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Semesterauftakt an der Theologischen Fakultät Paderborn

Gestaltung theologischer Forschung und Lehre in einer säkularen Gesellschaft im Blickpunkt

Mit einem Gottesdienst und der Akademischen Jahresfeier zu Beginn des Wintersemesters sind Diözesanadministrator Msgr. Dr. Michael Bredeck und die Angehörigen, Mitarbeitenden und Freunde der Theologischen Fakultät Paderborn am Montag, 9. Oktober 2023, traditionell in das neue Studienjahr gestartet. Nach der Messe in der Universitäts- und Marktkirche fand die Akademische Jahresfeier im Audimax der Fakultät statt. Im Rahmen der Jahresfeier wurden die Magister- und Promotionsurkunden verliehen, neue Studierende sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler begrüßt und die Absolventinnen und Absolventen verabschiedet. Außerdem verlieh die Fakultät den Friedrich Spee-Preis für eine herausragende Magisterarbeit. Den Festvortrag hielt Prof. Dr. René Fahr, Vizepräsident der Universität Paderborn.

Msgr. Dr. Michael Bredeck, der im Rahmen seiner Aufgaben als Diözesanadministrator auch die Amtsvertretung des Magnus Cancellarius der Theologischen Fakultät wahrnimmt, setzte sich in seiner Ansprache mit der Frage auseinander, was die Theologie heute als Wissenschaft ausmacht und welche Bedeutung sie in säkularen Wissenschafts- und Bildungskontexten haben kann. Als besondere Aufgabe der Theologie identifizierte er das persönliche Eingebundensein im wissenschaftlichen Erkennen und Handeln und umgekehrt die Untersuchung der Bedeutung des Erkannten und Erfahrenen für das eigene Personsein in der Reflexion eines Begriffs des Glaubens. Theologie könne außerdem kommunikative Brücken zwischen verschiedenen Positionen schlagen, z.B. in den synodalen Aufbrüchen der Kirche oder der polarisierten Gesellschaft. Eine dritte Aufgabe verortete der Diözesanadministrator darin, Personalität und Kommunikation als wissenschaftliche Prinzipien einsichtig zu machen, die bestimmte ethische Konsequenzen fordern. „Wissen und Leben sind nicht zwei voneinander getrennte Bereiche, sondern die Art und Weise, wie wir leben, hat etwas mit der Bestimmung von Wissen und Wissenschaft zu tun,“ betonte Msgr. Bredeck. Den Studierenden und Lehrenden wünschte er einen guten Start in ein erkenntnisreiches Semester, das zu Kommunikation und konkretem Handeln und so zu einer Bereicherung der Gegenwart führe.

Mach Dich auf den Weg zu den Menschen in der säkularen Welt

In seiner Predigt bei der vorausgegangenen Eucharistiefeier in der Universitäts- und Marktkirche setzte Msgr. Bredeck die Worte des Papstes zur Eröffnung der Welt-Bischofssynode mit dem Lesungstext aus dem Buch Jona in Beziehung. Papst Franziskus habe die Vision einer Kirche formuliert, die Barmherzigkeit lebt, geeint und geschwisterlich, die zuhören kann, die in ein echtes Gespräch mit ihren Gläubigen und mit „der Welt“ eintritt, die offene Türen für alle Menschen hat, die die Menschen ermutigt, ihnen hilft, sie auf- und wachrüttelt und die sie befähigt, gemeinsam einen Weg zu gehen, der nach vorne führt ins Unbekannte. In der Lesung fordere Gott auch Jona auf, sich auf den Weg zu machen zu den Menschen in der säkularen Welt, um zuzuhören. Für die Theologische Fakultät Paderborn und die Theologie als Wissenschaft sollte dieser synodale Stil das Leitmotiv sein, formulierte der Diözesanadministrator: „Der Glaube unserer Herkunft hat Zukunft immer nur in der Auseinandersetzung und Integration, Aneignung von Gedanken auch Anderer, bis heute.“

Zu den Ehrengästen gehörten Weihbischof Matthias König, Dompropst Msgr. Joachim Göbel, Domdechant Prälat Alfons Hardt, Regens Msgr. Dr. Michael Menke-Peitzmeyer als Vertreter des Priesterseminars, Prof. Dr. René Fahr, Festredner und als Vizepräsident für Wissens- und Technologietransfer zugleich Vertreter der Universität Paderborn und Professorin Dr. Bergit Peters, Dekanin des Fachbereiches Theologie am Standort Paderborn der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen

Hochschule im Aufbruch

In seinem Bericht zum vergangenen Studienjahr nahm Prof. Dr. Aaron Langenfeld, Rektor der Theologischen Fakultät, die zahlreichen Aufbrüche der Theologischen Fakultät zur Gestaltung theologischer Forschung und Lehre in einer säkularen Gesellschaft in den Blick. Kirchliche Hochschulen, so führte er aus, hätten die Aufgabe, die Sichtbarkeit eines konfessionellen Profils in der politischen und wissenschaftlichen Öffentlichkeit zu gewährleisten, das Studium der Theologie jenseits von universitärer `Verwertungslogik´ zu stärken und die öffentliche Kommunikation und Bildung sowie die multikonfessionelle und interreligiöse Verständigung in der Gesellschaft zu unterstützen. Die Fakultät habe dazu bestehende Lehrkooperationen intensiviert und erweitert, ein internationales Stipendienprogramm zur Promotion neu aufgelegt, die Entwicklung eines Forschungsprofils, das die Schwerpunkte Konfessionalität und Dialog fokussiert, und den Transfer theologischer Forschung in öffentliche und kirchliche Diskurse sowie den Ausbau eines Schulprogramms vorangetrieben.

Der Rektor begrüßte PD. Dr. Christian Stoll, seit dem Sommersemester 2023 designierter Lehrstuhlinhaber für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Theologischen Fakultät Paderborn und kommissarischer Leitender Direktor des Johann-Adam-Möhler-Instituts für Ökumenik, sowie die neuen wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Dr. Martina Aras, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Dogmatik und Dogmengeschichte, Johannes Kalde, M. Ed., Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Kirchengeschichte und Patrologie, Sharon Padilla, M.A., Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Neues Testament, und Dipl.-Theol. Agnes Slunitschek, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Dogmatik und Dogmengeschichte. Den Studierenden, Lehrenden und Mitarbeitenden wünschte er ein spannendes und dynamisches neues Studienjahr.

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Im Rahmen der Akademischen Jahresfeier erhielten insgesamt fünf Absolventinnen und Absolventen ihre Abschlussurkunden. Laura E. Hennecke und Friedrich M. Regener hoben in ihrer Rede als jetzige bzw. ehemalige AStA-Vorsitzende hervor, dass sie als Studierende in der Fakultät nicht nur eine Heimat gefunden hätten, sondern auch in die Gestaltung und Entwicklung der Fakultät mit eingebunden sind und mitgestalten können. „Es ist ein Privileg, hier zu studieren“, formulierte die AStA-Vorsitzende.

Abschlüsse: Namen, Themen, Betreuung

Als Magister Theologie hat abgeschlossen:

Friedrich Maria Regener: „Katholische Theologie im 20. Jahrhundert. Von strikter Formelbindung zu neutestamentlicher Fundierung in einer Phase der Neuorientierung.“ (Prof. Dahlke, Katholische Universität Eichstätt / Prof. Drobner)

Das Doktorat Katholische Theologie erwarben:

Saskia Breuer: „Das Erzählungsprinzip der Wundererzählungen im Markusevangelium. Eine soteriologische Lektüre“ (Prof. Strotmann, Universität Paderborn / Prof. Konkel / Prof. Pellegrini, Universität Vechta)

Lorentius Iswandir: „Mission als Verkündigung des Heils. Der Beitrag der Vinzentiner zur Mission der Kirche in Indonesien“ (Prof. Meyer zu Schlochtern / Prof. Drobner)

Manuel Klashörster: „Die Moderne als legitimes Zeitalter? Zur theologischen Kritik von Charles Taylors Narrativ der Säkularität“ (Prof. Irlenborn / Prof. Schallenberg)

Alexander Sieler: „Christliches Zeugnis im kirchlichen und politischen Raum – ACAT Deutschland von den Anfängen bis in die Gegenwart“ (Prof. Hoffmann, Universität Siegen / Prof. Wilhelms)

Gregor Tuszynski: „Wegmarken des Heils. Die Feier der Sakramente und Sakramentalien in den gedruckten Ritualien des (Erz-)Bistums Paderborn“ (Prof. Wahle / Prof. Kopp, Universität München)

Friedrich Spee-Preis

Die Theologische Fakultät Paderborn verlieh den von der Bank für Kirche und Caritas Paderborn gestifteten Friedrich Spee-Preis für herausragende Abschlussarbeiten an Mag.-Theol. Eva Dreier für ihre Magisterarbeit „Euer Irrtum legt mich fest. Anthropologische und intersektionale Impulse für eine pastorale Praxis der Gegenwart“, die sie im Studienjahr 2022/23 bei Prof. Dr. Herbert Haslinger, Lehrstuhlinhaber für Pastoraltheologie, Homiletik und Religionspädagogik, angefertigt hat. Eva Dreier habe in ihrer Arbeit, so die Jury, mit der Aufarbeitung des Themas Intersektionalität in der deutschsprachigen Theologie eine innovative Leistung erbracht, inhaltliche Eigenständigkeit und außerordentliche theologische Reflexionsfähigkeit bewiesen und thematisch den Anschluss an eine gesellschaftlich breit debattierte Problematik realisiert. Professor Haslinger hob in seiner Laudatio nochmals die Eigenständigkeit, mit der Eva Dreier ihre Arbeit konzipiert und ihr wissenschaftliches Reflektieren dargestellt habe, hervor: „Eva Dreier hat mit ihrer Magisterarbeit einen Beitrag zu einer Grundfrage der Pastoraltheologie: Wie, oder besser: in welcher Haltung ist in der heutigen Zeit pastorale Praxis zu vollziehen, so dass sie sowohl dem Selbstverständnis als auch der Lebenslage des heutigen Menschen gerecht wird, geleistet“. Durch die Rezeption des Theorieansatzes der Intersektionalität wie auch durch dessen Verknüpfung mit einem genuin theologischen Denkansatz, so Professor Haslinger, hat sie einen kreativen, innovativen, so bislang noch nicht gegebenen wissenschaftlichen Beitrag zur Pastoraltheologie und Theologie insgesamt erbracht.“ Der Preis ist für Magisterarbeiten mit 2.500 € dotiert.

Festvortrag des Wirtschaftswissenschaftlers Prof. Dr. René Fahr

In seinem Festvortrag „Die Transformation der Wirtschaft – Die Rolle der Religion“ widmete sich Prof. Dr. René Fahr, Vizepräsident für Wissens- und Technologietransfer der Universität Paderborn und Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insb. Corporate Governance,

den Transformationsprozessen der Unternehmen vor dem Hintergrund der ökologischen Krise. Ähnlich wie die Kirche und die Theologie befänden sich, so Prof. Fahr, auch die Unternehmen in einem Transformationsprozess. Um ihre Existenz zu legitimieren, müssten sie sichtbar machen, wie sie der Gesellschaft nutzen und welchen Beitrag sie für eine bessere Welt leisten. Prof. Dr. Fahr ist gemeinsam mit Prof. Dr. Wilhelms, Lehrstuhlinhaber für Christliche Gesellschaftslehre an der Theologischen Fakultät Paderborn, Initiator der 2013 gestarteten Kooperation Wirtschaftsethik, in deren Rahmen Studierende beider Einrichtungen wirtschaftsethische Vorlesungen besuchen können und alle zwei Jahre das Forum Wirtschaftsethik als öffentliche Podiumsdiskussion zu einem aktuellen Thema stattfindet.

Immatrikulation der neuen Studierenden

Außerdem hieß Rektor Langenfeld die neueingeschriebenen Studierenden an der Theologischen Fakultät Paderborn willkommen. Zurzeit studieren rund 90 Ersthörer (Magister, Lizentiat, Promotion) und rund 900 Zweithörer (Philosophie, Theologie, Wirtschaftswissenschaften) an der Theologischen Fakultät Paderborn.

Die musikalische Gestaltung lag in den Händen der Violinistinnen Marina Behrens und Annika Vogler von der Musikhochschule Detmold. Sie spielten aus dem Duo für zwei Violinen in C-Dur, Op. 23, die Nr. 5; Allegro von Ignaz Pleyel, aus dem Duo für zwei Violinen, Op. 70, die Nr.4; Allegro Vivace von Wolfgang Amadeus Mozart, Bela Bartoks Nr.44 aus 44 Duos für 2 Violinen und Carlos Gardels Tango “Por una cabeza“.

Die Theologische Fakultät Paderborn

Die Theologische Fakultät Paderborn ist eine staatlich anerkannte Hochschule in Trägerschaft des Erzbischöflichen Stuhls Paderborn, gegründet 1614, die mit einem breit gefächerten Lehrangebot in der Theologie und Philosophie eine exzellente Ausbildung im Magisterstudium Theologie sowie ein Promotions- bzw. Lizentiatsstudium bietet. Es bestehen Lehrkooperationen mit dem Institut für Lehrerbildung Essen, der Katholischen Hochschule und der Universität Paderborn (Philosophie, Wirtschaftswissenschaften, Katholische Theologie) sowie diverse Kooperationen mit kirchlichen Einrichtungen. Forschung und Lehre werden von zwölf ordentlichen und zwei außerordentlichen Lehrstühlen realisiert.

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