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© Eva Oertwig
© Eva Oertwig

„Zeit ohne Zeugen“ gewinnt den Margot Friedländer Projektpreis 2026

Große Freude beim Projektteam von „Zeit ohne Zeugen“: Das Bildungsprojekt der BDKJ Jugendbildung gGmbH ist gestern mit dem Margot Friedländer Projektpreis 2026 ausgezeichnet worden.

Damit würdigt die Margot Friedländer Stiftung das Engagement des Projekts für eine lebendige Erinnerungskultur und innovative Wege, junge Menschen für die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus zu gewinnen.

Klarer Maßstab für unsere Arbeit mit Jugendlichen

Der Preis trägt den Namen der Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer (1921–2025). Nach ihrer Rückkehr aus New York nach Berlin im Jahr 2010 erzählte sie bis ins hohe Alter vor allem jungen Menschen in Schulen von ihrem Leben und ihrer Verfolgung. Ihre Botschaft fasste sie in zwei Worten zusammen: „Seid Menschen.“ In diesem Sinne zeichnet die Margot Friedländer Stiftung Menschen, Projekte und Schulen aus, die sich für Toleranz, Menschlichkeit, Freiheit und Demokratie einsetzen und zur Aufklärung über den Holocaust und Antisemitismus beitragen.

Margot Friedländer hat ihre Geschichte erzählt, damit sie nicht vergessen wird. Diese Aufgabe liegt jetzt bei uns. Ihr ‚Seid Menschen‘ ist für unsere Arbeit mit Jugendlichen ein klarer Maßstab. Diese Auszeichnung ist für uns eine große Ehre und zugleich eine Bestätigung für alle Menschen, die sich in den vergangenen Jahren für ‚Zeit ohne Zeugen‘ eingesetzt haben. Besonders freut uns, dass damit die Bedeutung von Erinnerungsarbeit mit jungen Menschen sichtbar gemacht wird

Lena Topp, Geschäftsführerin BDKJ Jugendbildung gGmbH

Geschichte erlebbar machen

„Zeit ohne Zeugen“ verbindet Virtual Reality, digitale Zeitzeugnisse und pädagogische Begleitung. Jugendliche können beispielsweise das Anne-Frank-Haus in Amsterdam virtuell erkunden oder die Gedenkstätte Auschwitz aus unterschiedlichen Perspektiven erleben. Dabei begegnen sie den persönlichen Geschichten von Überlebenden und setzen sich mit Fragen von Ausgrenzung, Verfolgung, Verantwortung und demokratischem Zusammenleben auseinander.

„Unser Ziel ist nicht, Geschichte einfach digital zu vermitteln. Wir wollen Räume schaffen, in denen junge Menschen sich mit Geschichte auseinandersetzen, Fragen stellen und eigene Bezüge entwickeln können. Die Technik ist dabei ein Werkzeug – entscheidend ist, was daraus im gemeinsamen Gespräch und in der Reflexion entsteht“, erklärt Nico Schnittger, Pädagogischer Leiter der BDKJ Jugendbildung gGmbH und Initiator von „Zeit ohne Zeugen“.

Seit dem Start des Projekts wurden bereits mehr als 2.700 Jugendliche bei über 120 Veranstaltungen erreicht. Das Angebot richtet sich an Gruppen ab 14 Jahren und findet beispielsweise an Schulen oder mit Jugend(verbands)gruppen statt. Ein Projekttag verbindet sieben unterschiedliche Module und setzt auf die Verbindung von digitalen Erfahrungen, historischen Informationen und pädagogischer Begleitung.

Digitale Zugänge, persönliche Auseinandersetzung

Ein wichtiger Bestandteil des Projekts ist die Begleitung der Jugendlichen während der Veranstaltungen durch ehrenamtliche Teamer*innen. Diese und pädagogische Mitarbeitende unterstützen bei der Nutzung der digitalen Angebote, geben Impulse und schaffen Raum für Fragen und Austausch.

„Wir erleben immer wieder, dass die digitalen Erfahrungen bei den Jugendlichen etwas auslösen und Gespräche anstoßen. Gerade diese Gespräche sind für uns besonders wichtig. Die Jugendlichen sollen nicht nur etwas sehen oder erleben, sondern sich damit auseinandersetzen: Was bedeutet das Gesehene für mich? Was hat das mit unserer Gegenwart zu tun? Und welche Verantwortung tragen wir heute?“, sagt Vanessa Niediek, Projektreferentin von „Zeit ohne Zeugen“.

Die Virtual-Reality-Angebote ersetzen dabei ausdrücklich nicht den Besuch einer Gedenkstätte. Sie eröffnen vielmehr zusätzliche Möglichkeiten, historische Orte, persönliche Geschichten und Perspektiven kennenzulernen und anschließend gemeinsam zu reflektieren. Die Idee für das Projekt war in der Zeit der Corona-Pandemie entstanden,  als Besuche von Gedenkstätten kaum möglich waren.

Auszeichnung als Ansporn

In der Kategorie Projektpreis setzte sich Zeit ohne Zeugen gegen 183 weitere Bewerbungen durch. Die Auszeichnung zeigt, wie wichtig es ist, neue Formen des Erinnerns und Gedenkens zu finden, in einer Zeit mit immer weniger Zeitzeug*innen des Holocaust.Für das Team ist die Auszeichnung deshalb nicht nur eine Anerkennung der bisherigen Arbeit, sondern auch Motivation für die Zukunft.

„Wir freuen uns über den Preis – und wir verstehen ihn gleichzeitig als Auftrag, weiterzumachen. Erinnerungskultur muss lebendig bleiben und junge Menschen erreichen. Wir möchten mit ‚Zeit ohne Zeugen‘ auch in Zukunft dazu beitragen, dass die Geschichten und Erfahrungen der Menschen, die den Nationalsozialismus erlebt und überlebt haben, nicht vergessen werden“, sagt Nico Schnittger.

Lena Topp dankt dem Erzbistum Paderborn und dem Land NRW für die finanzielle Förderung des Projekts: „Ohne diese Unterstützung hätte das Projekt nicht so in diesem Umfang umgesetzt werden können“.

Über „Zeit ohne Zeugen“

„Zeit ohne Zeugen“ ist ein Bildungsprojekt der BDKJ Jugendbildung gGmbH. Mit Virtual Reality, digitalen Zeitzeugnissen und medienpädagogischen Methoden ermöglicht das Projekt Jugendlichen einen besonderen Zugang zur Geschichte des Nationalsozialismus. Das Angebot umfasst sechs Module und verbindet digitale Erfahrungen mit pädagogischer Begleitung und gemeinsamer Reflexion.

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