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© Maria Aßhauer / Erzbistum Paderborn
© Maria Aßhauer / Erzbistum Paderborn

Vorsicht vor Ideologien, die Geschwisterlichkeit missachten

Pontifikalamt mit den französischen Gästen: Bischof Dr. Jean-Pierre Vuillemin aus Le Mans ruft am Libori-Montag zu Demut auf / Empfang im Bischofsgarten

Ohne den „Liebesbund ewiger Bruderschaft“ gäbe es kein Liborifest: Im Jahr 836 schenkte das Bistum Le Mans die Reliquien seines früheren Bischofs Liborius dem damals noch jungen Bistum Paderborn. Bischof Dr. Jean-Pierre Vuillemin, Nachfolger des heiligen Liborius auf dem Bischofsstuhl von Le Mans, feierte am Libori-Montag, 27. Juli 2026, im Hohen Dom zu Paderborn das Pontifikalamt mit den französischen Gästen, das eines von vielen Zeichen für den Liebesbund ist. Auch viele deutsche Mitglieder der deutsch-französischen Liborius-Fraternität feierten mit. „Ich wünsche uns, dass das Fest des heiligen Liborius in allen den Ehrgeiz der Heiligen weckt: die Demut Gottes in die Mitte unseres Lebens aufzunehmen“, sagte der Bischof von Le Mans in seiner Predigt.

© Maria Aßhauer / Erzbistum Paderborn

Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz hatte die Gläubigen im Hohen Dom willkommen geheißen: „Wir sind mittendrin in unserer Freundschaft, die seit Jahrhunderten trägt. Diese Freundschaft ist mehr als eine Tradition. Sie ist ein Band, das über von uns gesetzte Grenzen hinausreicht.“ Auch Bischof Dr. Jean-Pierre Vuillemin begrüßte die Mitfeiernden aus Deutschland und Frankreich – und zwar auf Deutsch: „Wir sind jedes Jahr beeindruckt von eurer Art, das Liborifest zu feiern. Das ist ein kraftvolles Zeichen für die ganze Welt“

Logik des Reiches Gottes

„Während die Jünger darüber streiten, wer von ihnen der Größte ist, verheißt Jesus ihnen Anteil an seiner Herrschaft – jedoch an einer Herrschaft des Dienens und nicht der Machtausübung“, betonte Bischof Dr. Vuillemin in seiner Predigt mit Bezug auf das im Gottesdienst vorgetragene Evangelium. Jesus stelle die „Logik der Mächtigen dieser Welt“ dem „neuen Gesetz des Reiches Gottes“ gegenüber. Dabei werde „Ehrgeiz“ nicht abgeschafft, „sondern auf das hin ausgerichtet, was dem Heute des Reiches Gottes entspricht“: der „Ehrgeiz der Heiligen“.

Der Bischof von Le Mans blickte auch auf den Ende September bevorstehenden Besuch von Papst Leo XIV. im lothringischen Metz in Frankreich, wo Bischof Dr. Vuillemin früher als Weihbischof gewirkt hat: „Gemeinsam werden wir auf die Worte hören, die Papst Leo in Lothringen sprechen wird, in jener Region, die durch die Kriege zwischen Deutschland und Frankreich so häufig verwundet wurde und deren Folgen für Europa so schrecklich waren.“ Doch Lothringen, erklärte Bischof Vuillemin weiter, sei zugleich „ein ‚Land zwischen den Welten‘, in dem sich die französische und die deutsche Kultur häufig auf harmonische Weise miteinander verbunden haben“.

© Maria Aßhauer / Erzbistum Paderborn

Keine Freundschaft ohne Demut

Lothringen sei in gewisser Weise auch die Keimzelle für den Liebesbund ewiger Bruderschaft zwischen Le Mans und Paderborn: In Metz seien sich im 9. Jahrhundert der heilige Aldrich, später Bischof von Le Mans, und Badurad, der spätere Bischof von Paderborn, begegnet. „Aus ihrer Freundschaft entstand im Herzen dessen, was später Europa werden sollte, eine dauerhafte Freundschaft zwischen unseren beiden Bistümern“, unterstrich Bischof Dr. Vuillemin. Es gebe keine aufrichtige Freundschaft ohne eine tiefe Haltung der Demut und der Offenheit gegenüber dem anderen. „Diese Demut steht auch im Mittelpunkt der Beziehungen zwischen unseren beiden Bistümern. Hüten wir uns vor politischen Ideologien, die die Geschwisterlichkeit nicht achten und aus denen häufig Stolz, Allmachtsdenken und Arroganz sprechen“, forderte der Bischof von Le Mans.

Wer sich in den Dienst Gottes stelle, mache immer wieder die Erfahrung, einer Sache zu dienen, die weit größer sei als man sich selbst vorstellen könne. „Weil wir durch Christus endgültig gerettet sind, kreist unser Leben nicht mehr um uns selbst, sondern um ihn, der gestorben und auferstanden ist. Wenn er die Mitte unseres Lebens einnimmt, dann deshalb, um es für die Weite seines Reiches zu öffnen“, bekräftigte Bischof Dr. Jean-Pierre Vuillemin zum Abschluss seiner Predigt.

Wie in jedem Jahr bereicherten die Gäste aus dem Bistum Le Mans den Gottesdienst stimmgewaltig mit einem Lied aus ihrer Heimat, das noch mehr Glaubensfreude von der Sarthe an die Pader brachte. Im Chor aus dem Bistum Le Mans wirkten große und kleine, junge und alte Christinnen und Christen mit – auch Bischof Dr. Vuillemin sang auf dem Bischofssitz mit.

Zusammenkunft im Bischofsgarten

In guter Tradition trafen sich die Gäste aus Frankreich, aber auch die deutschen Fraternitäts-Mitglieder nach dem Pontifikalamt im Garten des Bischofshauses. „Wir haben in diesem Jahr besonders viele Gäste aus Le Mans bei uns“, freute sich Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz. „Wir haben gemeinsam die Freude, aber auch die Verantwortung, unsere Freundschaft in die Zukunft zu tragen.“ Bischof Dr. Jean-Pierre Vuillemin lobte die Paderborner Gastgeber auf charmante Weise: „Immer, wenn wir hier sind, haben wir das Gefühl, die wichtigsten Menschen der Welt zu sein.“ Er berichtete, dass der diesjährige Weg nach Paderborn auch über die Wallfahrtsstadt Werl geführt habe, um bei dem Marien-Gnadenbild „Trösterin der Betrübten“ zu beten. „Halten wir einen Moment der Stille für alle Menschen, die den Trost Mariens brauchen“, sagte der Bischof von Le Mans beim Empfang.

Domkapitular Dr. Thomas Witt als Vorsitzender der deutschen Sektion der deutsch-französischen Liborius-Fraternität und Pfarrer Marc Isnard als Leiter der französischen Jugendlichen-Fraternität dankten beiden Bischöfen – „für ihr echtes Interesse an dem Anliegen der Fraternität und für deren Unterstützung“.

 

 

Ein Beitrag von:
Redakteurin Team Presse

Maria Aßhauer

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