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„Pastoral im Vorbeigehen“

Das K³ in Siegen wurde 2016 als Experiment der Citypastoral eröffnet. Zehn Jahre später ist daraus ein fester Ort kirchlichen Lebens geworden. Was steckt hinter dem Konzept?

Als das K³ – Kontakt, Kultur und Kirche – 2016 in Siegen eröffnete, war die Ausgangslage eine kirchliche Realität, die heute vielerorts vertraut ist: Die klassische Pfarrpastoral erreicht nicht mehr alle Menschen. Viele fühlen sich von den traditionellen Formaten nicht mehr angesprochen.

Also startete man in Siegen einen Versuch: Das Konzept setzt auf Präsenz mitten in der Stadt und damit auf eine Form von Pastoral, die nicht voraussetzt, dass Menschen sich bewusst auf den Weg zu einem kirchlichen Angebot machen. So wurde ein ehemaliges Ladenlokal mit großen Schaufensterfronten zu einem kirchlichen Treffpunkt.

„Wir sind irgendwie ja auch ein Fachgeschäft“, sagt Pastor Markus Püttmann, der das K³ in Siegen leitet. „Gerade in den ersten Jahren sind viele aus Neugier gekommen. Das ist doch super. Wo passiert es denn noch in der katholischen Kirche, dass Leute neugierig sind.“

Das K³ bietet Begegnung und Stille

Von außen bleibt das K³ als Teil der Innenstadt sichtbar. Im Inneren gibt es Bereiche, die Stille schaffen. Bewegliche Holzelemente und unterschiedliche Sitzbereiche schaffen Möglichkeiten, miteinander ins Gespräch zu kommen oder sich zurückzuziehen. Es gibt Ausstellungen und Lesungen. Ebenso Mittagsgebete und Gottesdienste.

Damit bringt Kirche ihre religiöse Dimension ein, ohne sie zum Eintrittskriterium zu machen. Das zeigt sich auch an einer kleinen Veränderung in der Geschichte des Projekts. Anfangs stand „Citypastoral Siegen“ im Schaufenster. Heute heißt es dort „Katholische Kirche in der Stadt“. Pastor Püttmann sagt: „Es ist eine grundlegende Erfahrung: Wer Menschen außerhalb kirchlicher Zusammenhänge erreichen möchte, muss darauf achten, ob die eigene Sprache verständlich ist.“

Zuerst war das Projekt auf sieben Jahre angelegt. Zehn Jahre später stellt sich die Frage nach seiner Fortsetzung längst nicht mehr. Das K³ gehört zum kirchlichen Leben in Siegen dazu. Wie hat die Citypastoral das geschafft?

Für jeden, der hierhergekommen ist, hat es sich gelohnt.

Pastor Markus Püttmann

Jeder und jede ist willkommen

Für Püttmann liegt die eigentliche Stärke des K³ in seiner Zugänglichkeit. Niemand muss im Internet nach einem Pfarrbüro suchen, keinen Termin absprechen. Die Menschen sehen das K³ beim Vorübergehen. Es liegt auf ihrem Weg – zur Arbeit, zur Uni, zum Einkaufen oder in die Kneipe. Manche gehen zunächst weiter, manche kommen nach mehreren Blicken auf die Schaufenster hinein. Püttmann hat dafür einen Begriff: „Pastoral im Vorbeigehen“. Jeder und jede kann eintreten – aus welchem Grund auch immer. Was daraus entsteht, entscheidet sich im Gespräch.

Wer durch die Tür des K³ kommt, bringt seine eigene Geschichte mit: unterschiedliche Anliegen, Lebenssituationen, Weltanschauungen und Konfessionen. Gerade diese Unterschiedlichkeit prägt das K³. Die Besucher lassen sich nicht auf eine bestimmte Gruppe festlegen. Das K³ spricht Menschen an, die sich zwischen verschiedenen Formen von Zugehörigkeit bewegen. „Es ist wichtig, dass es Orte wie uns gibt. Losgelöst von dem, wie sich die Gemeinden drumherum entwickeln. Für jeden, der hierhergekommen ist, hat es sich gelohnt“, betont Püttmann.

Dasein, wenn jemand kommt

Seit acht Monaten ist Schwester Angelika vom Orden der Schwestern der Christlichen Liebe im Rahmen einer persönlichen Auszeit ehrenamtlich im K³ tätig. Täglich reist die über 80-Jährige mit dem Zug aus Siegburg an.

„Es muss jemand zu Hause sein. Verlässlich, präsent, ansprechbar, wertschätzend, mit der Bereitschaft zum Hören und Zuhören und ein Stück Weg mitzugehen“, sagt Schwester Angelika. Was sie damit meint: Wenn pastorale Räume immer weiter werden, braucht es zugleich Stellen, an denen Menschen ein Gegenüber finden.

Ein Abend zum Geburtstag

Ende August wurde der 10. Geburtstag des K³ in der Marienkirche gefeiert. Der Abend stand unter einem Satz aus dem ersten Petrusbrief, der gleichzeitig der Leitgedanke des K³ ist: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt.“

Generalvikar Dr. Michael Bredeck, der zu der Feier aus Paderborn angereist war, erinnerte in seiner Ansprache an einen Satz, den Markus Püttmann bei einer früheren Begegnung verwendet hatte: Das K³ sei ein „Ort der Kirche, der nicht nach Weihrauch riecht“.

Der Generalvikar verbindet diese Vorstellung mit dem Satz aus dem ersten Petrusbrief: „Stets bereit zu sein, Rede und Antwort zu stehen, ist in erster Linie Ausdruck dafür, ansprechbar zu sein. Bereit zu sein, mit den Menschen authentisch ins Gespräch zu kommen. Verstanden als grundsätzliche Haltung als Kirche unaufdringlich präsent zu sein. Ich bin dankbar, dass wir hier in Siegen, in einer nicht katholisch geprägten Gegend des Erzbistums, seit zehn Jahren einen solchen Ort haben, wo man stets bereit ist.“

Zehn Jahre Erfahrung

Pastor Markus Püttmann wünscht sich, dass es solche Orte auch in anderen Städten gibt. „Es braucht diese Orte, wo Menschen einfach reingehen können, als wenn sie zum Bäcker gehen. Kirche muss einladend sein und bei aller Hoffnungslosigkeit, die es gibt, immer noch die Botschaft der Hoffnung in die Stadt und in das Dorf tragen.“ Darin liegt für ihn eine zentrale Aufgabe von Kirche: Beziehungen ermöglichen und Räume offenhalten – für Menschen, die nach Gott fragen, für Menschen, die zweifeln, für Menschen, die Hoffnung brauchen. Und für diejenigen, die noch gar nicht wissen, was sie suchen.

Zehn Jahre K³ zeigen, dass Kirche nicht immer zuerst erklären muss, wer sie ist. Sie muss auch nicht darauf warten, dass Menschen den Weg zu ihr finden. Manchmal beginnt Kirche ganz einfach damit, dass eine Tür offensteht – und jemand da ist.

Die Website des K³ in Siegen finden Sie hier.

Gebet zum 10-jährigen Jubiläum des in Siegen

Gott, wir legen dir unsere Stadt Siegen ans Herz und bitten dich um deinen Segen für unser Zusammenleben.

Schenke uns Offenheit und lass uns einander mit Respekt und mit Wertschätzung begegnen.

Hilf uns, Vorurteile abzubauen und Trennendes zu überwinden.

Zeige uns den Wert und die Bereicherung durch das Miteinander verschiedener Religionen und Kulturen.

Gib den Bewohnerinnen und Bewohnern von Siegen das Gefühl willkommen und sicher zu sein.

Schenke uns Zuversicht, vertreibe unsere Zukunftsängste und erfülle unsere Herzen mit neuem Mut.

Schenke uns Geduld, Weisheit und deinen guten Geist, damit wir mit Hoffnung, Freude und Frieden in eine gute Zukunft gehen.

Amen.

– Pastor Markus Püttmann

Ein Beitrag von:
Freie Autorin

Birgit Engel

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