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Polarisierung entgegenwirken

Migration und Integration sind Themen des Sozialwissenschaftlichen Arbeitskreises der Kommende Dortmund / Herbsttagung mit Diözesanadministrator Dr. Michael Bredeck in Paderborn

Die gesellschaftlichen Herausforderungen von Migration und Integration standen im Mittelpunkt der Herbsttagung 2023 des Sozialwissenschaftlichen Arbeitskreises der Kommende Dortmund. Die teilnehmenden Wissenschaftler aus Theologie, Sozialethik, Soziologie, Politik, Ökonomie, Gesundheitswissenschaften und Recht waren sich einig: Es brauche mehr politischen und gesellschaftlichen Einsatz, um der Polarisierung in der Gesellschaft entgegenzuwirken und die Demokratie angesichts der aktuellen Krisen zu festigen. Zur Akzeptanz des ökologischen Umbaus müssen die sozialen Folgen in einer begleitenden „Klima-Sozialpolitik“ stärker beachtet werden. Der interdisziplinäre Sozialwissenschaftliche Arbeitskreis berät die Leitung des Erzbistums Paderborn in aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen. Er wird geleitet von Monsignore Professor Dr. Peter Schallenberg. Diözesanadministrator Monsignore Dr. Michael Bredeck nahm als aktueller Leiter des Erzbistums Paderborn teil.

Im einleitenden Impuls berichtete Domkapitular Theo Paul, ehemaliger Generalvikar des Bischofs des Bistums Osnabrück, von Erfahrungen mit dem Einsatz ausländischer Ärzte und Pflegekräfte in Krankenhaus. Theo Paul war bis 2021 lange Jahre Vorstandsvorsitzender des Katholischen Krankenhausverbandes Deutschland. Der ehemalige Generalvikar betonte, das deutsche Gesundheitssystem sei auf ausländische Fachkräfte angewiesen. Die Offenheit gegenüber diesen Personen sei daher eine wichtige Grundhaltung. Es brauche eine Willkommenskultur, Qualifikationsprogramme und transparente arbeitsrechtliche und tarifliche Standards für ausländische Fachkräfte. Dazu gehören auch „partnerschaftliche Anwerbeabkommen auf Augenhöhe“, damit der Einsatz von Fachkräften nicht zu Lasten der Herkunftsländer geschehe. Domkapitular Paul verwies zu diesen Ansprüchen auf erfolgreiche Projekte der Caritas Paderborn und des Bistums Osnabrück.

Klimawandel und Fluchtbewegungen

Wenig beachtet ist der starke Anstieg der Migrationszahlen aufgrund der Folgen des Klimawandels. Die stellvertretende Vorsitzende des Sachverständigenrates Integration und Migration, Professorin Dr. Birgit Leyendecker von der Ruhr Universität Bochum, wies in ihrem Vortrag daraufhin, dass die internationalen Regelungen der Flüchtlingsrechte hier nur bedingt greifen. Sie stellte die Vorschläge im Jahresgutachten 2023 des Sachverständigenrates abgestufter Aufenthaltsrechte bei klimawandelbedingter Migration vor. Die Ausgestaltung von entsprechenden „Klimapässen“ sei komplex. Zu beachten sei das Recht, (in der Heimat) zu bleiben. Dies erfordere schnelle Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel in den Ländern des Südens.

Politische Offenheit gegenüber Fremden

Zum Thema Gefahr einer Polarisierung und Spaltung der Gesellschaft informierte Professor Dr. Mitja Back von der Universität Münster. Er präsentierte Ergebnisse einer europäischen Bevölkerungsbefragung des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ der Universität Münster zu identitätspolitischen Einstellungen. Die Studie weist erstmals empirisch die Spaltung europäischer Gesellschaften nach. Demnach teilt sich ein erheblicher Teil der Bevölkerung in „Verteidiger“ mit einem engen nationalen Identitätskonzept, Ängsten vor kulturell Fremden und autoritär-populistischen Haltungen einerseits. Auf der anderen Seite stehen „Entdecker“ mit offenen nationalen Identitäten und geringen Befürchtungen vor Fremden. Hinter diesen Haltungen stehen legitime Bedürfnisse nach Sicherheit und Veränderung, erklärte der Experte. Um die Spaltung der Gesellschaft und Gefährdung der Demokratie zu verhindern, müssten diese Bedürfnisse anerkannt werden. Gefordert seien die politische Offenheit gegenüber anderen Weltanschauungen, die Zusammenarbeit über gesellschaftliche Lager hinweg und die überzeugende Kommunikation positiver Ideen einer gemeinsamen Zukunft.

Klimasozialpolitik

Eine fehlende gesellschaftliche „Positiverzählung“ zur (ökologischen) Zukunft macht Professor Dr. Berthold Vogel von der Universität Göttingen aus. In seinem Vortrag zu einer wünschenswerten „Klimasozialpolitik“ verwies er auf die Diskrepanz zwischen der mittlerweile breiten Zustimmung (80 % der Bevölkerung) zum klimaneutralen Umbau und der konkreten Umsetzung. Es brauche eine „positive gesellschaftspolitische Fortschrittserzählung“. Zur Akzeptanz des gesellschaftlichen Umbaus müssen den Ängsten individueller Verluste der Gewinn durch die gesellschaftliche Wohlstandssicherung gegenübergestellt werden. Notwendig sei es, den Konflikt zwischen Ökologie und Soziales durch eine Verknüpfung der Klimapolitik mit sozialstaatlichen Anliegen zu überwinden. Eine solche soziale Infrastrukturpolitik sei für die Bewältigung der ökologischen Krisen dringlich. Sie müsse an den Lebenswirklichkeiten der Menschen ansetzen und vor Ort erfahrbar sein. Bislang gäbe es noch zu wenig Forschung dazu.

Sozialwissenschaftlicher Arbeitskreis

Der Sozialwissenschaftliche Arbeitskreis der Kommende Dortmund wurde 1984 auf Initiative des damaligen Kommende-Direktors Dr. Reinhard Marx gegründet. Er tagt zweimal jährlich auf Einladung des Erzbischofs von Paderborn. Dem interdisziplinären Arbeitskreis gehören Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Theologie, Sozialethik, Soziologie, Politik, Ökonomie, Gesundheitswissenschaften und Recht an.

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