Es war fast so, als wollte sich die Muttergottes sträuben. Am 8. Dezember 2024, dem Hochfest der Unbefleckten Empfängnis Mariens, endete in Rheda-Wiedenbrück eine Ära. In der Marienkirche, von den Franziskanern im Jahr 2020 verlassen, fand der letzte Gottesdienst statt, zum Abschied war die kleine Kirche bis auf den letzten Platz gefüllt. Anschließend wurde die Pietà aus St. Marien feierlich in die Kirche St. Aegidius überführt. Allerdings war der Rollwagen, auf dem die Skulptur die wenigen Hundert Meter bis zu ihrem neuen Aufstellungsort gezogen wurde, ein klein wenig zu breit für das Kirchenportal von St. Aegidius. Zwei kräftige Männer mussten anpacken und die schwere Plastik an ihren neuen Platz bringen. Derweil spendete Pfarrdechant Reinhard Edeler den Gläubigen Trost: „Maria ist nicht weg. Sie ist ein kleines Stück gewandert und hat in St. Aegidius für die Sorgen, Nöte und Anliegen der Menschen ein offenes Ohr.“
Tatsächlich hat die schmerzensreiche Muttergottes mit dem Leichnam ihres Sohnes Jesus auf dem Schoß in St. Aegidius einen würdevollen neuen Aufstellungsort gefunden. Die Kirche hat eine über tausendjährige Baugeschichte, in der alle Epochen ihre Spuren hinterließen. Besonders schön lässt sich das am Turm ablesen. Das unterste Fenster ist romanisch, das Fenster darüber im Baustil des Barocks gehalten, das höchste Fenster ist gotisch. Hinauf- oder hinabgelesen, ergibt dies keine chronologische Reihung. Vielmehr spiegeln sich darin unterschiedliche Umbau- und Modernisierungsarbeiten wider.