Ein Abend des Zuhörens, der Begegnung und der Sichtbarmachung: Der diesjährige Pfingstempfang des Diözesankomitees im Erzbistum Paderborn stand im Zeichen der Auseinandersetzung mit sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche. Zahlreiche Gäste waren der Einladung ins Haus am Eulenspiegel (DPSG-Diözesanzentrum) am Freitagabend nach Rüthen gefolgt. Im Zentrum der Veranstaltung stand die eindrucksvolle Foto-Wanderausstellung „Betroffene zeigen Gesicht“, die das persönliche Erleben von Betroffenen sichtbar macht und ihnen öffentlich eine Stimme verleiht. Damit setzte das Diözesankomitee ein deutliches Zeichen für Anerkennung, Aufarbeitung und Haltung.
Die Kuratorin der Ausstellung, Dr. Ilonka Czerny, Fachbereichsleiterin für Kunst an der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, führte in das Konzept ein. Sie erläuterte die Entstehungsgeschichte und machte die Intention hinter der Präsentation deutlich: „Bei der Konzeption der Ausstellung ‚Betroffene zeigen Gesicht‘ hatte und habe ich stets zwei Gruppierungen im Blick: Die Betroffenen, auch jene, die nicht in der Ausstellung vertreten sind, und die Betrachter*innen. Diese Ausstellung möchte zwischen diesen beiden Gruppierungen vermitteln. Sexualisierte Gewalt und deren lebenslangen psychischen und physischen Auswirkungen sind für Personen, die dies nicht erleben mussten, kaum vorstellbar. Diese Bild-Text-Kombinationen können – wie nach drei Jahren Wanderausstellung zu resümieren ist – bewirken, dass den Betroffenen mehr Verständnis entgegengebracht wird. Zudem möchte die Ausstellung ein Teil von temporärer Erinnerungskultur darstellen. Sie soll als mobiles Mahnmal gegen das Vergessen von sexualisierter Gewalt in der Kirche gelten.“
Die Ausstellung vereint ausdrucksstarke Portraits mit biografischen Texten. So werden Geschichten erzählt, die oft hinter anonymen Zahlen verschwinden: individuelle Erfahrungen, Verletzungen – und der Mut, trotz allem sichtbar zu werden. Die Wirkung war unmittelbar: In der respektvollen Atmosphäre des Abends war die Betroffenheit der Gäste spürbar. „Was wir hier heute Abend gesehen und gehört haben, berührt und bewegt“, erklärte Jan Hilkenbach, Vorsitzender des Diözesankomitees. „Diese Ausstellung ist eine stille, aber kraftvolle Mahnung: Wir müssen wirklich hinhören, um aktuelles und vergangenes Leid zu erkennen und für die Zukunft möglichst zu verhindern. Jeder Mensch, der Gewalt erfahren hat, verdient unsere volle Aufmerksamkeit, unser Mitgefühl – und unser entschlossenes Handeln in Kirche und Gesellschaft.“