Im Abendmahlsamt an Gründonnerstag lud der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker im Hohen Dom zu Paderborn ein, sich vom Geheimnis des Leidens, des Tods und der Auferstehung Jesu Christi stärken zu lassen. „Er ist der Friedensfürst in diesen Zeiten des Unfriedens. Er ist unsere Hoffnung in diesen Zeiten der Hoffnungslosigkeit“, betonte der Erzbischof.
Gründonnerstag besage, so der Erzbischof in seiner Predigt, dass der Kreuzestod, den Jesus gestorben sei, im heiligen Mahl gegenwärtig sei und ganz und gar mit dem eigenen Weg der Menschen verschmelze: „Gott stirbt am Kreuz alle Tode mit. Niemals wird vergeblich gelitten und gestorben auf dieser Welt.“ In der Fußwaschung sei die Antwort auf immer wieder gestellte Fragen an das Wirken Gottes zu finden: „Wir denken heute Abend an den Tod und das Leid der Kinder in der Ukraine, das sinnlose Gemetzel in den Kriegen weltweit. Die Älteren quält vielleicht die Erinnerung an die Schrecken des Zweiten Weltkrieges. Und dann: ‘Wir preisen deinen Tod‘? Verantwortet Gott selber die Qual seiner Kinder, dieses entsetzliche Sterben? Oder schaut er ihm am Ende ohnmächtig zu?“
Fußwaschung zentraler Punkt des Evangeliums
Die Fußwaschung, die im Johannesevangelium (Joh 13,1-15) überliefert werde, sei an Gründonnerstag ein zentraler Punkt des „letzten Abendmahls“. „Bei der Fußwaschung geht es um das, was Jesus für uns ist, ein Gott in Sklavengestalt, der für uns in den Tod geht: ‚Er legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch‘“, sagte Erzbischof Becker in seiner Predigt. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde auf den prägenden traditionellen Ritus der Fußwaschung im Hohen Dom auch in diesem Jahr wieder verzichtet.
Kreuze mehr als Kunstgegenstände
Kreuze seien in der heutigen Welt zu wertvollen Kunstgegenständen oder banalen Alltagsgegenständen geworden, die nach ästhetischer Schönheit bewertet würden. Doch es ginge um mehr, so Erzbischof Becker: „Es geht bei der ‚Schönheit des Kreuzes‘ um das, was mich anrührt, was mich im Innersten erschüttert, um die Schönheit, die wir heute Abend und in den nächsten Tagen feiern. Diese ‚Schönheit des Kreuzes‘ leuchtet erst auf in der Hoffnung auf Ostern, in der Hoffnung auf Auferstehung.“