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© Photo Kozyr / Shutterstock.com
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Wir können Gott nichts vormachen

Erzbischof Becker predigt am Aschermittwoch im Hohen Dom zum 75. Todestag von Anne Frank

Erzbischof Hans-Josef Becker feierte am Aschermittwoch das Kapitelsamt im Hohen Dom zu Paderborn. Zahlreiche Gläubige empfingen im Gottesdienst zu Beginn der Fastenzeit das Aschekreuz. Erzbischof Becker erinnerte in seiner Predigt an den 75. Todestag von Anne Frank: Durch ihr Tagebuch habe das jüdische Mädchen trotz Lebensgefahr eindrücklich und berührend ihre Zuversicht deutlich gemacht, dass Gott in jeder Not mit uns ist, sagte der Paderborner Oberhirte.

Während der zwei Jahre, in denen sich Anne Frank und ihre jüdische Familie in Amsterdam vor den Deutschen versteckt hätten, sei der Glaube an Gott für das junge Mädchen immer wichtiger geworden. „Immer mehr lebte sie aus der Hoffnung, dass Gott einst alles zum Guten wenden kann“, beschrieb Erzbischof Becker. Anne Frank habe nicht gewusst, welcher Weg noch vor ihr lag. Aber sie habe aus der Zuversicht gelebt, dass Gott uns sehe und bei uns bleibe.

In die Mitte unserer Herzen

Die Geschichte von Anne Frank sei nicht nur eine Geschichte von der Größe und vom Glauben eines vierzehnjährigen Mädchens, sondern offenbare auch, was Menschen einander zufügen können, fuhr der Paderborner Oberhirte fort: „Gott sieht in die Mitte unserer Herzen. Er kennt unsere Ängste und Nöte, unser Versagen, den fatalen Hang zum Schlechten. Er kennt unsere Selbstsucht und unseren Neid auf den Anderen. Ihm können wir nichts vormachen. In allen Ausweglosigkeiten und Abgründen ist Gott da.“

Nicht das letzte Wort

Am Beginn der Fastenzeit stehe für Christen die Erkenntnis, der Gnade und Umkehr zu bedürfen, sagte der Paderborner Erzbischof zum Abschluss seiner Predigt. Das Aschekreuz sei ein Zeichen dafür, dass es trotz allem Hoffnung auf Verwandlung gebe. Schon zu Beginn des Gottesdienstes hatte Erzbischof Hans-Josef Becker bekräftigt: „Staub und Asche sind nicht das letzte Wort, das über uns gesprochen wird. Am Ende bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe, trotz der Schuld, trotz des Versagens.“

„Bedenke Mensch, dass Du Staub bist“

Nach der Predigt segnete Erzbischof Becker die Asche, die aus den geweihten Palmzweigen des letzten Palmsonntags gewonnen worden war. Mit der Asche zeichneten der Paderborner Oberhirte, Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB, Weihbischof Matthias König und Dompropst Monsignore Joachim Göbel den Gläubigen das Aschekreuz auf die Stirn. Dabei sprachen sie die Worte „Bedenke Mensch, dass Du Staub bist und wieder zu Staub zurückkehren wirst“. Im Anschluss feierte Erzbischof Becker die Eucharistie.

Viele Gläubige waren zum Kapitelsamt mit Erzbischof Hans-Josef Becker um 9 Uhr in den Hohen Dom gekommen, um dort das Aschekreuz zu empfangen. Noch dichter bevölkert war die Paderborner Bischofskirche aber schon ab 7.45 Uhr: Traditionell feierten die Schülerinnen und Schüler der Schulen St. Michael in Paderborn am Aschermittwoch einen Gottesdienst im Dom und empfingen das Aschekreuz, bevor der Unterricht startete.

Hintergrund: Aschermittwoch

Die am Aschermittwoch ausgeteilte Asche wird aus geweihten Palmzweigen des letzten Jahres gewonnen und gilt als Zeichen für Trauer und Buße. Der Aschermittwoch markiert den Beginn der 40 Tage dauernden Fastenzeit, die auch österliche Bußzeit genannt wird und als Vorbereitung auf die drei heiligen Tage von Karfreitag bis Ostern (Ostertriduum) dient. Deshalb ist diese Zeit der Buße zugleich von der Hoffnung auf Auferstehung erfüllt. Die Dauer der Fastenzeit leitet sich vom biblischen Bericht über eine 40-tägige Gebets- und Fastenzeit ab, die Jesus nach seiner Taufe im Jordan auf sich nahm.

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