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© Eugene Onischenko / Shutterstock.com
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Titelträume auf dem Rasen, Fürsprecher im Himmel

Deutschland gehört zum Kreis der WM-Favoriten. Doch welche Heiligen stehen den Nationen zur Seite? Wir stellen die Schutzpatrone von Deutschlands Vorrundengegnern und den Titelanwärtern vor - mit einem Augenzwinkern.

Wussten Sie, dass Deutschlands Schutzpatron ein Brite ist? Der heilige Bonifatius (672-754) war als Missionar ganz vorne und trieb den Germanen beim Auswärtsspiel in Fulda schon früh den Mythos von der deutschen Eiche aus – indem er ihr heidnisches Heiligtum, die Donar-Eiche, fällte.

2014 wurde „die Mannschaft“ durch einen Götzen Weltmeister. Seither lief es aber eher mittel. Ob Deutschlands Schutzpatron in diesem Jahr den Weg zum WM-Titel ebnet? Und wie sieht es bei den anderen Nationen und deren Schutzpatronen aus?

Deutschlands Gegner in Gruppe E

Curaçao: Die rund 440 Quadratkilometer kleine Karibikinsel wurde 1499 von den Spaniern entdeckt. Später war sie bis 2010 als Teil der Antillen niederländische Kolonie und wichtiger Handelsplatz der Niederländischen Westindien-Kompanie. Schutzpatronin der Insel ist die heilige Anna, die Mutter Marias; ihr ist auch die Bischofskirche in der Hauptstadt Willemstad geweiht. Deutschlands Vorrundengegner ist WM-Debütant – und muss in Gruppe E wacker schwimmen.

Maria als Hoffnungsträgerin

Ecuador: Die Jungfrau von Quinche, eine Marienstatue in festlichen Gewändern, ist bei der indigenen Bevölkerung seit Jahrhunderten hoch verehrt – und seit der staatlichen Unabhängigkeit Ecuadors vor gut 200 Jahren Beschützerin des Landes. Bei der vierten WM-Teilnahme kann das hilfreich sein – sogar für den 23. der Fifa-Weltrangliste und deutschen Gruppengegner.

Elfenbeinküste: Zwar gibt es keinen offiziellen Schutzpatron für die muslimisch-christlich geteilte Elfenbeinküste, den dritten Gegenspieler Deutschlands in der Vorrunde. Eine zentrale Rolle hat die Gottesmutter Maria, nicht zuletzt durch den gigantischen Nachbau des Petersdoms als Basilika „Unserer Lieben Frau vom Frieden“ in Yamoussoukro. Fußballerisch hat der Afrika-Cup-Sieger von 2024 zuletzt stark nachgelegt. Wenn die „Éléphants“ erst mal ins Trampeln geraten, ist Vorsicht geboten.

WM-Favoriten

Argentinien: Hellblau und weiß – das sind die Trikotfarben der Franziskus-Nation Argentinien, Weltmeister von 1978, 1986 und zuletzt 2022 in Katar. Und es sind auch die Farben der Virgen de Lujan, des wundertätigen Marienbilds aus dem Jahr 1630. Ob am Abend des 19. Juli wieder das ganze Land so wie „Unsere Liebe Frau von Lujan“ einen Strahlenkranz tragen kann?

Brasilien: Braucht die Fußballnation Nummer eins überhaupt eine Schutzpatronin? Wenn ja, ist es „Nossa Senhora Aparecida“, eine wundertätige Marienstatue, die einst von Fischern aus dem Wasser gezogen wurde und für einen fetten Fang sorgte. Allerdings: Ihr Auffindungsdatum – 1717 – könnte für die „Seleção“ auch eine Erinnerung sein an die 1:7-Klatsche gegen Deutschland bei der WM 2014.

 

England: Die Insel-Kicker holten einst ihren Nationalpatron aus der Türkei – Ablösesumme unbekannt. Der heilige Georg von Kappadokien, ermordet um 303 bei der Christenverfolgung unter Diokletian, ist bekannt als tapferer Ritter und Drachentöter. Erklärt sich so, dass die Elf unter dem Georgskreuz niemals kapituliert – außer beim Elfmeterschießen?

Europäische Heilige für europäische Fußballgrößen

Frankreich: Mit einem Ex-Soldaten an der Spitze wird der Weltmeister von 2018 und Vize-Weltmeister von 2022 ganz sicher auch in Nordamerika wieder angreifen: Der heilige Martin, Bischof von Tours (316-397) und gebürtiger Ungar, steht für ein multikulturelles Frankreich. Er hat nur einen schwachen Punkt: Manchmal teilt er mit anderen.

Niederlande: Der heilige Willibrord (um 658-739), „Apostel der Friesen“ und Gründer von Kloster Echternach, war ein angelsächsischer Missionar aus Nordhumbrien (Northumbria). Ausgangspunkt seiner Friesland-Mission war vermutlich Antwerpen. Die „Elftal“ kann einen Schutzheiligen gebrauchen – denn trotz ausgemachter internationaler Klasse konnte sich der Europameister von 1988 und dreifache Vize-Weltmeister zuletzt nicht mehr bei großen Turnieren durchsetzen. Hup, Willibrord!

Einsiedler und Pilger

Portugal: Schutzheiliger des Europameisters von 2016 ist ein bekehrter Millionärssohn, Franziskaner und Fastenprediger: Antonius von Padua (1195-1231), Helfer bei Verlusten. Können die Portugiesen, Sieger der UEFA Nations League 2019 und 2025, mit ihm ihren Status als Fußballmacht der vergangenen Jahre behaupten – oder geht in Amerika alles verloren?

Schweiz: Muss man sich wundern, dass ein Einsiedler die Schweiz beschützt? Nikolaus von Flüe (1417-1487) war ein Visionär, Bauer, Familienmensch. Doch er war zu Höherem berufen – und so machte er seine Berufung zu seinem zweiten Leben: die Verteidigung des Glaubens. So wurde „Bruder Klaus“ zum Vorbild des defensiven „Schweizer Riegels“, der in den 1930er bis 50er Jahren vor allem auf Konter setzte.

Spanien: Für die Spanier ist nur er der „wahre Jakob“: der heilige Jakobus (gestorben um 44). Seit Papst Johannes Paul II. den Jakobsweg 1980 nach Jahrhunderten der Flaute auf Europas Agenda zurückbrachte, führen wieder alle Wege zum Apostelgrab nach „Sant-Iago“. Und mit den Pilgern kamen auch die Fußballtitel zurück: Weltmeister 2010, Europameister 2008, 2012 und 2024.

Ein Text von Alexander Brüggemann (KNA)

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