Der Kaukenberg in Paderborn gilt oft als ein Problemquartier. Die 9. Sozialkonferenz „Mein Kaukenberg“, zu der über 80 Gäste kamen, zeigte jedoch: Das Viertel hat nicht nur Herausforderungen, sondern auch erstaunlich viel Potenzial. Eingeladen hatte ein Bündnis aus DGB, Katholischer und Evangelischer Kirche sowie der Kommende Dortmund, gemeinsam mit der Stadt Paderborn, der Diakonie Paderborn-Höxter und der Kaukenberg-Gemeinschaft.
Gleich zu Beginn machte Moderatorin Julia Kleinekemper deutlich, wie sich manche Bewohnerinnen und Bewohner fühlen. Eine Anwohnerin habe gesagt: „Man fühlt sich manchmal vergessen, wenn vor der Haustür in Energie investiert wird, aber die Haustür die Grenze ist.“ Ein Satz, der die Stimmung im Quartier gut trifft – und der den Ton der Veranstaltung setzte.
Bürgermeister Strate sucht den direkten Eindruck
Unter den Gästen waren auch Bürgermeister Stefan-Oliver Strate, Beigeordnete Sandra Jürgenhake sowie zahlreiche Mitarbeitende der Stadt. Strate machte deutlich, dass er den Kaukenberg umfassender verstehen wolle: „Ich bin hier, weil ich mehr über den Kaukenberg erfahren möchte.“ Er kündigte an, 2026 gemeinsam mit den Wohlfahrtsverbänden ein neues städtisches Sozialkonzept zu erarbeiten.
Wie wichtig eine solche sozialpolitische Neuausrichtung ist, zeigte der wissenschaftliche Beitrag von Dr. René Lehweß-Litzmann. Er erläuterte aktuelle Erkenntnisse zur Quartiersforschung und warnte vor den Folgen sozialer Isolation: Einsamkeit verstärke politische Ressentiments – ein Thema, das besonders in strukturell benachteiligten Stadtteilen relevant sei.
Auffällige Daten im Kinder- und Jugendbericht
Wie sich diese Entwicklungen konkret in Paderborn zeigen, führte anschließend Prof. Dr. Patrick Isele von der Katholischen Hochschule (KatHo) aus. Laut aktuellem Kinder- und Jugendbericht fühlt sich jedes fünfte Kind bzw. jeder fünfte Jugendliche auf dem Kaukenberg einsam. Zudem besitzen deutlich weniger junge Menschen einen Büchereiausweis als in anderen Stadtteilen. Die Bildungs- und Freizeitangebote erreichen viele junge Menschen dort bislang nicht. Hier betonte die Beigeordnete Sandra Jürgenhake in der abschließenden Podiumsdiskussion die große Bedeutung des Lesens. Gemeinsam mit Kolleginnen wolle sie Wege finden, Kindern und Jugendlichen vom Kaukenberg einen besseren Zugang zur Stadtbücherei zu ermöglichen.