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© lubov62 / Shutterstock.com
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Wie kann ich selbst Werkzeug des Friedens sein?

„Einfach im Kleinen anfangen, damit es im Großen gelingen kann“

Krieg in der Ukraine, Pandemie, Nahost-Konflikt, Klimakatastrophe oder Inflation: Die Welt scheint aus den Fugen geraten, an vielen Ecken der Erde brennt es. Dieser Krisenmodus und die allgemeine gesellschaftliche Stimmung schlagen den Menschen aufs Gemüt. Viele haben Angst, blicken sorgenvoll in die Zukunft. Und Lösungen für einen dauerhaften Frieden und ein respektvolles Miteinander scheinen nicht in Sicht. Kann man trotzdem etwas tun?

„Herr, mache mich zu einem Werkzeug Deines Friedens, dass ich liebe, wo man hasst, dass ich verzeihe, wo man beleidigt“, so heißt es in einem Gebet, das dem Heiligen Franziskus zugeschrieben wird. Dieses Friedensgebet, das aktuell wie nie ist, wurde allerdings erst kurz vor dem Ersten Weltkrieg in Frankreich veröffentlicht und erlangte in den darauffolgenden Kriegsjahren internationale Beachtung.

Neben der starken Sehnsucht nach Frieden geht es in dem Gebet darum, Frieden mitzugestalten sowie als Einzelne oder Einzelner helfen zu können, wieder friedvollere Zeiten zu verwirklichen. Bleibt das heute angesichts der vielen Krisen nicht nur ein schöner, frommer Wunsch, ist aber völlig wirklichkeitsfern?

Raus aus dem Tief

Trotz täglicher Schreckensmeldungen sollte dieser Wunsch doch ein bisschen in Erfüllung gehen. Und: Jede und jeder kann da seinen Beitrag leisten. Experten raten, sich nicht vor der Realität zurückzuziehen und sich dem allgemeinen Ohnmachtsgefühl hinzugeben, sondern die eigene individuelle Handlungsfähigkeit zu erkennen, um aus dem Seelentief herauszukommen. Patentrezepte gibt es nicht, aber nach Meinung vieler Fachleute gute Strategien.

„Wichtig ist, sich der eigenen Ressourcen bewusst zu werden“, beschreibt es Dr. Cornelia Wiemeyer-Faulde, Theologin und Diplom-Psychologin von der Ehe-, Familien-, und Lebensberatung in Brakel, in Trägerschaft des Erzbistums Paderborn. Das bedeute, zu erkennen, dass wir für uns selbst und in unserem direkten Umfeld etwas bewirken können und damit von einer passiven in eine aktive Rolle wechseln. Jedoch: „An konkreten Lösungen zu arbeiten, ist ein längerer Prozess und führt erst einmal auf einen Weg der kleinen Schritte“, ergänzt die Leitende Ärztin Steffani Schröder-Czornik vom Sozialpsychiatrischen Dienst und Leiterin der Dienste im Caritas-Beratungszentrum Brakel.  Die beiden Therapeutinnen wissen, wovon sie sprechen. Denn sie betreuen nicht nur Menschen mit psychischen Erkrankungen oder jene mit Depressionen, sondern auch jene, die sich in verschiedenen Konflikt- und Krisensituationen in der Partnerschaft oder Familie im „normalen“ Alltag befinden.

Strategien für den Frieden für sich und andere

  • Realität nicht verdrängen, aber Medienkonsum einschränken, wenn die Nachrichtenflut zu sehr belastet.
  • Aktiv bleiben, sich nicht zurückziehen, versuchen, im Alltag Dinge und Routinen einbauen, die Spaß und Freude machen.
  • Sich mit anderen austauschen, das Gespräch suchen, sich mit Freunden und Gleichgesinnten treffen.
  • Ehrenamtliches Engagement gegen Angst und Unsicherheit: zum Beispiel Hilfe bei Tafel, Seniorendiensten, in der Kleiderkammer, als Einkaufshilfe, Telefonbesuch, geflüchteten Menschen und Kindern helfen oder natürlich auch durch Spenden.
  • Dienste des Caritasverbands im Beratungszentrum Brakel, www.bz-brakel.de
  • Ehe-, Familien- und Lebensberatung im Erzbistum Paderborn, paderborn.efl-beratung.de
  • Malteser im Erzbistum Paderborn, www.malteser-paderborn.de

Zügel wieder in die Hand nehmen

„Die Erlebnisse von außen wie die Kriegsgeschehen rund um die Welt belasten die eigene persönliche Situation natürlich noch zusätzlich“, macht Dr. Cornelia Wiemeyer-Faulde in den Sprechstunden immer wieder die Erfahrung. Doch gerade in den Beratungsstunden arbeite man daran, den Menschen Mut für ihren Alltag zu machen und sie zu motivieren, eine Ebene des Friedens zu erreichen und damit die „Zügel wieder in die Hand zu nehmen“.

„Ziel kann es beispielsweise sein, positive verschüttete Erfahrungen und Erlebnisse wieder aufleben zu lassen, ganz gleich, ob es sich um Sport, Spaziergehen, Radfahren oder Musik hören handelt“, sagt Steffani Schröder-Czornik. Und auch der Austausch mit anderen Menschen, mit Gleichgesinnten könne helfen, mehr inneren Frieden zu finden. „Beispielsweise auf Menschen zuzugehen, zu denen man den Kontakt abgebrochen hat, oder zu überlegen, wer würde sich über einen Anruf oder ein kleines Geschenk freuen, diese Friedens-Schritte unterstützen dabei, den Lebensmut nicht zu verlieren und sich nicht als ohnmächtig zu erleben“, so lauten mögliche Vorschläge. Es sollten realistische Ziele sein, die man sich setze, und keine unerreichbaren.

Raum für Erlebnisse

Sich bewusst zu machen, dass man nicht alleine ist, genau das gibt jedenfalls Monika Klein-Franze Kraft und Mut für den Alltag. Die ehrenamtliche Leiterin des Sozialen Ehrenamtes der Malteser Stadtgliederung Paderborn engagiert sich seit Jahrzehnten für andere Menschen und weiß, wie wichtig es ist, sich besonders in Krisenzeiten gegenseitig zu unterstützen. Mit ihren unzähligen Hilfsangeboten wie Senioren-Café, Besuch- und Begleitungsdienste, Flüchtlingshilfe, Telefonbesuchsdienst oder Fahrdienste wollen die Malteser nicht nur „Momente der Nähe“ schaffen, sondern geben auch Raum für Erlebnisse, in denen die Menschen erzählen können, was sie bedrückt.

„Da sind auf der einen Seite die Senioren, meist aus der Kriegsgeneration, welche die Schrecken jetzt noch einmal erleben müssen, und auf der anderen Seite die Geflüchteten, die diese Erfahrungen teilen“, berichtet Monika Klein-Franze. Und diese beiden Gruppen fänden beispielsweise im Senioren-, oder Sprach-Café schnell zueinander, tauschten sich aus und verarbeiteten damit auch das Erlebte. „Viele unserer 43 Helferinnen und Helfer kommen selbst aus Krisengebieten, und sie sind froh, dass sie auf Verständnis und Anteilnahme stoßen.“ Und die Älteren haben die Möglichkeit, zu beschreiben, wie sie diese Krisen einst bewältigt haben: Dadurch, so Monika Klein-Franze, hätten alle gemeinsam das Gefühl: Dort werde ich gut aufgekommen, dort fühle ich mich wohl.

In direkter Umgebung aktiv sein

Vor Ort aktiv zu sein, das heißt für die ehrenamtliche Leiterin des Sozialen Ehrenamtes der Paderborner Malteser, hilfesuchenden, bedürftigen und einsamen Menschen Geborgenheit, eine Anlaufstelle und damit einen sicheren Hafen zu bieten. Und genau das sei das Schönste und Erfüllendste, was man in diesen Zeiten machen könne. „Die freie Zeit, die ich opfere, bekomme ich durch die Dankbarkeit und die Freude der Menschen doppelt und dreifach zurück.“

Dabei hat die Malteserin keine naiven Vorstellungen oder Illusionen, gar die ganze Welt zu retten oder gar irgendwelche politischen Machthaber zu überzeugen. „Doch im Kleinen habe ich immer die Möglichkeit, etwas zum Frieden beizutragen“, ist sie überzeugt. Ein Werkzeug des Friedens zu sein – mit Mitgefühl, Solidarität und praktischer Hilfe. Dann muss die Welt auch kein düsterer Ort mehr sein. Sondern ein besserer Ort, an dem man fest zusammensteht.

Ein Beitrag von:
Die freie Autorin Martina Schäfer © privat
freie Autorin

Martina Schäfer

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