logocontainer-upper
logocontainer-lower
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Alte Pfarrkirche, stolze Bürgerkirche, lebendige Marktkirche und jetzt auch Wallfahrtskirche

Maria ist weitergezogen: St. Aegidius in Wiedenbrück hat im Jahr 2024 von der Franziskanerkirche St. Marien die Marienwallfahrt übernommen

Es war fast so, als wollte sich die Muttergottes sträuben. Am 8. Dezember 2024, dem Hochfest der Unbefleckten Empfängnis Mariens, endete in Rheda-Wiedenbrück eine Ära. In der Marienkirche, von den Franziskanern im Jahr 2020 verlassen, fand der letzte Gottesdienst statt, zum Abschied war die kleine Kirche bis auf den letzten Platz gefüllt. Anschließend wurde die Pietà aus St. Marien feierlich in die Kirche St. Aegidius überführt. Allerdings war der Rollwagen, auf dem die Skulptur die wenigen Hundert Meter bis zu ihrem neuen Aufstellungsort gezogen wurde, ein klein wenig zu breit für das Kirchenportal von St. Aegidius. Zwei kräftige Männer mussten anpacken und die schwere Plastik an ihren neuen Platz bringen. Derweil spendete Pfarrdechant Reinhard Edeler den Gläubigen Trost: „Maria ist nicht weg. Sie ist ein kleines Stück gewandert und hat in St. Aegidius für die Sorgen, Nöte und Anliegen der Menschen ein offenes Ohr.“

Tatsächlich hat die schmerzensreiche Muttergottes mit dem Leichnam ihres Sohnes Jesus auf dem Schoß in St. Aegidius einen würdevollen neuen Aufstellungsort gefunden. Die Kirche hat eine über tausendjährige Baugeschichte, in der alle Epochen ihre Spuren hinterließen. Besonders schön lässt sich das am Turm ablesen. Das unterste Fenster ist romanisch, das Fenster darüber im Baustil des Barocks gehalten, das höchste Fenster ist gotisch. Hinauf- oder hinabgelesen, ergibt dies keine chronologische Reihung. Vielmehr spiegeln sich darin unterschiedliche Umbau- und Modernisierungsarbeiten wider.

St. Aegidius im Wandel der Jahrhunderte

Auch die Funktion der Kirche hat sich im Lauf der Zeit verändert. Die Pfarrei St. Aegidius entstand im Zuge der Sachsenmission um das Jahr 785 und ist damit sogar etwas älter als das im Jahr 799 gegründete Bistum Paderborn. Die ältesten Bauspuren der heutigen Aegidiuskirche, die beiden romanischen Turmgeschosse, verweisen auf das Jahr 1000. Schon damals war die Kirche ein religiöses Zentrum. Später wurde sie zum Ort, an dem sich der Stolz der Wiedenbrücker Bürgerschaft widerspiegelte. Davon zeugt die reiche Ausstattung. Zudem war St. Aegidius stets eine Marktkirche. Noch heute findet der Wochenmarkt in Wiedenbrück auf dem Kirchplatz statt. „Und nun ist St. Aegidius zusätzlich eine Wallfahrtskirche geworden“, erklärt Pfarrdechant Edeler.

Mit der Pietà hat St. Aegidius auch die Marienwoche aus der Franziskanerkirche übernommen. Von Mariä Himmelfahrt am 15. August bis Maria Königin am 22. August finden in St. Aegidius feierliche Mariengottesdienste statt, dazu gibt es marianische Vorträge, musikalische Matineen und Abendveranstaltungen. Pfarrdechant Edeler rät allen Interessierten dazu, sich diese Woche im Erzbistumskalender dick anzustreichen und für das Programm die Internetseite des Pastoralverbunds Reckenberg zurate zu ziehen. Aber nicht nur zur Marienwoche im August, sondern auch im Marienmonat Mai wartet das Pastoralteam von St. Aegidius mit interessanten Veranstaltungen auf.

Auf jeden Fall sollten Besucherinnen und Besucher genügend Zeit mitbringen, um die Sehenswürdigkeiten in der Kirche neu und wiederzuentdecken. Etwa die Siechenpforte, durch die in früheren Zeiten die an Pest und Cholera Erkrankten die Kirche betreten konnten. Oder das gotische Kirchenfenster, an dem sich bis heute die Einschlagstelle einer Kanonenkugel aus dem Dreißigjährigen Krieg und das dazugehörige Geschoss erhalten haben. Damit ist St. Aegidius auch eine Friedenskirche.

St. Aegidius in Wiedenbrück

Hier finden Sie weitere Informationen zu diesem Ort.

Das Kalenderbild

© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Bistumskalender 2026: Auf dem Weg im Erzbistum Paderborn

Der diesjährige Bistumskalender nimmt uns mit auf eine Reise durch das Erzbistum Paderborn und macht jeden Monat Halt an zwei besonderen Orten: an zahlreichen Kapellen oder Kreuzwegen, die jeweils Zeugen einer interessanten Entstehungsgeschichte sind. Darüber hinaus erzählt der Kalender faszinierende Geschichten von Menschen, die mit diesen Orten verbunden sind – manchmal nicht nur über viele Jahre, sondern sogar über weite Entfernungen hinweg. Wir stellen Ihnen hier alle zwei Wochen das neueste Kalenderblatt vor.

Weitere Einträge

© LuckyNova / Shutterstock.com

Unser Glaube Trost wie finde ich ihn? Wie hilft Glaube?

Neue Themenseite „Trost - Umgang mit Trauer und Tod“: Wirken Sie mit und teilen Sie Ihre Erfahrungen.
© Maximilian Gödecke / Renovabis

Unser Glaube Über die Pfingstkollekte zu mehr Freundschaft in Europa beitragen eine Reportage

Mehr als 100.000 Menschen flohen 2023 aus Bergkarabach nach Armenien. Eine Reportage im Rahmen der Renovabis-Pfingstaktion 2026 erzählt von Menschen, die alles verloren haben und dennoch Hoffnung schöpfen.
Junger Mann lächelt in Kamera © YOUPAX / Erzbistum Paderborn

Unser Glaube Zwischen wissenschaftlichen Beweisen und Staunen über Gott

Marc studiert Mathe. Er sagt: „An einem gewissen Punkt kann der Mensch nur noch staunen“
Kontakt
| |
generalvikariat@erzbistum-paderborn.de
+49 (0)5251 125-0