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© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Die Kinder lieben die Regenbogenfarben

Die Himmelstreppe am Hennedamm in Meschede ist ein Ort von besonderer Spiritualität

Eine spannende Geschichte

Google scheint allwissend zu sein. Zu jedem noch so kuriosen Suchbegriff liefert die Suchmaschine in Millisekunden Hunderte und Tausende Ergebnisse. Damit nicht genug: Die Bildersuche liefert zu allem und jedem die dazugehörigen Abbildungen. Über den Online-Kartendienst Google Maps sind sämtliche Orte der Welt kartiert und erfasst. Doch von einem Heiligenhäuschen bei Medebach weiß der Datenkonzern so gut wie nichts. Irgendwann fand wohl eine Palmprozession zu diesem oder vielleicht auch einem ganz anderen Heiligenhäuschen statt. Die Suchanfrage auf Google Maps ist ebenfalls wenig aufschlussreich. Der Kartendienst zeigt eine Vielzahl von Heiligenhäuschen im Hochsauerland an, aber die gemeinte Privatkapelle an der L 617 am Abzweig nach Oberschledorn ist nicht darunter. Wer Näheres zu dem Gebäude erfahren möchte, muss also nicht Suchmaschinen, sondern die Menschen in Medebach befragen. Die Alteingesessenen können eine spannende Geschichte erzählen.

Heinrich Schäfer machte sein Versprechen wahr

Errichtet wurde das Häuschen von Heinrich Schäfer irgendwann zwischen 1885 und 1895. Das genaue Baujahr ist nicht überliefert, wohl aber der Grund für den Bau. Heinrich Schäfer, der von Beruf Bauer und, wie es der Name nahelegt, auch Schafzüchter war, beschickte den Warburger Pferdemarkt alljährlich mit Mastlämmern. Eines Tages bedrohte auf dem Markt ein streunender Hund die Lämmergruppe. Heinrich Schäfer ergriff einen Stein und warf ihn nach dem Hund, traf aber einen Knaben am Kopf. Alle, die die biblische Geschichte von David und Goliat (1 Sam 17) kennen, können ermessen, welchen Schaden ein von einem Hirten geschleuderter Stein anrichten kann ‒ bei einem gepanzerten Riesen wie Goliat und erst recht bei einem kleinen Kind. Noch während der Junge auf dem Boden lag, schickte Heinrich Schäfer einen Stoßseufzer gen Himmel und gelobte, eine Wegkapelle errichten zu lassen, sollte der Junge ohne bleibenden Schaden davonkommen. So geschah es: Der Knabe zog sich nur leichte Blessuren zu, von denen er sich rasch und vollständig erholte, und Heinrich Schäfer machte sein Versprechen wahr.

Kleines Juwel des Glaubens

Das Heiligenhäuschen ist immer noch im Privateigentum der Familie Schäfer, heute des Urenkels von Heinrich Schäfer. Die Kapelle wird von der Familie, die sich nach wie vor mit der Schafzucht beschäftigt, vorbildlich gepflegt und als kleines Juwel des Glaubens herausgeputzt. Auch trug die Familie die Kosten der Renovierungen aus eigener Tasche.

Ein Kapellenweg von Medebach bis Hallenberg?

„Es gibt in unserer katholisch geprägten Region viele Kapellen und Bildstöcke“, erklärt Dr. Achim Funder, Leiter des Pastoralen Raums Medebach-Hallenberg. „Einige Ehrenamtliche in den Gemeinden spielen deshalb mit dem Gedanken, einen Kapellenweg von Medebach bis Hallenberg einzurichten.“ Ob der Weg je realisiert wird, ist ungewiss. Ebenso wenig ist geklärt, ob das Heiligenhäuschen Station des Weges sein wird. Pfarrer Funder weiß, dass der Urenkel und seine Familie gegen einzelne Gläubige, die an der Kapelle ein Gebet sprechen möchten, nichts einzuwenden haben. „Aber auf Menschenströme ist die Kapelle nicht eingerichtet. Dafür fehlen Zugangswege und Parkplätze“, betont der Pfarrer. Daher trifft es sich gut, dass das Heiligenhäuschen bei Medebach dem internationalen Datenkonzern Google bislang verborgen geblieben ist. Ob nun ausgerechnet dieses Kalenderblatt Menschenmengen anziehen wird? Davon ist nicht auszugehen. Und selbst wenn nun einige Käuferinnen und Käufer des Erzbistumskalenders die Wanderstiefel schnüren und zum Heiligenhäuschen pilgern: Am Ziel wissen sie sich ganz gewiss respektvoll zu benehmen.

Das Kalenderbild

© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

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