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© Besim Mazhiqi
© Besim Mazhiqi

„Ohne Gott führt es in die Katastrophe“

Im Interview mit dem "bonifatiusblatt" – Magazin des Bonifatiuswerkes – spricht der Künstler Wolfgang Krebs über den Glauben und seine Beziehung zur katholischen Kirche.

Der Kabarettist und Schriftsteller Wolfgang Krebs (59) ist bekannt für seine Parodien auf die CSU-Granden Edmund Stoiber und Markus Söder. Mitte der 1990er-Jahre erklärte er seinen Austritt. 30 Jahre später dann die Kehrtwende. Hartmut Salzmann stellte die Fragen.

Redaktion

Herr Krebs, eine Zeitreise in Ihre Kindheit: Der kleine Wolfgang ist Messdiener. Den Ministrantenrock trägt er ebenso gerne wie seine Lederhose. Der Geruch von Weihrauch ist ihm vertraut. Ist das zu viel Klischee? Oder haben Sie die katholische Kirche als Kind ungefähr so erlebt?

Wolfgang Krebs

Ich erinnere mich an tolle Gottesdienste in unserer Sankt-Martins-Kirche – eine gotische Kirche aus 13. Jahrhundert. Viele meiner Schulfreunde waren wie ich Ministrant. Es gab Wallfahrten, Zeltlager, wir haben als Vorbereitung für den Gottesdienst etwas gebastelt. Es war eine wunderbare Gemeinschaft, die mich geprägt hat. Es herrschte ein sehr respektvoller Umgang mit den geistlichen Würdenträgern. Wir haben immer was von ihnen gelernt. Ja, ich würde sagen, dass ich eine schöne, behütete Kindheit hatte.

Redaktion

Mitte der 1990er-Jahre sind Sie dann aus der Kirche ausgetreten. Wie war das Gefühl direkt danach?

Krebs

Ein total gemischtes Gefühl. Einerseits spürte ich eine Erleichterung, weil ich damals dem Irrglauben unterlag, mit dem Austritt sei meine erste Ehe faktisch aufgelöst. Andererseits war mir schon bald klar, dass ich die Gemeinschaft verlassen und die Gemeinschaft verloren hatte. Von da an waren alle Gottesdienstbesuche für mich schwierig, weil ich ja wusste, ich gehöre eigentlich nicht mehr dazu.

Redaktion

Den Glauben haben Sie sicher nicht abgelegt. Fühlten Sie sich nach dem Austritt eher wie ein „passives Mitglied“?

Krebs

Ich war irgendwie beides – passives und aktives Mitglied. Ich habe immer gesagt, ich bin ein gläubiger Mensch. Für mich ist Jesus das Höchste. Das war immer meine Ausrichtung. Am Anfang nach dem Austritt war es gar nicht so schlimm, nicht mehr dabei zu sein. Später dann schon. Denn es macht einen großen Unterschied, ob du dir selbst deinen Reim auf den Glauben machst oder ob du in einem Sonntagsgottesdienst einen Impuls bekommst.

Zur Person

Wolfgang Krebs (59) ist Kabarettist und Schriftsteller. Er gastiert regelmäßig in verschiedenen Satire-Sendungen – u. a. im Bayerischen Rundfunk. Der Künstler wurde in Seefeld (Landkreis Starnberg) geboren. Er ist in zweiter Ehe verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne. Mitte der 1990er-Jahre trat der tiefgläubige Christ aus persönlichen Gründen aus der Kirche aus. Vor drei Jahren fand Wolfgang Krebs den Weg zurück in die katholische Kirche.

Redaktion

Hatten Sie Sehnsucht nach der Gemeinschaft der katholischen Kirche?

Krebs

Ich habe viele, viele Jahre damit gehadert, nicht mehr zur Gemeinschaft zu gehören. Ich stand abseits. Und gleichzeitig hat mich alles rund um die Kirche weiterhin interessiert. Nur ein Beispiel: Ich habe mir damals die Beerdigung von Papst Johannes Paul II. live angesehen. Für uns, die wir in den 1980er-Jahren groß geworden sind, war er ein Held. Er hat uns die Annäherung an den Osten geschenkt und auch die Aussöhnung begleitet.

Redaktion

Nach fast 30 Jahren haben Sie den Weg zurückgefunden. Wer oder was war denn ausschlaggebend für Ihren Wiedereintritt?

Krebs

Ich habe zufällig Pfarrer Josef Fegg aus Rottenbuch beim Oktoberfest in München getroffen. Wir hatten ein wahnsinnig lustiges Gespräch, bierselig natürlich. Er hat Verständnis für meine Situation gezeigt. Ich wusste, den schickt der Himmel. Und dann haben wir sehr intensiv gesprochen. Später gab es noch einen Initiationsritus. Ich war zufällig in Rom, als der verstorbene Papst Benedikt XVI. aufgebahrt wurde. Jener Pfarrer Josef sorgte dafür, dass ich über einen Seiteneingang an der Warteschlange vorbei zum Aufbewahrungsort kam. Dann stand ich plötzlich vor dem Heiligen Vater und durfte dort lange beten. Ich dachte: Wenn die Kirche jetzt ihre Arme so weit ausbreitet, dann ist das ein Zeichen.

Redaktion

Warum musste es die katholische Kirche sein, warum nicht die evangelische oder eine freikirchliche Gemeinschaft?

Krebs

Ich habe alles versucht. Von esoterischen Ideen bis hin zu den Altkatholiken. Evangelisch war immer mal so ein Thema. Aber ich habe meine Heimat in der katholischen Kirche. Das hängt sicher auch mit den vielen schönen Ritualen zusammen – das geht schon beim Weihrauch los.

Ich habe zufällig Pfarrer Josef Fegg aus Rottenbuch beim Oktoberfest in München getroffen. Wir hatten ein wahnsinnig lustiges Gespräch, bierselig natürlich. Er hat Verständnis für meine Situation gezeigt. Ich wusste, den schickt der Himmel. Und dann haben wir sehr intensiv gesprochen.

Wolfgang Krebs
Redaktion

Sie sind trotz des Missbrauchskomplexes wieder eingetreten. Nicht jeder versteht das…

Krebs

… Fakt ist, dass Furchtbares passiert ist. Aber die katholische Kirche hat einen Prozess angestoßen, in dem es um Aufarbeitung, um Sühne und um Verzeihung geht. Ich betrachte das mit großem Wohlwollen. Die Kirche kann bei der Aufarbeitung auch ein Vorbild für andere Organisationen und gesellschaftliche Bereiche sein. Kirche ist nicht nur Missbrauch, Kirche ist auch Seelsorge. Kirche hilft jeden Tag drogensüchtigen Frauen und Männern, Kirche hilft in den Frauenhäusern, hilft in den Krankenhäusern. Das ist gelebte Barmherzigkeit.

Redaktion

Warum braucht die Welt den Glauben?

Krebs

Ich kann das theologisch nur laienhaft beantworten: Wenn eine Gesellschaft ohne Gott, ohne Achtung vor der Würde des Menschen agiert, führt es in die Katastrophe. Wir müssen uns auf unsere christlichen Werte besinnen. Wir müssen uns daran erinnern, dass wir nicht allein auf der Welt sind und nicht das Recht des Stärkeren oder des Lauteren gilt. Da kann uns der Glaube Orientierung geben.

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