Lächelt sie? Signalisiert ihr Gesichtsausdruck, dass sie aufmerksam zuhört? Oder ist ihr Blick nach innen gekehrt, steht sie gerade im Dialog mit Gott, ihrem Schöpfer, und ihrem Sohn? Die Mimik der „Trösterin der Betrübten“ in Werl lässt sich unterschiedlich deuten. Leichter fällt das bei Christus, der mit gekreuzten Beinen auf ihrem Schoß sitzt und wohlwollend in die Welt schaut. Auf jeden Fall wirken beide Gestalten einladend und nahbar, als suchten sie das Zwiegespräch.
„Dass sich der Gesichtsausdruck von Jesus und Maria auf so verschiedene Weise interpretieren lässt, ist ein deutliches Signal dafür, dass es sich bei unserem Gnadenbild um große mittelalterliche Kunst handelt“, erklärt Monsignore Dr. Gerhard Best. Der frühere Leiter der Marienwallfahrt in Werl ist heute noch eng mit „seinem“ Werl verbunden, wenn auch nicht mehr in direkter Verantwortung. „Bei dem Bildnis handelt es sich um eine Madonna der Sedes-sapientiae-Darstellungen, also Maria als ‚Sitz der Weisheit‘“, gibt Monsignore Best bereitwillig sein kunsthistorisches Wissen weiter. Bislang wurde das Kunstwerk um das Jahr 1180 datiert, neuere Untersuchungen kommen nun zu einer Entstehung der Skulptur um das Jahr 1150.
Dass die Madonna kunstgeschichtlich noch besser erforscht ist, erfreut das Wallfahrtsteam in Werl. „Und doch liegt die Bedeutung nicht im Alter der Madonna, sondern darin, was sie in den Menschen auslöst“, sagt Monsignore Best. Seit 1661 pilgern die Menschen zur „Trösterin der Betrübten“ nach Werl, um ihre Sorgen und Nöte, gleichzeitig auch ihren Dank und ihre Hoffnung vor das Gnadenbild zu bringen – und sie tun es bis heute.
Das liegt auch am einfallsreichen Wirken des Wallfahrtsteams um den neuen Wallfahrtsleiter Pastor Bernd Haase, das die Aktivitäten ständig weiterentwickelt. Zu den traditionellen Wallfahrten wie derjenigen der Portugiesen am Fatima-Sonntag kommen neue Formate hinzu. Allein unter den Fahrzeugwallfahrten gibt es mittlerweile mit „Velo Maria“ eine Fahrradwallfahrt, mit „Moto Maria“ eine Motorradwallfahrt, eine Oldtimerwallfahrt, eine Treckerwallfahrt und sogar eine Bobbycar-Wallfahrt. Auch lädt Werl wallfahrende Erstkommunionkinder und Firmlinge und sogar Strafgefangene ein.