Die auch in diesem Wintersemester digitale Montagsakademie der Theologischen Fakultät Paderborn unter Leitung von Prof. Dr. Herbert Haslinger stellt „Denkerinnen und Denker, die uns heute etwas zu sagen haben“ in den Mittelpunkt. “Extremer Humanismus Gottes” lautet der Titel des dreizehnten und letzten Vortrags der Montagsakademie, den Prof. Dr. Susanne Sandherr halten wird.
Wie wichtig jüdische Denkerinnen und Denker für das Denken des christlichen Glaubens sind, wird in eindrücklicher Weise an dem Philosophen Emmanuel Levinas ablesbar. Er entstammte einer jüdischen Familie in Kaunas im heutigen Litauen und studierte in den 1920er Jahren in Frankreich, ein Jahr aber auch im deutschen Freiburg Philosophie. Unter dem Regime der Nationalsozialisten wurde seine Familie ermordet, woraufhin Levinas schwor, nie wieder deutschen Boden zu betreten.
Der Kerngedanke seiner ethisch ausgerichteten Philosophie lautet: Im Angesicht des Anderen (Menschen) begegnen wir der Spur des Unendlichen, den wir im Glauben „Gott“ nennen. Die Verantwortung für den Anderen ist deshalb die vorrangige Art der Verherrlichung des Unendlichen. Und diese Verantwortung für den Anderen gilt unbedingt, unhintergehbar, will man die Unverfügbarkeit des Unendlichen achten. Das Denken des Glaubens kann von Levinas lernen, was es heißt, Gott wirklich als den Unendlichen , als den schlechthin Unverfügbaren ernst zu nehmen.
Prof. Dr. Susanne Sandherr ist Professorin für Theologie an der Katholischen Stiftungshochschule München.
Die Vorlesungen werden als Online-Vorlesungen durchgeführt, die am entsprechenden Datum ab 18:00 Uhr über den YouTube-Kanal der Fakultät entweder im Live-Stream verfolgt oder im Nachhinein in der Mediathek abgerufen werden können.