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© Caritas in NRW / Andreas Oertzen
© Caritas in NRW / Andreas Oertzen

Rikscha und Kicker statt Podium

Freie Wohlfahrtspflege NRW bringt Landtagskandidaten und Jugendliche kreativ miteinander ins Gespräch

Anja Butschkau (SPD) liess sich mit Alex von Pfarrer Stefan Tausch in der Rikscha fahren, Jens Kamieth (CDU) und Volker Baran (SPD) traten am Kicker gegeneinander an. Wobei die Konzentration der beiden Landtagskandidatinnen und -kandidaten ein bisschen unter den unter den Gesprächen mit ihren jugendlichen Mitspielern litt. Kreative Wege ging die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege NRW (LAG) vor der Wahl, um im Bernhard-März-Haus des Caritasverbandes Dortmund Politiker und junge Erwachsene zum Thema „Jugend braucht Chancen“ miteinander ins Gespräch zu bringen. Ein gelungenes Experiment im Vergleich zu den üblichen Podiumsveranstaltungen, so fasste es Ulrich Reuter (FDP) für alle teilnehmenden Kandidatinnen und Kandidaten zusammen: „Zehn Minuten Gespräch hier waren viel gewinnbringender, hier sind wir nah an den Menschen.“

Digitales und Bildung im Fokus der Jugend

Insgesamt ging es natürlich um die Frage, „welche Perspektiven braucht die Jugend und welche Politik ermöglicht Chancen“, wie es der Paderborner Diözesan-Caritasdirektor Josef Lüttig, Vorsitzender des LAG-Ausschusses Arbeit/Arbeitslosigkeit, zu Beginn sagte. In einer Reihe von Veranstaltungen zur Wahl der Freien Wohlfahrtspflege NRW hatte die Caritas das Thema Jugend übernommen. Die hier wichtigen Aspekte sprach Lüttig gleich an mit digitaler Teilhabe und dem Übergang von der Schule in den Beruf.

Dazu waren die Folgen der Corona-Pandemie immer wieder Thema. Wolfgang Jörg (SPD), der das Format „cool“ fand, benannte die Corona-Folgen als „größte Baustelle“ der Politik. Jugendliche müssten wieder normal leben und Spaß haben können, um aus „guter Laune heraus motiviert zu sein, sich einen Beruf zu suchen.“

Schule als großer Streitpunkt der Parteien

Alle Landtagskandidatinnen und -kandidaten waren sich einig, dass sie dazu die Chance bekommen müssen. Im Wie und ob es sie tatsächlich für alle gibt, zeigten sich die politischen Differenzen. Während Nils Mehrer (FDP) die derzeitige Landesregierung mit 60 Talentschulen auf gutem Wege sieht und als Ziel für mehr Chancengerechtigkeit tausend Talentschulen ankündigte, hält Petra Backhoff (Bündnis90/Die Grünen) „Schule für den Ort der Bildungsungerechtigkeit schlechthin“. Viel zu früh werde hier ausgesiebt. Im Grunde beginne die Ungerechtigkeit schon mit dem Tag der Geburt. Volker Baran (SPD) unterstützte die Kritik: „Jede Schule muss Talentschule sein“. Er forderte eine Begleitung der Ausbildung für alle Jugendlichen, noch besser wären Bildungslotsen schon ab der Kita. Auch Schulleitungen in Talentschulen klagten über Probleme, erklärte Gönül Eglence (Bündnis 90/Die Grünen). Letztlich brauche es mehr Pädagoginnen und Pädagogen. Notwendig ist dazu nach Auffassung von Katrin Lögering (Bündnis 90/Die Grünen) nicht zuletzt eine gleiche Bezahlung der Lehrkräfte in Grund- und weiterführenden Schulen und die Öffnung für Quereinsteigende.

Wie Anja Butschkau (SPD) forderten mehrere Kandidierende, dass jeder Jugendliche, auch wenn er keinen Schulabschluss habe, eine Chance auf eine Ausbildung oder zumindest Beschäftigung bekommen muss. Josef Lüttig hatte einleitend schon darauf hingewiesen, dass es dafür gute Projekte gebe. „Die dürfen nicht enden mit einer neuen Landesregierung“, mahnte er.

Vielfalt und Zusammenhalt

Dass es diese Fragen sind, die die jungen Erwachsenen umtreiben, erlebten die Landtagskandidatinnen und -kandidaten hautnah. Jens Kamieth (CDU) fand es wichtig und gewinnbringend, „dass man mal eine andere Rolle annehmen muss.“ Vielfalt und Zusammenhalt seien wichtig in der Gesellschaft. Das Stichwort konnte Moderatorin Giulia Maira vom Diözesan-Caritasverband Paderborn direkt aufgreifen, um die Landtagskandidierenden mit „Vielfalt-Socken“ und die Jugendlichen mit Kinogutscheinen zu verabschieden.

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