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© Abtei Königsmünster
© Abtei Königsmünster

„Wo nackter Beton eine Rose trifft…“

Festwochenende zum Jubiläum von OASE und Haus der Stille am 13. und 14. August 2022

„Da wo ein Brunnen fließt und wo uns ein Feuer wärmt, … da ist es, wo der Dornbusch brennt, wo unsere Wüste lebt.“ Dieses Lied von P. Michael Hermes OSB (+2014) wurde am Pfingstmontag 1981 bei der Einweihung der OASE, des Jugendgästehauses der Abtei Königsmünster, gesungen. Es stand auch am Beginn des Festaktes zum Jubiläum der beiden Gästehäuser OASE (40+1) und Haus der Stille (20+1), zu dem sich Ehrengäste aus der Stadt, der Region und dem Erzbistum Paderborn und eine interessierte Öffentlichkeit am Samstag, den 13. August 2022, in der Abteikirche einfanden. Abt Aloysius Althaus nahm in seiner Begrüßung Bezug auf dieses Lied und nannte die Gästehäuser „Brunnen und Quelle, aus denen Vielfältiges hervorgeht und gestaltet wird“. Haus der Stille und OASE seien „Ausrufezeichen, die himmelwärts deuten“ und so Himmel und Erde verbinden. Hier könne jeder so sein, wie er oder sie ist.

Spannung von Rückblick und Aufbruch

Den Festvortrag hielt Altabt Stephan Schröer, der in seiner Amtszeit die Konzeption und Planung beider Häuser vorangetrieben und begleitet hat. Sein Vortrag lotete die Spannung von Rückblick und Aufbruch aus. Gäste seien das Wertvollste, das einem Kloster geschenkt werden kann – hier liege der innerste Auftrag für den Bau der Gästehäuser.

Sie tragen die Handschrift zweier Architekten: Hans Schilling, der erst die Abteikirche und später die OASE plante, und Peter Kulka, der schon in die Planungen der OASE eingebunden war und später den Klosterneubau und das Haus der Stille entwickelte. Während der gesamten Bauphase haben sie konstruktiv mit dem Konvent der Abtei zusammengearbeitet, obwohl es „nicht immer leicht ist, mit Mönchen zu bauen“, wie Abt Stephan augenzwinkernd bemerkte. So konnte die OASE Pfingsten 1981 durch den damaligen Erzbischof von Paderborn, Johannes Joachim Degenhardt, eingeweiht werden, der einige Jahre zuvor der jungen Gemeinschaft von Königsmünster den Bau eines Jugendgästehauses nahelegte.

Wo aus Fremden Freunde werden

Abt Stephan zitierte aus der Predigt des Erzbischofs zur Einweihung, die auch heute noch aktuell sei: Oasen seien nicht einfach da, sie werden gebaut. Sie seien Orte des Durchzugs, des Empfangs, aber auch des Abschieds. Vor allem seien Oasen Orte der Begegnung, und „Gastfreundschaft lässt aus Fremden Freunde werden“. Gerade die Offenheit und Hilfe der jungen Menschen hätten gutgetan, so Abt Stephan, wie auch die „selbstverständliche Gemeinsamkeit zwischen den Konfessionen“. Der Ausruf des Erzbischofs an die versammelten Menschen gelte noch heute: „Seid Miterbauer der OASE, lasst die Mönche von Königsmünster nicht allein!“

Ein Ort, der zur Stille einlädt

Das Haus der Stille, das 2001 eingeweiht wurde, sei eine wichtige Ergänzung zur OASE, „ein Ort, der zur Stille einlädt und anleitet“ mit einer „Architektur, die Stille schenken kann“. Viel davon sei in einem weiteren Lied von P. Michael Hermes ausgedrückt:

„Schweige und höre, neige deines Herzens Ohr, suche den Frieden!“

Beide Häuser lebten von den Menschen, die dort in großer Treue ihren Dienst taten und tun. Es würde den Rahmen dieses Vortrags sprengen, sie alle aufzuzählen, so Abt Stephan weiter, aber einen möchte er doch erwähnen: den 2017 verstorbenen Bruder Silvanus Steinrücken, der in großer Verlässlichkeit, einem ausgeprägten Ordnungssinn und in jahrelanger Treue im Empfang und der Verwaltung der OASE gearbeitet habe. Abt Stephan beendete seine Rede mit dem Appell, die Türen immer wieder weit zu öffnen, wie es an diesem Wochenende beim „Tag der offenen Türen“ geschehe, gerade dann, wenn es in unserer Gesellschaft und in der Kirche eng und stickig zu werden droht. Die Kirche der Zukunft werde eine Kirche der Oasen sein.

Wo nackter Beton eine Rose trifft

Br. Benjamin Altemeier, der Leiter des Gastbereiches, leitete zu einigen Grußworten über. Prälat Thomas Dornseifer, der Leiter des Fachbereiches Pastorales Personal, und Bernhard Leifeld, der Leiter der Abteilung Jugend /Junge Erwachsene, vertraten das Erzbistum Paderborn. „Wo Himmel und Erde sich berühren, da kann es ganz still werden, da erleben Menschen eine persönliche Begegnung mit ihrem Gott“, da kann es „aber auch ganz lebendig werden wie an Pfingsten“ – dafür sei Raum in beiden Gästehäusern, in der „OASE, wo Menschen sich gerne aufhalten“ und im „Haus der Stille, wo nackter Beton eine Rose auf dem Schreibtisch trifft“. „Fürchtet euch nicht, das zu tun, was unmöglich ist“ – dazu ermutigten die Vertreter des Erzbistums die Mönche der Abtei.

Christoph Weber, Bürgermeister der Kreis- und Hochschulstadt Meschede, würdigte den Mut der Mönche, das Kloster nach dem Krieg auf eine zeitgemäße Weise weiterzuentwickeln. Königsmünster mit seinen Gästehäusern sei aus dem Stadtbild von Meschede nicht mehr wegzudenken.

Marie-Theres Schennen, stellvertretende Landrätin des Hochsauerlandkreises, betonte die Wichtigkeit der Abtei als Wirtschaftsfaktor für die Region. Gerade in den Gästehäusern würden den Menschen Werte und sogenannte soft skills vermittelt, die im Arbeitsleben immer wichtiger würden.

Johannes Huxol, Vorstandsmitglied bei der Neheimer Firma Trilux und im Beirat der Jungen Akademie engagiert, würdigte das in Deutschland einmalige Angebot der Jungen Akademie, wo Jugendliche einen Platz fänden, sich zu hinterfragen und Talente zu entdecken. Hier gebe es eine Kraftoase für Wirtschaft und Industrie, die den jungen Menschen bei ihrer Sinnsuche helfe.

Sanierung der OASE bei laufendem Betrieb

Am Ende stellte Eberhard Henke, der als Architekt die kommende Sanierung der OASE begleitet, in aller Kürze den Stand der Planungen vor. Nach über 40 Jahren mit mehreren tausend Übernachtungsgästen sei eine Renovierung überfällig. So soll es neue Zimmergrößen mit eigenen Sanitärbereichen geben, der Eingangsbereich mit Automatik-Schiebetüren transparenter werden und zu einem zentralen Infopoint umgebaut werden.

Ein wichtiger Aspekt sei auch die Sanierung unter energetischen Gesichtspunkten mit einer ergänzenden Dämmung der Dachflächen und einer energiesparenden Beleuchtung. All das ist in einer Umbauzeit von 14 Monaten bei laufendem (Teil-)Betrieb geplant.

Musikalisch wurde der Festakt begleitet von P. Erasmus Kulke (Gesang) und mehreren Orgelimprovisationen von P. Vincent Grunwald. An das Ende des Festaktes schloss sich der erste Teil des Tages der offenen Türen an, bei dem die Gäste sich die Häuser vor Ort anschauen und mit den Mönchen und Mitarbeitenden ins Gespräch kommen konnten. Der Samstag endete um 18.00 Uhr mit einem meditativen Gottesdienst für Junge und Junggebliebene, bei dem die Abteikirche mit Licht und Klang erlebt werden konnte.

Festgottesdienst am Sonntag

Der zweite Tag des Jubiläums begann mit einem Festgottesdienst, bei dem Pfarrer Stefan Schröder, Propst von Arnsberg und langjähriger Leiter der Jugendbildungsstätte Hardehausen, die Predigt hielt. Ausgehend von der Berufungsgeschichte des Samuel würdigte er OASE und Haus der Stille als Orte, an denen Gott viele Menschen geweckt und gerufen habe, an dem aber auch umgekehrt die Gäste die Mönche weckten und sie an ihren Auftrag erinnerten. So wie der Priester Eli den jungen Samuel begleitet habe, gebe es im Kloster viele „Elis“, die die Menschen aus nah und fern geistlich begleitet haben. Auch am Sonntag bestand tagsüber die Gelegenheit, mit den Mönchen ins Gespräch zu kommen. Das Wochenende endete mit einem Konzert des AVRAM-Quartetts, das die Abtei gemeinsam mit dem Spirituellen Sommer Südwestfalen ausrichtete.

„Klangbrücken zwischen Himmel und Erde“ war das Programm überschrieben. Die Musiker spielten vor einem begeisterten Publikum Stücke aus den drei großen monotheistischen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam.

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