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© Besim Mazhiqi / ThF-PB
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Semesterauftakt an der Theologischen Fakultät Paderborn

„Es muss mehr Theologie ins System“

Mit einem festlichen Gottesdienst und der traditionellen Akademischen Jahresfeier ist die Theologische Fakultät Paderborn am Montag, 12. Oktober, in das neue Studienjahr gestartet. Neben der feierlichen Immatrikulation der neuen Studierenden und der Verleihung der Abschlussurkunden standen zukunftsweisende Aussagen für den theologischen Standort Paderborn im Mittelpunkt. Magnus Cancellarius Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz und Rektor Prof. Dr. Aaron Langenfeld formulierten klare Visionen für die Relevanz theologischer Wissenschaft in Kirche und Gesellschaft. Weitere Programmpunkte waren die Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Annemarie Pilarski, Lehrstuhlinhaberin für Kirchengeschichte und Patrologie und die Verabschiedung von Hon.-Prof. Dr. Hans-Walter Stork als langjährigem Direktor der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek in den Ruhestand.

Die Feierlichkeiten begannen mit einem Pontifikalamt in der Universitäts- und Marktkirche. Anschließend versammelten sich die Angehörigen, Mitarbeitenden und Studierenden der Fakultät sowie zahlreiche Gäste aus Kirche, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft zur Akademischen Jahresfeier im vollbesetzten Audimax. Musikalisch umrahmt wurde der Festakt von Claus Hütterott und Sebastian Pietsch an den Violoncelli mit Werken von Friedrich August Kummer und Johannes Brahms.

Erzbischof Bentz zum Semesterstart: Mut zur inneren Freiheit im Zeitalter der Algorithmen

Zum Auftakt des neuen Akademischen Jahres an der Theologischen Fakultät Paderborn hatte Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz die Studierenden in seiner Predigt dazu ermutigt, sich nicht auf vorgefertigte Antworten und scheinbare digitale Abkürzungen zu verlassen, sondern echte theologische Urteilskraft und innere Freiheit zu entwickeln. Im Pontifikalamt in der Universitäts- und Marktkirche betonte der Erzbischof, dass Theologie im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz vor allem durch eigenes Lesen, kritisches Unterscheidungsvermögen und bewusste Räume der Stille lebendig bleibe. „Lassen Sie nicht allein die KI für sich recherchieren. Der Grundwasserpegel Ihrer theologischen Kompetenz sinkt, je mehr Sie ‚aus zweiter Hand leben‘ und nur abschreiben, wiederkäuen und Algorithmen für sich denken lassen“, gab Erzbischof Bentz den Studierenden mit auf den Weg. Im Rückgriff auf ein Zitat von Simone de Beauvoir formulierte der Erzbischof, dass Freiheit bedeute, eigene Standpunkte zu entwickeln, das Gegebene zu überschreiten und nicht im bloßen Wiederholen zu verharren.

Mehr Theologie ins System

In seiner Ansprache im Rahmen der Akademischen Jahresfeier forderte Erzbischof Dr. Bentz in seiner Rolle als Magnus Cancellarius der Theologischen Fakultät eine mutige theologische Präsenz ein: „Dabei leitet mich eine Grundüberzeugung: Es muss mehr Theologie ins System. In unserer Gesellschaft braucht es mehr Theologie, in unserer Kirche mehr Theologie und in unseren Entscheidungen, mit denen wir die Zukunft gestalten.“ Theologie an der Theologischen Fakultät dürfe sich weder in einen elfenbeinernen Turm zurückziehen noch in ein weltfremdes „Glasperlenspiel“ verfallen. Sie müsse existenzielle Lebensfragen wie Sinn, Scheitern, Schuld und Endlichkeit aufgreifen, eine verständliche Sprache sprechen und die Transformationsprozesse im Erzbistum Paderborn und der Kirche insgesamt kritisch und eigenständig wissenschaftlich begleiten. In dieser Linie bekräftigte der Erzbischof die Freiheit und Autonomie der wissenschaftlichen Forschung und forderte den Mut zum Widerspruch.

© Besim Mazhiqi / Theologische Fakultät
© Besim Mazhiqi / Theologische Fakultät

Profilschärfung und Vernetzung: Erzbischof sieht Paderborn als zukunftsfähigen Bildungsstandort für Theologie

Der Bildungs- und Wissenschaftsstandort Paderborn soll durch gezielte Kooperationen und Vernetzungen nachhaltig gestärkt werden und an wissenschaftlicher Ausstrahlung gewinnen. Nach den Worten des Erzbischofs geht es bei der Zusammenarbeit zwischen der Universität Paderborn und der Theologischen Fakultät darum, die Lehramtsausbildung nachhaltig auf höchstem wissenschaftlichem Niveau zu sichern, neue Forschungsräume zu eröffnen und für die Studierenden optimale Studienbedingungen über gemeinsame Lehrangebote zu schaffen. Zusätzliche Strahlkraft gewinne der Standort durch die interdisziplinäre Öffnung, insbesondere durch die Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Komparative Theologie und Kulturwissenschaften sowie dem Austausch mit der Philosophie und den Wirtschaftswissenschaften der Universität Paderborn, wodurch die Theologie ihre gesellschaftliche und öffentliche Relevanz festigen könne. Mit dem Transferprozess des Studiengangs „Angewandte Theologie“ an die Fakultät werden künftig theologische Grundlagenforschung und anwendungsbezogene Praxis an einem Ort gebündelt. Daraus erwächst für die Studierenden der wesentliche Vorteil flexibler und durchlässiger Bildungswege, die den eigenen Entwicklungen und Interessen gerecht werden. Auch hier gehe es darum, den neuen Anforderungen der theologischen Ausbildung pastoraler Berufe auf exzellentem wissenschaftlichem Niveau gerecht zu werden und eine gemeinsame Entwicklung des Studiums voranzutreiben. Gleichzeitig werde dieser akademische Austausch durch das gelebte Miteinander auf dem Leocampus vertieft, wo wissenschaftliche Bildung und persönliche Persönlichkeitsentwicklung ineinandergreifen. Schließlich erweitern das Möhler-Institut für Ökumenik, die Profilierung der Kommende Dortmund als Sozialinstitut durch den Aufbau sozialethischer Forschung in enger Kooperation mit der Theologischen Fakultät Paderborn sowie das Albertus-Magnus-Programm mit Stipendien für ausländische Priester das Profil des Standorts weit über die Diözesangrenzen hinaus in ökumenische, gesellschaftspolitische und weltkirchliche Dimensionen.

Erfolgreiches Studienjahr und zukunftsweisende Kooperationen: Theologische Fakultät Paderborn stärkt Profil und Vernetzung

In seinem Rückblick auf das vergangene Studienjahr 2025/26 konnte der bis 2028 wiedergewählte Rektor Prof. Dr. Aaron Langenfeld auf eine rundum erfreuliche Entwicklung der Theologischen Fakultät Paderborn blicken. Besonders hervorzuheben sind die erfreulichen Einschreibezahlen, die im dritten Jahr in Folge mit insgesamt 25 Einschreibungen ein spürbares Plus im Magister- und Promotionsstudium (davon 18 Magister und 7 Promotion) verzeichnen. Rund 500 Zweithörerinnen und Zweithörer aus der Philosophie und den Wirtschaftswissenschaften der Universität Paderborn besuchen die Lehrveranstaltungen an der Fakultät und tragen zu einem anregenden, interdisziplinären Studienumfeld bei. Der im vergangenen Jahr erfolgreich eingeführte Zertifikatskurs „Grundlagen Katholischer Theologie“ für Führungskräfte im Erzbischöflichen Generalvikariat und bei der Caritas verzeichnet mit 26 Anmeldungen für das neue Studienjahr eine mehr als dreifache Nachfrage. Auf reges Interesse stießen auch die theologischen Studientage für pastorales Personal und weitere Zielgruppen. Vielfältige Forschungsinitiativen, renommierte Gastvorträge, die Auszeichnung von Caritaspräsidentin Dr. theol. h.c. Eva-Maria Welskop-Deffaa mit der Ehrendoktorwürde und ein lebendiges Schulprogramm spiegeln die akademische Vitalität wider, während die bevorstehende Integration der Angewandten Theologie von der katho NRW (Standort Paderborn) und die Kooperation mit dem Sozialinstitut Kommende Dortmund und der Kath. St. Paulus Gesellschaft Dortmund den Standort nachhaltig in eine positive Richtung wandeln würden. Mit großer Zuversicht und Dankbarkeit für das gemeinsame Wirken unterstrich Rektor Langenfeld das Potenzial der weiteren Zusammenarbeit:

Der Bildungsstandort Paderborn allgemein und in theologischer Hinsicht im Speziellen besitzt ein einzigartiges Potenzial, das sich in der wachsenden Zusammenarbeit je für sich profilierter Institutionen stärker zu realisieren beginnt.

Rektor Prof. Dr. Aaron Langenfeld

Abschied und Neuanfang

Der Rektor begrüßte Dr. Lukas Wiesenhütter als Vertreter des Lehrstuhls für Fundmentaltheologie und vergleichende Religionswissenschaft für die Zeit des Rektorats von Prof. Dr. Aaron Langenfeld. Erzbischof Dr. Bentz und Prorektor Stephan Wahle verabschiedeten Hon.-Prof. Dr. Hans-Walter Stork, Direktor der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek Paderborn, in den Ruhestand. Sie dankten ihm für seine von großer Sachkenntnis und Umsicht geprägten Leitung und wünschten ihm für seinen Ruhestand Gesundheit und Gottes Segen.

Magister, Promotion und Habilitation im vergangenen Studienjahr

Im Rahmen des Festakts wurden sechs Absolventinnen und Absolventen feierlich geehrt: vier Magister der Katholischen Theologie, eine Promovierte sowie ein Privatdozent, der seine Habilitationsurkunde entgegennahm. Für die Studierendenschaft reflektierte Maximilian Ullmann (AStA) über das, was das Andere, das Besondere am Theologiestudium ist. Man lerne, gewohnte Sichtweisen zu hinterfragen, Widersprüche auszuhalten und sich eine eigene, fundierte Meinung zu bilden, formulierte Maximilian Ullmann. „Das Theologiestudium bildet nicht nur den Verstand, sondern auch die Persönlichkeit und ist damit eine Bereicherung, die weit über den Hörsaal über die Studienzeit hinausreicht“ unterstrich Ullman das Besondere am Theologiestudium und wünschte den neuen Studierenden Mut zum Fragen und regen Austausch untereinander und mit den Lehrenden.

Antrittsvorlesung zum Problem der Übersetzung in der Kirchengeschichte

Prof. Dr. Annemarie Pilarski, seit Januar 2026 o. ö. Professorin für Kirchengeschichte und Patrologie an der Theologischen Fakultät Paderborn, hielt ihre Antrittsvorlesung mit dem Titel „Lost and Found in Translation. Miniaturen zum Problem der Übersetzung in der Kirchengeschichte“. Darin setzte sie sich mit einer kulturtheoretischen Position auseinander, die Übersetzung als Schlüsselkategorie gesellschaftlichen Handelns begreift. In der Gegenwart wie in der Vergangenheit werden Wertvorstellungen, Orientierungen, Denkmuster und soziale Praktiken zwischen unterschiedlichen Kontexten, Gruppen und Akteuren übersetzt. Dabei erfahren die Gegenstände der Übersetzung auch tiefgreifende Transformationen. Dies verdeutlicht sie am Beispiel der Übersetzungsgeschichte des Kreuzessymboles, das als sperriges und widerständiges Symbol in der religiösen Umwelt spätantiker Christ:innen anschlussfähig gemacht werden musste – und dabei teils Relativierungen, teils Politisierungen und Polemisierungen, aber immer auch Wiederentdeckungen seines subversiven Potentials erfuhr. „Die Übersetzungsgeschichte des Kreuzes ist bis heute weder vollständig noch abgeschlossen. Sie verlief auch nie linear: Sinnpotentiale gingen verloren oder traten gegenüber anderen Sinnspitzen in den Hintergrund, konnten aber auch in verschiedenen Kontexten wiederentdeckt und neu zur Geltung gebracht werden.“

Immatrikulation der neuen Studierenden

Im Rahmen der Akademischen Jahresfeier hieß Rektor Langenfeld die neueingeschriebenen Studierenden – 25 Magister- und Promotionsstudierende Katholische Theologie – an der Theologischen Fakultät Paderborn willkommen. Zurzeit studieren 73 Ersthörerinnen und -hörer sowie rund 500 Zweithörerinnen und -hörer an der Theologischen Fakultät Paderborn. Den Studierenden wünschte er anhaltende Begeisterung für das Studium und gute, prägende Erfahrungen.

 

Seien Sie kritisch, fragen Sie nach, stellen Sie sich in die katholische Tradition eines Glaubens, der nach Einsicht sucht. Erforschen Sie den Glauben in seiner Fülle, nicht in der Lücke.

                                                                                                                                                                                  Rektor Prof. Dr. Aaron Langenfeld

Die Theologische Fakultät Paderborn

Die Theologische Fakultät Paderborn ist eine staatlich anerkannte, 1614 gegründete Hochschule in Trägerschaft des Erzbischöflichen Stuhls zu Paderborn, die mit einem breit gefächerten Lehrangebot in der Theologie und Philosophie eine exzellente Ausbildung im Magisterstudium Theologie sowie ein Promotions- bzw. Lizentiatsstudium bietet. Außerdem verantwortet sie den Weiterbildungs-Master Katholische Religionslehre in Kooperation mit dem Institut für Lehrerforschung (IfL). Forschung und Lehre werden von elf ordentlichen und vier außerordentlichen Lehrstühlen realisiert und durch zahlreiche internationale und lokale Kooperationen ergänzt. Im Zentrum des Studiums steht die Frage nach einem zeitgemäßen Verstehen des christlichen Glaubens im Horizont der Vielfalt theologischer Stile und Methoden und deren transdisziplinärer Vermittlung. Einen besonderen Schwerpunkt bildet dabei die Frage nach konfessioneller Identität im Dialog mit den verschiedenen Denominationen und religiösen Traditionen.

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