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Erzbistum Paderborn
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Wie sieht die Klimaschutzbewegung das Engagement der Kirche?

Themenspecial „Es geht! Gerecht.“ Umweltenzyklika und Klimaschutzkonzept – die katholische Kirche tut einiges für die Bewahrung der Schöpfung. Doch wie sehen Vertreterinnen und Vertreter der Klima- und Umweltschutzinitiativen das Engagement der Kirche? Wir haben nachgefragt
Linksseitig grüne Wiese mit Baum, rechts eine karge Wüste, die weiter vorrückt© Sepp photography / Shutterstock.com
Unser Glaube
23. März 2022
Paderborn

Wie sieht die Klimaschutzbewegung das Engagement der Kirche?

Themenspecial „Es geht! Gerecht.“ Umweltenzyklika und Klimaschutzkonzept – die katholische Kirche tut einiges für die Bewahrung der Schöpfung. Doch wie sehen Vertreterinnen und Vertreter der Klima- und Umweltschutzinitiativen das Engagement der Kirche? Wir haben nachgefragt

Mit seiner Enzyklika „Laudato si“ hat Papst Franziskus der katholischen Christenheit und „allen Menschen guten Willens“ die Bewahrung der Schöpfung als Aufgabe ins Stammbuch geschrieben. Und auch in der Kirche Paderborn wird das Engagement für Umwelt und Klima weiter in den Fokus gerückt. Pfarrsäle werden auf LED-Beleuchtung umgerüstet, das neue Verwaltungsgebäude des Erzbischöflichen Generalvikariates an der Paderborner Heiersstraße setzt Maßstäbe in Sachen Nachhaltigkeit und Familien bekommen Tipps, wie sie zuhause Energie sparen können. Kirche tut also einiges für die Bewahrung der Schöpfung.

Doch bekommt man außerhalb von katholischen Jugendverbänden und Kirchenvorstandssitzungen etwas davon mit? Mit Greenpeace und der Fridays-For-Future-Bewegung gibt es schließlich auch weltliche Akteure, die in eine ganz ähnliche Richtung streben. Wie finden Menschen, die sich bei diesen Initiativen engagieren, das Engagement der Kirche? Was bekommen sie davon mit? Und was wünschen sie sich? Wir haben bei verschiedenen Initiativen im Erzbistum Paderborn nachgefragt. Die vier Befragten zeichnen ein vielfältiges Bild.

Joachim Hermes, Greenpeace Dortmund

Die Pandemie mit ihren Kontaktbeschränkungen habe seine Greenpeace-Ortsgruppe schrumpfen lassen, erzählt Joachim Hermes. Aktuell treffe sich nur ein „harter Kern“ aus neun Menschen, alle um die 70. Der Grund für ihren Einsatz für Umwelt und Klima sei daher vor allem: Den Planeten ihren Enkeln zu erhalten. Religiöse Überzeugungen würden dabei nur vereinzelt eine Rolle spielen. Die meisten Mitglieder sagten von sich: „Ich bin kein Christ oder keine Christin.“

Das Engagement der Katholischen Kirche in Sachen Klimaschutz wird in ihrer Wahrnehmung von den Skandalen der Institution überschattet. Hermes nennt den Missbrauchsskandal und die andauernde Debatte um den Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki hierzulande, aber auch stockende Reformen der Weltkirche. Papst Franziskus loben die Gruppenmitglieder für sein Eintreten in Sachen Umweltschutz. Bei Demonstrationen im rheinischen Braunkohlegebiet habe er gläubige Menschen mit einem Transparent des katholischen Hilfswerks Misereor gesehen, erzählt Joachim Hermes. Insgesamt, so ist man sich in der Gruppe einig, sei es jedoch eher die Evangelische Kirche, die in Sachen Schöpfungsbewahrung positiv auffalle.

Luisa Grenz, Fridays For Future Paderborn

Der „Kampf für eine gerechte Welt“ sei der Hauptgrund für ihr Engagement beim Paderborner Ableger der Fridays For Future-Bewegung, sagt Luisa Grenz. Die Natur liege ihr am Herzen. Die Zerstörung von Ökosystemen gehe stets mit der von Menschenleben einher. Wenn sie von „Klimagerechtigkeit“ spricht, betont sie deren sozialen Charakter. Dass da Parallelen zu christlichen Glaubensinhalten bestehen, sei ihr bewusst.

Die Schülerin bezeichnet sich als gläubig, aber nicht als Kirchgängerin. Institutionalisierte Religion spiele bei den jungen Menschen der Fridays-For-Future-Bewegung keine große Rolle. Auch für sie selbst gingen Glaube und Aktivismus daher nicht zwingend zusammen.

Kirche als ein Motor

Nichtsdestotrotz „finde ich es gut und wichtig, dass sich Kirche in Sachen Klimaschutz engagiert“. Auch wenn es vermutlich Überschneidungen gebe, könne die Kirche nämlich noch andere Bevölkerungsgruppen erreichen, als die For-Future-Bewegung. Sie selbst habe erst vor kurzem davon erfahren, dass Klimaschutz auch in kirchlichen Kreisen ein Thema sei. Hier könne Kirche noch mehr tun, um stärker wahrgenommen zu werden. Denn der menschengemachte Klimawandel – Luisa Grenz spricht bewusst von Klimakatastrophe – „geht die ganze Gesellschaft etwas an und die Kirche ist eine Institution, die den gesellschaftlichen Wandel hin zu einer nachhaltigeren, bewussteren und klimagerechteren Welt mit vorantreiben kann“.

Oliver Koch, Greenpeace Bielefeld und Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung

Bei seiner Arbeit in der Greenpeace-Ortsgruppe spiele Religion kaum eine Rolle, sagt Oliver Koch. „Einzelne von uns engagieren sich aber aus einem christlichen Selbstverständnis heraus für die Bewahrung der Schöpfung.“ Dazu zählt er auch sich selbst: „Für mich spielt mein Glaube eine wichtige Rolle, weil wir diese Welt nur geliehen bekommen haben.“

In der Gruppe der Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung (GWÖ) gebe es eine interkonfessionelle Arbeitsgruppe „Kirche“ und man bemühe sich um eine Zusammenarbeit mit den Kirchen, um für mehr Nachhaltigkeit zu werben. Die Bewegung setze sich für Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit ein.

Bewahrung der Schöpfung

In beiden Gruppen habe man die Enzyklika „Laudato si“ „mit Begeisterung wahrgenommen“, so Koch weiter. Genauso das Papier „Geliehen ist der Stern auf dem wir leben“ der Evangelischen Kirche Deutschlands. Beide Texte bekräftigen, dass die Bewahrung der Schöpfung ein Kernthema des Christentums ist. Oliver Koch vermisst allerdings sichtbare Schritte der Umsetzung. „Bis wann sind kirchliche Verwaltungen klimaneutral? Gibt es zum Beispiel fair und biologisch produzierte Produkte in den Kantinen? Kommt die Energie aus nachhaltigen Quellen?“ In seinen Augen geht es da um Glaubwürdigkeit. „Ansonsten wirken die Worte hohl.“ Das Engagement einzelner Christinnen und Christen nehme er aber durchaus wahr, etwa bei Aktionen wie Klimafasten oder dem Klimapilgerweg nach Glasgow im letzten Jahr. In beiden Gruppen „sehen [wir] die Kirchen als mögliche starke Verbündete mit großer Wirkkraft, auch wenn sie wegen der nachlassenden Glaubwürdigkeit an Einfluss verlieren.“

Stefan Wisbereit, Parents For Future Paderborn

Die Paderborner Ortsgruppe der Parents For Future habe früh den Kontakt zu beiden großen Kirchen gesucht, sagt Stefan Wisbereit. Denn Kirche habe in seinen Augen zwei große Aufgaben. „Das eine ist die Ansprache des Einzelnen.“ Ob in der Predigt oder in der Gemeindearbeit, immer wieder müsse das Thema Schöpfungsbewahrung angesprochen werden. Da sieht er noch Verbesserungsbedarf. Denn „die Information ist da. Aber sie kommt nicht so aufbereitet zu mir als Gemeindemitglied, dass ich nicht nur die Botschaft mitbekomme, sondern mich davon persönlich angesprochen fühle und zum Handeln motiviert werde.“

Die zweite Aufgabe sehe er darin, dass Kirche ihre gesellschaftliche Rolle einsetzt. Denn alle Veränderung im Kleinen reicht nicht aus, wenn nicht auch die großen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen mit geändert werden. Für diesen Wandel soll auch Kirche werben.

Sozialer Aspekt als Parallele

„Ich sehe Kirche auf jeden Fall als Verbündete“, sagt Stefan Wisbereit. Mittlerweile habe sich der Kontakt zwischen Ortsgruppe und Erzbistum intensiviert. Auch die Kirchen hätten zur Teilnahme am von der For-Future-Bewegung initiierten „Klimastreik“ im letzten Jahr aufgerufen. Und zur 1,5-Grad-Aktion auf dem Marktplatz sind auch Mitglieder der Klimaschutzbewegungen der Einladung des Erzbistums gefolgt. „Wir können zusammenarbeiten“, sagt Wisbereit.

Zwei Aspekte, bei denen Wisbereit Parallelen sieht, sind der soziale Aspekt des Klimaschutzes und die globale Ausrichtung. „Es geht uns nicht nur darum, die Bäume an der Paderborner Bahnhofsstraße zu retten“, sagt Wisbereit. Natürlich sei das Engagement dafür wichtig und richtig, aber der Blick müsse darüber hinausgehen. In der Klimabewegung gebrauche man die Abkürzung „MAPA“ („most affected people and areas“, dt.: „am meisten von der Klimakrise betroffene Menschen und Regionen“). Leicht könne es passieren, dass die Menschen hinter dieser Abkürzung vergessen werden. Da brauche es direkten Kontakt – so das klima- und pandemietechnisch möglich sei – oder andere Wege, sich auszutauschen und Namen und Gesichter für die betroffenen Regionen zu bekommen. Sowohl die For-Future-Bewegung als auch die Katholische Kirche seien internationale Organisationen, die diese Kontakte möglich machen könnten. Und das am besten im Verbund, damit nicht immer nur die eigene kommunikative Blase bedient, sondern eine möglichst breite Öffentlichkeit erreicht werde.

Es geht um das "wir"

Die hier befragten Personen können natürlich nicht für ihre jeweilige Bewegung als Ganzes sprechen. Dennoch lassen ihre Antworten einige Rückschlüsse darauf zu, wie die weltlichen Klimabewegungen das Engagement der Katholischen Kirche in Sachen Schöpfungsbewahrung wahrnehmen:

  • Obwohl das Bild von Kirche durch Krisen überschattet wird, wünscht sich die Mehrheit der Befragten, dass Kirche öffentlichkeitswirksam für Klimaschutz eintritt
  • Kirche hat die Möglichkeit, andere Zielgruppen zu erreichen und Informationen weiter zu streuen
  • Die Verbindung von Klimaschutz und sozialer Gerechtigkeit spielt sowohl für die Kirche als auch für die Klimabewegungen eine wichtige Rolle

Was die Rückmeldungen der Aktivistinnen und Aktivisten zeigen, ist, dass es neben den internen Bemühungen um Nachhaltigkeit vor allem darum geht, nach außen hin sichtbare Zeichen zu setzen. Der Austausch von Glühbirnen mit Strom sparenden LED-Lampen im Pfarrsaal oder die umweltfreundlichere Heizanlage sind weiter wichtig. Genauso wichtig ist es aber, davon zu sprechen, warum man das denn gemacht hat, sich mitzuteilen und Verbündete zu suchen.

Aus christlicher Sicht sprechen Greta Thunberg und Papst Franziskus eine ähnliche Sprache. Wenn die eine davon spricht, dass „unser Haus in Flammen steht“ und der andere von der „Sorge um das gemeinsame Haus“ schreibt. In beiden Fällen geht es weniger um das Haus, als vielmehr um das „wir“ – die gemeinsame und gemeinschaftliche Bemühung für den Erhalt der Schöpfung.

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Ein Beitrag von:
Redakteur

Cornelius Stiegemann

 
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