Laden...

logocontainer-upper
logocontainer-lower
© Christian Schlichter
© Christian Schlichter

„Wo bleibt denn da die Kontrolle?“

KiTa-Teams in Sorge um die eigene Gesundheit / Bildungsauftrag fällt hinten rüber

„Erst waren wir systemrelevant und jetzt tauchen wir gar nicht mehr auf in den Diskussionen.“ Die Kritik von Carina Brinkhus aus der Kita Herz-Jesu in Riege fasst die Lage in den katholischen Kitas zusammen. Fehlende Testpflicht, keine Kontrollen und gesundheitliche Sorgen bis in den persönlichen Bereich treiben die Mitarbeitenden ebenso um, wie der jetzt schon seit fast zwei Jahren fast unmöglich gewordene Bildungsauftrag. Auf Anregung von Brinkhus und ihrem Team und in Vermittlung von Kita-Hochstift gGmbH Chef Detlef Müller hatten die Erziehendenteams aus dem Pastoralverband Delbrück-Hövelhof einen kompetenten Ansprechpartner gesucht, dem sie all diese Probleme schidern können. In Bernhard Hoppe-Biermeyer hatten sie den jetzt gefunden. Der Landtagsabgeordnete hatte sich Zeit genommen, hörte den Erziehenden zu und versprach, die Sorgen mit zu den zuständigen Stellen nach Düsseldorf zu nehmen.

Fehlende Testpflicht ist ein Problem

„Es wird immer schwieriger mit Corona umzugehen, da fragen wir uns, wie es weitergehen soll“, fasst Detlef Müller die Problemlage in den Kitas zusammen. „Wir arbeiten sehr pflichtbewusst, aber wir fühlen uns von der Politik im Stich gelassen“, wurde Carina Brinkhus dort sofort konkret. Es gehe um den eigenen Schutz der Mitarbeitenden und ihrer Familien, aber auch der Kinder. Größtes Problem: Durch die fehlende Testpflicht gebe es „rund 30 Prozent“ Dunkelziffer bei den Tests. Einige Eltern würden zuhause nicht testen und brächten die Kinder teils sogar mit Fieber in die Kita, berichteten die Leitungen und Teams aus sieben katholischen Kitas von Hövelhof über Ostenland bis Delbrück und Sudhagen. Sie alle machten täglich die gleichen Erfahrungen, müssten sich aber von Kindern und Eltern anhören, dass „aus Prinzip nicht getestet werde“, oder „wer geimpft werde, müsse sowieso sterben“. Mütter würden offen bekennen, dass sie die negativen Testergebnisse einfach so eintrügen und unterschrieben. „Vertrauen ist gut, aber wo bleibt da die Kontrolle“, fragen die Erzieherinnen und Erzieher. „Wir brauchen Kontakt ohne Maske, besonders bei den Kindern unter drei Jahre, für die die Mimik so wichtig ist“, beschrieb Brigitte Hamschmidt aus St. Franziskus in Hövelhof die Herausforderungen aus dem Kita-Alltag. Ihre Kollegin Ursula Schier aus St. Johannes in Hövelhof berichtete sogar von Müttern, die nach zwei Jahren Corona immer noch nicht wüssten, wie die Tests funktionierten. Und Rita Henke aus Sudhagen komplettierte diese Aussagen mit der Erfahrung, dass ganze Pankete mit Testkits für zuhause ungeöffnet wieder im Briefkasten der Kita landen würden.

Großteil der Eltern pflichtbewusst

„Wir haben eine tolle Elternschaft, aber bereits zwei Ausreißer pro Gruppe reichen doch schon, um das alles zu untergraben“, berichtet Michaela Drüke-Scheffler als Mitglied der Mitarbeitendenvertretung. Eine Testpflich könne da helfen. Ebenso wie gleiche Regeln in Kitas und Schule. Denn letztlich führe dieses ständige Arbeiten in der Corona-Gefahr dazu, dass Erziehende ihre familiären Kontakte zurückfahren müssten. Oder es ihnen gehe wie dem Kollegen, dessen Frau schwanger sei und der stetig aufpassen müsse, wie er nach kritischen Kontakten in der Kita nach Hause komme. „Nach zwei Jahren Corona fragen wir, wer stützt uns denn?“, wurde Carina Brinkhus dabei deutlich in den Forderungen nach Unterstützung durch die Politik. Die Erziehenden seien am Limit; durch die langen Coronazeiten mit Krankheitsausfällen arbeite jede von ihnen seit Monaten fast mit doppeltem Pensum. Dabei hätten sie dann erleben müssen, dass jetzt die Alltagshelferinnen für die Kitas erst wieder abgeschafft und dann doch neu, aber mit anderen Regeln, eingesetzt werden sollten. Die bürokratischen Hürden dabei seien nicht praktikable, gaben sie dem Landespolitiker mit auf den Weg. Ebenso wie der Umgang mit dem Berufsnachwuchs. Fachkräfte mit Bachelor aus Polen dürften nur nach aufwändiger Nachqualifikation in Deutschland arbeiten. Was denn da die europäische Bildungsangleichung für einen Sinn gegeben habe? Der Nachwuchs, gestört durch fehlende Praktika und Erlebnisse mit Corona, machte den Erziehenden Sorgen. Wer erlebe, wie sie derzeit arbeiten müssten, der empfinde das nicht als beglückenden Beruf. Die Personalplanung werde zu einer ständigen Mangelverwaltung, merkte Ursula Schier an. Der Einsatz der Alltagshelfenden habe sie entlastet, denen jedoch nun eine Ausbildung zur Kinderpflegerin anzubieten, gehe häufig an der Zielgruppe vorbei. „Das ist komplett verpufft“, kommentierte sie die im Ansatz gute, aber im Detail unpraktikable politische Vorgabe.

Infektionsmeldungen sind großer Aufwand

Dass das System überhaupt noch funktioniere, da setzte Brigitte Hamschmidt nach, sei nur möglich, weil Kita-Teams zu den flexibelsten Mitarbeitenden gehörten, die es gäbe. „Jedes Jahr müssen wir uns von neuem innerhalb von vier Monaten auf neue Betreuungsschlüssel und Stundenumfänge einzelner Mitarbeitenden einstellen“. Das sei schon schwierig genug. Mit Corona komme durch die Pflicht zur Meldung jedes Infektionsfalles eine unbändige Dokumentationsarbeit hinzu, die wiederum viel Zeit fresse.

Bei all dem Wusch, dass bloß die Kitas laufen, falle der Bildungsauftrag zudem seit zwei Jahren allzu oft hinten runter. „Hauptsache die Kinder sind betreut, damit die Eltern arbeiten gehen können“, gelte dort die Anforderung. Die in Kitas so wichtige pädagogische Arbeit und die inhaltlichen Angebote seien kaum mehr umzusetzen.“Das ist so unbefriedigend“ drückten mehrere Erziehende ihren Unmut aus.

Klare Vorderungen

Konkrete Vorschläge gab es schon. Detlef Müller fasst das zusammen. Er wünschte sich neben verbindlichen Tests für die Kinder auch regelmäßig das Angebot eines PCR-Tests für Mitarbeitende, um ihnen einmal in der Woche ein sichere Ergebnis zu liefern. „Das Virus ist nicht gerecht, aber die Politik versucht sich in Fairness“, kommentierte Hoppe-Biermeyer. Der Landtagsabgeordnete zeigte viel Verständnis für die Sorgen der Erziehenden. Er versprach, diese direkt nach Düsseldorf zu tragen. „Es ist außergewöhnlich, was ich von Ihnen gehört habe, das war mir nicht so bewusst“, bekannte der Politiker ganz offen. Er bot an, den Austausch zu wiederholen, um auf dem Laufenden zu bleiben. Angesichts des Wunsches , Kitas und Schulen auf jeden Fall offen zu halten sei schnell klar gewesen, dass Erziehende systemrelevant seien. Ihre Sorgen nun weiterzutragen das sei ein Weg, mit dem er versuchen wolle, zu helfen.   Mehr Informationen auf den Seiten der Kita-Hochstift.

Weitere Einträge

© Tobias Schulte / Erzbistum Paderborn

Kirchliche Nachrichten aus Paderborn und Deutschland „Es gab unfassbar viele schöne Momente“

Freiwilligendienst des Kindermissionswerks ,Die Sternsinger‘: Noch bis Ende Oktober bewerben!
© Blue Planet Studio / Shutterstock.com

Kirchliche Nachrichten aus Paderborn und Deutschland Interkulturelle Kompetenz in der medizinischen Versorgung

Vom 20. bis 22. November bietet das Christliche Bildungswerk Die HEGGE eine medizinethische Tagung zum Thema „Interkulturelle Kompetenz in der medizinischen Versorgung“ an.
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Kirchliche Nachrichten aus Paderborn und Deutschland „Taste the North“

Neues Kochbuch: Das Bonifatiuswerk lädt mit Rezepten von Freiwilligen und Projektpartnern zu einer kulinarischen Reise durch den Norden Europas ein
Kontakt
| |
generalvikariat@erzbistum-paderborn.de
+49 (0)5251 125-0