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© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Wie Dompastor Klauke den Dom für die Menschen öffnet

Neulich gab es im Paderborner Dom eine Premiere: 18 Kinder gingen hier zur Erstkommunion. Warum und wie hier eine „Domgemeinde“ entstehen kann, erläutert Dompastor Matthias Klauke

Matthias Klauke sitzt an dem großen, kreisrunden Tisch im Kapitelsaal des Paderborner Domes. Vor ihm auf der Tischplatte liegt sein Schlüsselbund. Und einer der Schlüssel daran muss es sein: Der, der ihm an seinem ersten Tag gegeben wurde. Der, mit dem er hier alle Türen öffnen kann. Und den der 45-Jährige direkt genutzt hat, um seine neue Arbeitsstelle zu erkunden.

Den Kapitelsaal, in dem er jetzt sitzt, schließt er direkt am ersten Tag auf. Der Domturm kommt ein paar Tage später dran. „Ich dachte mir einfach: Wenn ich schon die Gelegenheit dazu habe“, sagt Klauke und lacht. Es sei ihm darum gegangen, „mir überhaupt einmal einen Eindruck vom Gebäude zu verschaffen“. Und so durchwandert er nach Feierabend, Generalschlüssel in der Hand, die verschiedenen Räume und Gänge des Paderborner Domes.

Was macht ein Dompastor?

Warum ihm im Dom keine Tür verschlossen bleibt? Matthias Klauke ist seit Februar 2022 Domvikar und Dompastor. Die Domvikare gehören dem Paderborner Metropolitankapitel an. Zusammen mit den Domkapitularen tragen sie Sorge für die Feier der Liturgie am Hohen Dom. Als Dompastor ist Klauke der, „der alles so ein wenig koordinieren soll“. Damit meint er vor allem, dass er für die Gottesdienstpläne zuständig ist. „Wann findet welcher Gottesdienst in welcher Form statt, wer feiert ihn? Das muss vorher festgelegt werden.“ Das Festlegen macht er natürlich nicht ganz allein, sondern zusammen mit den Mitarbeitenden im Dombüro und den anderen Domvikaren.

Daneben ist er auch noch erster Ansprechpartner für die verschiedenen Ehrenamtlichen, die sich im und um den Dom engagieren. Etwa die Jungen des Domchores, für die Klauke der geistliche Begleiter ist. Er kümmert sich um die Domgilde, die den Ordnungsdienst und die Domführer stellen. Dann gibt es noch die Kommunionhelferinnen und -helfer und Lektoren sowie die Menschen, die sich in der Initiative Zeitgeschenk engagieren. „Rund um den Dom gibt es viele Priester und Bischöfe, da ist es gut, wenn die Ehrenamtlichen ein konkretes Gesicht vor Augen haben“, sagt er.

Denen, die kommen, die Türen öffnen

Doch neben diesen Aufgaben als Organisator und Ansprechperson geht es für Matthias Klauke immer noch ums Aufschließen. Eigentlich hat er seit seinem ersten Tag nie damit aufgehört, Türen zu öffnen – wenn man das Aufschließen etwas metaphorischer verstehen möchte. Und das nicht nur für sich, sondern für die Menschen, die zum Dom kommen.

Im Stadtbild Paderborns ist der Dom kaum zu übersehen. Das führt dazu, dass viele Menschen hierherkommen. Sie kommen wegen der Kirchenmusik, dem breiten Angebot an Gottesdiensten oder vielleicht auch, weil „man quasi über diese Kirche stolpert“. „Ich bin manchmal selbst ganz erstaunt, woher die Menschen kommen, die hier die Gottesdienste besuchen“, sagt Klauke. Ein gewisses Stammklientel gäbe es schon, aber insgesamt sei es doch stark durchmischt.

Der Dom ist ein Ort, der Menschen anzieht. Aus den unterschiedlichsten Gründen. Das fällt Klauke besonders samstags auf. Da gebe es die, die auf ihrem Weg zum Markt nur schnell eine Kerze anzünden würden, genauso wie die, die hier Ruhe und Stille suchten. Und natürlich auch Menschen mit touristischen Motiven, die sich einfach das Bauwerk anschauen wollten. „Der Dom wird in der Stadt als offener Raum erfahren“, sagt Klauke und darin sehe er die Chance, „dass Menschen eine Verbindung zu diesem Ort aufbauen und über den Ort zu dem Glauben finden, den er vermittelt.“

 

„Die Menschen, die zu den Gottesdiensten in den Dom kommen, sind keine anonyme Masse. Je länger ich hier bin, desto mehr kenne ich zumindest vom Aussehen her, manche auch vom Namen.
Ich werde natürlich nie alle kennen können. Aber zu dem Klientel, das regelmäßig kommt und vielleicht auch Wert darauf legt, kann ich schon eine Verbindung aufbauen und halten.“

Matthias Klauke, Dompastor

Eine Premiere in der Kathedrale

Diesen Menschen den Dom also gleichsam aufzuschließen, zu öffnen. Das ist Matthias Klauke ein Anliegen. Deshalb gab es Anfang Mai eine Premiere: 18 Kinder der Grundschule St. Michael feierten im Dom ihre Erstkommunion. Die Idee dazu sei entstanden, weil „viele von ihnen im Domchor singen und so eine Verbindung zum Dom haben“, erläutert Klauke. Da wollte man den Kindern zumindest das Angebot machen, zusammen mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern im Dom zur Erstkommunion zu gehen. Während die Schulseelsorgerin den Großteil der Kommunionvorbereitung übernahm, führte Klauke die Kinder durch den Dom.

Die Erstkommunion zieht eine weitere Neuerung nach sich. Vonseiten der Eltern sei die Frage aufgekommen: „Unsere Kinder sind jetzt im Dom zur Erstkommunion gegangen, wäre es auch möglich, dass sie hier Ministrantinnen und Ministranten werden können?“ Bislang sind es überwiegend junge Erwachsene, die in der Kathedrale den Altardienst versehen. Aber das ändert sich bald. „Ich habe die Idee gerne aufgegriffen und ab August wird es ein Angebot für die Kinder geben, dass sie hier Ministrantin oder Ministrant werden können“, sagt Klauke.

Eine Art Gemeinde am Dom

Erstkommunion und Messdienerausbildung – für jede Pfarrkirche eine Selbstverständlichkeit. Für eine Kathedralkirche nicht. Denn hier fehlen die normalen gemeindlichen Strukturen. Es gibt weder Kirchenvorstand, Pfarrgemeinderat noch Verbände und die Automatismen, die in jeder Gemeinde ablaufen, etwa wenn es um Erstkommunion oder Firmung geht, gibt es hier nicht.

Dazu sagt Klauke: „Eine Studierendengemeinde ist auch keine Pfarrgemeinde im klassischen Sinn.“ Bei Klöstern sei es ähnlich. Da würden sich trotzdem Menschen einfinden, die die besondere Form der Gemeinschaft oder der Liturgie schätzen würden. „Da geschehen gemeindeähnliche Dinge.“ Und genauso sei es auch mit dem Dom. Der sei „ein Ort mit besonderer Ausstrahlung, an den Menschen anknüpfen können und hier im Idealfall ihre geistliche Heimat finden.“ Und diesen Menschen wolle er eine Art Gemeinde bieten. Das sei – so sagt er selbst – etwas, das noch wachsen müsse.

Konkurrenz zur Pfarrkirche?

Aber wenn der Dom eigene Erstkommunionfeiern und eine Messdienerausbildung anbietet, fehlen diese Kinder doch in ihren Gemeinden. Baut sich da eine Konkurrenz zwischen Dom und Pfarrgemeinde auf? Das sieht Matthias Klauke anders: „Letztlich ist es wichtig, dass Menschen einen Bezug zu ihrem Glauben finden. Ob sie ihn in der Pfarrkirche oder im Dom finden, ist zweitrangig.“ Und dann betont er: „Wir merken, dass Menschen den Dom aufsuchen und dass sie etwas mit diesem Ort verbinden. Da wäre es eine vertane Chance, wenn wir darauf nicht reagieren würden.“

Die reale Holztür des Kapitelsaals schließt Matthias Klauke am Ende des Gesprächs wieder hinter sich ab. Aber er wird weiter versuchen, den Dom für die Menschen zu öffnen. Denn egal, ob sie nur für eine Stippvisite herkommen oder Teil einer Domgemeinde werden wollen, die Kathedralkirche des Erzbistums Paderborn soll ihnen offenstehen.

© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Drei Fragen an Dompastor Matthias Klauke

Matthias Klauke ist seit Februar 2022 Dompastor, das diesjährige Libori-Fest ist also das erste für ihn in dieser neuen Funktion. Dazu haben wir ihm drei Fragen gestellt:

Redaktion

Herr Dompastor Klauke, worauf freuen Sie sich besonders?

Dompastor Matthias Klauke

Ich freue mich, dass wir nach zwei Jahren der Beschränkungen wieder ein Stück Normalität erleben können. Libori zeichnet aus, dass viele Menschen in den Dom kommen, dass die Gottesdienste gut besucht sind und kräftig mitgesungen wird. Dass ganz viel von der Freude des Glaubens rüberkommt. Das wird dieses Jahr wieder mehr möglich sein und darauf freue ich mich.

Redaktion

Was ist dieses Jahr anders als sonst?

Klauke

Wenn dieses Jahr der Libori-Tusch ertönt, kommt der Schrein nicht aus der Krypta, sondern aus dem Westchor. Weil die Krypta gerade renoviert wird. Eine Besonderheit wird in diesem Jahr das große, internationale Friedensgebet am Mittwochabend sein, zu dem das Bonifatiuswerk zusammen mit dem Domkapitel einlädt.

Redaktion

Was sind Ihre Aufgaben im Rahmen der Feierlichkeiten?

Klauke

Im Vorfeld habe ich den Gottesdienstplan aufgestellt und die Betstunden, die von verschiedenen Gruppen übernommen werden, organisiert. Während der Libori-Woche sind meine Aufgaben überschaubar, denn der Fokus liegt auf den Bischofsmessen. Zusammen mit den anderen Domvikaren nehme ich aber natürlich an den Kernveranstaltungen wie der Erhebung und der Beisetzung der Reliquien und den Prozessionen teil. Am Libori-Sonntag halte ich eine der Sonntagsmessen und das Rosenkranzgebet, das traditionellerweise immer der Dompastor hält.

Ein Beitrag von:
Redakteur

Cornelius Stiegemann

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