für religiöses Brauchtum nur noch wenig Verständnis aufbringen, gilt das nicht für das Brünneken. „Hierher kommen die unterschiedlichsten Menschen aus unterschiedlichster Motivation“, sagt Rita Lübbers. Als hätte ihre Aussage eines Belegs bedurft, stößt ein Ehepaar, an der Montur eindeutig als Radtouristen erkennbar, zu uns in die Kapelle. Ihnen folgt ein Motorradfahrer, der in Lederkluft im Brünneken auftaucht. Während seine am Straßenrand geparkte Maschine in der Hitze brütet, hält aus der anderen Richtung eine Gruppe fröhlich schwatzender Wanderinnen und Wanderer auf die Wallfahrtskapelle zu. Rita Lübbers erkennt sie auf den ersten Blick als Personen, die spazieren gehen: „Die kommen nicht von weit her. Die Fernwanderinnen und Fernwanderer auf dem Jakobsweg sind meist allein unterwegs, und wenn sie sich in Gruppen zusammenfinden, haben sie sich nicht so viel zu sagen.“

Die Stille macht den Ort aus

Was das Brünneken so anziehend macht? Das Gebäude ist schmuck hergerichtet, aber das ist bestimmt nicht der alleinige Grund dafür, dass Menschen in so großer Zahl vorbeikommen. Am wundertätigen Gnadenbild kann es ebenfalls nicht liegen, denn die hölzerne Madonnenfigur aus dem Mittelalter steht die meiste Zeit aus Sicherheitsgründen in der Kirche St. Dionysius. Hier in der Kapelle, wo der frommen Legende nach ein Hirte ein Marienbildnis über dem Wasser des Brunnens schweben sah, befindet sich nur eine steinerne Statue wesentlich neueren Datums.

Was dann macht das Brünneken aus? „Ich denke, es ist die Stille, die von diesem heiligen Ort ausgeht“, sagt Rita Lübbers.

Die Dekanatsmännerwallfahrt

Bei einigen Gelegenheiten im Kirchenjahr ist es aber mit der Ruhe am Brünneken vorbei. Dazu zählt die Dekanatsmännerwallfahrt, die im Jahr 1934 begründet wurde. Was sich seither alljährlich am Pfingstmontag ereignet, weiß Rita Lübbers nur aus Erzählungen. „Die Herren der Schöpfung möchten an dem Tag unter sich sein“, sagt sie lachend. „Wir Frauen tun ihnen den Gefallen und machen uns rechtzeitig aus dem Staub.“

Gemischtes Publikum aus Frauen und Männern, Jung und Alt

Eine Diskriminierung sieht das Kirchenvorstandsmitglied nicht, bleiben den Frauen und Mädchen doch zwei andere Gelegenheiten, eine Prozession zum Brünneken zu erleben. Am Dreifaltigkeitssonntag zieht ein gemischtes Publikum aus Frauen und Männern, Jung und Alt, in feierlicher Lobetagsprozession zur Kapelle. Dieser Festzug geht auf eine überstandene Viehseuche im 18. Jahrhundert zurück. An Mariä Himmelfahrt wird Krautweihe gefeiert. Bei diesen Prozessionen tragen unterschiedliche Gruppen das Gnadenbild zum Brünneken – darunter selbstverständlich Frauen.

Das Kalenderbild

© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Bistumskalender 2022: Auf dem Weg im Erzbistum Paderborn

Der diesjährige Bistumskalender nimmt uns mit auf eine Reise durch das Erzbistum Paderborn und macht jeden Monat Halt an zwei besonderen Orten: an zahlreichen Kapellen oder Kreuzwegen, die jeweils Zeugen einer interessanten Entstehungsgeschichte sind. Darüber hinaus erzählt der Kalender faszinierende Geschichten von Menschen, die mit diesen Orten verbunden sind – manchmal nicht nur über viele Jahre, sondern sogar über weite Entfernungen hinweg. Wir stellen Ihnen hier alle zwei Wochen das neueste Kalenderblatt vor.

Die weiteren Kalender-Einträge

© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Unser Glaube | 03. August 2022

Nachfolge heißt Gott hinterherlaufen

Erzbistumskalender 2022: Das Kloster Grafschaft ist vom Mittelalter bis heute ein spirituelles Zentrum im Sauerland
© Bezim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Unser Glaube | 16. Juli 2022

Fest verankert in der Kirche, fest verankert in der Stadt

Erzbistumskalender 2022: Die Pfauenfigur auf der Turmspitze der Liboriuskapelle ist ein Wahrzeichen der Stadt Paderborn und des Libori-Festes
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Unser Glaube | 01. Juli 2022

Bei Anruf Kirchenführung!

Erzbistumskalender 2022: In der romanischen Kirche Sankt Kilian in Lügde finden sich neben christlichen auch heidnische Symbole
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Unser Glaube | 16. Juni 2022

Als wäre es immer schon da gewesen!

Erzbistumskalender 2022: Das Wegkreuz bei der Michaelskirche im Korbacher Ortsteil Hillershausen ist ein Gemeinschaftswerk der Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Unser Glaube | 01. Juni 2022

Bei der Männerwallfahrt machen sich die Frauen aus dem Staub

Erzbistumskalender 2022: Das Brünneken bei Bökenförde ist auch abseits der Wallfahrten und Prozessionen gut besucht
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Unser Glaube | 16. Mai 2022

Ein Ort, an dem die Seele aufblüht

Erzbistumskalender 2022: Mariä Heimsuchung auf dem Kohlhagen ist eine uralte Wallfahrt und zugleich ein neues Geistliches Zentrum
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Unser Glaube | 01. Mai 2022

Wende deine barmherzigen Augen uns zu und zeige uns Jesus

Erzbistumskalender 2022: Die Wallfahrt in Werl zählt zu den großen Marienwallfahrten in Deutschland
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Unser Glaube | 16. April 2022

Um den Johannländer Dom gibt es einen guten Katholizismus und eine gute Ökumene

Erzbistumskalender 2022: St. Martin im siegerländischen Netphen feiert 2022 das 125-jährige Jubiläum der Konsekration
Palmzweige und Kreuz © j.chizhe / Shutterstock.com
Unser Glaube | 07. April 2022

Sehnsucht

Der Anfang vom Ende: Warum es Jesus am Palmsonntag nach Jerusalem zieht
© Besim Mazhiqi / Shutterstock.com
Unser Glaube | 01. April 2022

Das Sakrarium zieht immer!

Erzbistumskalender 2022: Die Gemeinde Sankt Peter und Paul in Herne pflegt alte Traditionen und erfindet sich doch immer wieder neu
 
| |
generalvikariat@erzbistum-paderborn.de
+49 (0)5251 125-0
Barrierefreiheit