Laden...

logocontainer-upper
logocontainer-lower
© Photo Kozyr / Shutterstock.com
© Photo Kozyr / Shutterstock.com

Welterbestätten zum Leben erwecken

Rund 140 Gäste bei internationaler Tagung: „Neue Technologien zur Vermittlung von Welterbe“

Mit Multimedia kann die Geschichte von Welterbestätten lebendig erfahrbar werden – dies ist die Quintessenz einer internationalen Tagung in Paderborn und Corvey, an der in den vergangenen zwei Tagen 136 Gäste aus Deutschland, der Schweiz, Spanien und Italien teilgenommen haben. Das Erzbistum Paderborn, die Deutsche UNESCO-Kommission und ICOMOS Deutschland hatten zu der hochkarätigen Veranstaltung eingeladen. Pünktlich zur Welterbe-Tagung traf eine gute Nachricht in Corvey ein: Der Einbau einer Glaswand zwischen Westwerk und Kirchenschiff der ehemaligen Reichsabtei wurde denkmalrechtlich genehmigt – so werden ganz neue multimediale Raumerlebnisse in Corvey möglich.

„Das Karolingische Westwerk und die Civitas Corvey“ werden seit dem 21. Juni 2014 in der UNESCO-Welterbe-Liste geführt. „Das Erzbistum Paderborn unterstützt die Kirchengemeinde St. Stephanus und Vitus dabei, das Westwerk als Welterbe zu erhalten. Deswegen fördern wir auch das Bemühen, diese Stätte auf methodisch neue Art mit Leben zu füllen“, sagte Generalvikar Alfons Hardt während der Tagung im Rahmen eines Pressegesprächs in Corvey. Unter anderem arbeitet ein wissenschaftliches Kompetenzteam des Erzbistums Paderborn an der multimedialen didaktischen Erschließung des Welterbe-Westwerks in Corvey.

Best-Practice-Beispiele

Vertreter bedeutender europäischer Welterbestätten waren zur Tagung nach Paderborn und Corvey gekommen, um in Diskussionen und Fachvorträgen zu erörtern, wie sich durch den Einsatz neuer Technologien Welterbestätten erschließen lassen. Der erste Tag stand ganz im Zeichen von Best-Practice-Beispielen: Anhand der Wandmalereien in St. Georg in Oberzell auf dem Welterbe Klosterinsel Reichenau, dem Welterbe Fagus-Werk in Alfeld, der Domus aurea in Rom oder dem Welterbe Tarragona in Spanien wurde anschaulich, wie mit Multimedia ein didaktischer Mehrwert erreicht werden kann.

Am Dienstagvormittag ging es im Herzen des Welterbes Corvey weiter. Pfarrdechant Dr. Hans-Bernd Krismanek von der Kirchengemeinde St. Stephanus und Vitus begrüßte die Tagungsteilnehmer im barocken Kirchenschiff in Corvey. Auch Höxters Bürgermeister Alexander Fischer hieß die Gäste willkommen: „Die neuen Maßnahmen, die unter anderem durch die Glaswand hier möglich werden, werden das Welterbe Corvey nicht nur erhalten, sondern erstrahlen lassen“, zeigte sich das Stadtoberhaupt überzeugt.

Eröffnung der Tagung in Paderborn (v.l.): Dr. Tino Mager (Vorstand Deutsches Nationalkomitee von ICOMOS), Dr. Dörthe Jakobs (Deutsches Nationalkomitee von ICOMOS, Stuttgart), Generalvikar Alfons Hardt, Professor Dr. Christoph Stiegemann (Leiter des wissenschaftlichen Kompetenzteams zur Erschließung des Westwerks in Corvey), Alexander Fischer (Bürgermeister Höxter), Carolin Kolhoff (Leiterin Fachbereich Welterbe, Deutsche UNESCO-Kommission), Dr. Uwe Koch (Deutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz Berlin), Dr. Birgitta Ringbeck (Auswärtiges Amt, Koordinierungsstelle Welterbe) und Friedhelm Spieker (Landrat des Kreises Höxter) Foto: Kalle Noltenhans

Dr. Matthias Exner war aus München vom Deutschen Nationalkomitee von ICOMOS, dem Internationalen Rat für Denkmalpflege, nach Corvey gekommen. Der Experte für Wandmalereien machte in einem Vortrag die Alleinstellungsmerkmale des Welterbes Corvey deutlich: Unter anderem lassen sich hier zwei karolingische Phasen aus dem 9. Jahrhundert mit festen Anhaltspunkten zur Datierung nachweisen, ebenso eine weltliche antike Ikonographie im Bildprogramm karolingischer Sakralräume – bei anschließenden  Stationenführungen  durch das Westwerk konnten sich die Teilnehmer davon eindrucksvoll überzeugen.

Tor zu einer lebendigen Vergangenheit

Eine zentrale Rolle bei der multimedialen Erschließung des Welterbes Corvey wird die Glastrennwand zwischen Westwerk und barockem Kirchenschiff spielen. Eigentlicher Grundgedanke bei der Beantragung der Wand war, Kirchenraum und Westwerk temporär abtrennen zu können, um auch bei Besichtigungen im Welterbe die Feier des Gottesdienstes in der Kirche nicht zu stören.

Als bedeutsamer „Nebeneffekt“ wird die Wand jedoch im wahrsten Sinne des Wortes zum Tor in eine lebendige Vergangenheit: „Die gläserne Abtrennung lässt sich auf Knopfdruck zu 95 Prozent blickdicht verwandeln und als Durchlicht-Projektionsfläche nutzen“, erläutert Professor Dr. Christoph Stiegemann beim Pressegespräch in Corvey. Stiegemann ist nicht nur Direktor des Erzbischöflichen Diözesanmuseums Paderborn, er leitet auch das Kompetenzteam zur multimedialen didaktischen Erschließung des Westwerks. Dank dieser Technik kann die untergegangene karolingische Geschichte visualisiert werden – und so wird auch die noch bestehende Erdgeschosshalle des Westwerks in einem ganz neuen Licht erscheinen. „Es gilt jetzt, das Storyboard zu entwickeln, auf dessen Grundlage dann eine rund achtminütige Projektion entsteht. Die Erfahrungen anderer, die wir auf der Tagung gehört haben, haben uns darin bestärkt“, erklärte Prof. Dr. Stiegemann im Gespräch mit der Presse.

Eine Etage höher, im Johanneschor, dem Zentrum des Westwerks, wird durch so genannte Augmented Reality, also durch die computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung, ein weiterer Teil der Geschichte Corveys wieder lebendig erfahrbar werden: So werden die einstigen reichen Malereien und die plastische Ausgestaltung der karolingischen Stuckfiguren neu zum Leben erwachen. Es soll dabei nicht nur darum gehen, die Geschichte Corveys durch die virtuelle Brille zu erfahren, sondern ganz bewusst in Wechselwirkung mit dem heutigen Ort.

In einem Welterbe spielt das dortige Klima eine wichtige Rolle, denn historische Kunstschätze sind empfindlich gegenüber Außeneinflüssen. „Seit 2013 wurde in Corvey ein kontinuierliches Klimamonitoring durchgeführt“, führte Dr. Matthias Exner als Experte für die Denkmalpflege im Pressegespräch aus. „Der Johanneschor ist der für das Klimagefüge sensibelste Bereich des Westwerks. Daher ist es gut, wenn Besucher durch die Visualisierung unten im Erdgeschoss erst einmal verweilen, um so wenig Feuchtigkeit von außen direkt in den Johanneschor zu tragen.“

Ursprüngliche Farbfassung wie aus dem Nichts

Prof. Dr. Christoph Stiegemann freut sich auf das besondere Multimedia-Erlebnis, das im Johanneschor möglich werden wird: „Die Augmented Reality-Erfahrung umfasst zwei Aspekte. Erstens können Besucher auf Spurensuche gehen und nachvollziehen, wie die Kunstschätze an Wänden und Decken rekonstruiert wurden. Und zweitens wird dann – wie aus dem Nichts – die ursprüngliche Farbfassung des Johanneschors auf dem Tablet entstehen.“

 

V.l.: Prof. Dr. Christoph Stiegemann, Generalvikar Alfons Hardt, Herzog Viktor von Ratibor und Fürst von Corvey, Baudezernentin Claudia Koch, Dr. Matthias Exner, Pfarrdechant Dr. Hans-Bernd Krismanek, Dr. Dörthe Jacobs, Dr. Birgitta Ringbeck, Landrat Friedhelm Spieker, Dr. Christoph Heuter, Bürgermeister Alexander Fischer und Dr. Tino Mager. Foto: pdp/Maria Aßhauer
  • „Digitale Tools können Steine zum Sprechen bringen, neue Nutzergruppen erschließen und eine Vernetzung generieren.“ (Dr. Uwe Koch, Deutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz, Berlin)
  • „Der Einsatz neuer Technologien im Welterbe ist ein Meilenstein in der Vermittlungsarbeit, er kann jedoch nicht zur Gänze die Erfahrung und das Erleben einer Stätte vor Ort ersetzen.“ (Carolin Kohlhoff, Leiterin des Fachbereichs Welterbe bei der Deutschen UNESCO-Kommission.)
  • „Die Qualität der Inhalte darf nicht unter der Präsentation leiden. Bei der Tagung habe ich hervorragende Beispiele gesehen.“  (Dr. Tino Mager vom Vorstand des Deutschen Nationalkomitees von ICOMOS)
  • „Es ist zentral, dass wir eine gute wissenschaftliche Grundlage haben und diese dann digitalisieren.“ (Dr. Birgitta Ringbeck, Koordinierungsstelle Welterbe, Auswärtiges Amt, Berlin)
  • „Es ist wichtig, in die Zukunft zu denken und junge Menschen zu erreichen. Wir arbeiten für ihre Zukunft. “ (Mònica Borrell Giró, Direktorin des Nationalen Archäologischen Museums von Tarragona, Spanien)
  • „Sie werden erleben, wie aus dem Nichts die kunstvolle Malerei entsteht, allerdings nicht mit einer virtuellen Brille, sondern mit dem Tablet.“ (Professor Dr. Christoph Stiegemann, Direktor des Erzbischöflichen Diözesanmuseums Paderborn und Leiter des Kompetenzteams zur multimedialen didaktischen Erschließung des Welterbe Corveys)

 

Weitere Einträge

© Heike Probst ThF-Paderborn

Pressemeldung Ehrendoktorwürde für Caritas-Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa

Brückenbauerin zwischen Glauben, Wissenschaft und Wohlfahrt
© Katholikentag

Pressemeldung „Ich bin da“

Leitwort für den 105. Deutschen Katholikentag 2028 in Paderborn beschlossen
© Foto: Michael Bodin / Erzbistum Paderborn

Pressemeldung socioMovens erhält Jugendpreis des Westfälischen Friedens

Sozialinstitut Kommende Dortmund als Zentrum / Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz würdigt Einsatz der internationalen Jugendlichen für einen gerechten Frieden in Europa
Kontakt
| |
generalvikariat@erzbistum-paderborn.de
+49 (0)5251 125-0