logocontainer-upper
logocontainer-lower

Natürlich kühl: Kirchen bieten Raum zum Durchatmen

Erste Messreihe im Erzbistum Paderborn zeigt: Kirchen bleiben an heißen Sommertagen bemerkenswert konstant temperiert – und bieten Raum zum Durchatmen

Wer an einem heißen Sommertag eine Kirche betritt, stellt oft schon nach wenigen Schritten einen Unterschied fest: Die Luft fühlt sich anders an. Es ist angenehm temperiert und ruhiger. Für einen Moment bleibt die Sommerhitze draußen. Was viele Menschen aus eigener Erfahrung kennen, lässt sich nun erstmals auch mit Messdaten aus dem Erzbistum Paderborn belegen.

Im Zeitraum vom 18. Juni bis 10. Juli 2026 hat das Klimaschutzmanagement des Erzbistums in einer ersten Messreihe die Temperaturen in 45 Kirchen untersucht. Dabei erfassten identische Temperatursensoren sowohl die Temperatur im Kirchenraum auf Höhe einer Kirchenbank als auch die jeweilige Außentemperatur. Für die Auswertung wurden die Stundenwerte aller 45 Kirchen miteinander gemittelt und anschließend gegenübergestellt.

Kirchen als natürliche Temperaturpuffer

Die Ergebnisse zeigen deutlich: Kirchengebäude wirken als natürliche Temperaturpuffer. Während die Außentemperaturen im Tagesverlauf durchschnittlich von rund 19 °C auf fast 28 °C anstiegen und anschließend wieder sanken, blieb die Temperatur im Inneren der Kirchen nahezu konstant. Über den gesamten Tag veränderte sie sich im Mittel lediglich um rund 0,6 °C.

Besonders deutlich wird dieser Effekt während der heißesten Stunden des Tages. Zwischen 12 und 18 Uhr lag die durchschnittliche Temperatur in den Kirchen bei 22,3 °C, während es draußen im Mittel 27,4 °C heiß war. Damit waren die Kirchen in dieser Zeit durchschnittlich 5,1 °C kühler als ihre Umgebung. Der größte gemessene Temperaturunterschied betrug 5,5 °C.

In den frühen Morgenstunden lagen die Temperaturen in den Kirchen teilweise leicht über den Außentemperaturen. „Das ist ein typischer Effekt der massiven Bauweise“, erläutert Michael Peine, Klimaschutzmanager des Erzbistums Paderborn. „Dicke Außenwände, große Raumvolumina und die hohe Speichermasse der Gebäude führen dazu, dass Wärme nur langsam aufgenommen und ebenso langsam wieder abgegeben wird.“ Dadurch reagieren Kirchen wesentlich träger auf Temperaturveränderungen als ihre Umgebung. Gerade an heißen Sommertagen entsteht so ein angenehm stabiles Raumklima, ohne dass eine zusätzliche technische Kühlung nötig ist.“

Türen schließen, damit die angenehme Temperatur erhalten bleibt

Wer an heißen Tagen eine Kirche besucht, kann selbst dazu beitragen, dass das natürliche Raumklima möglichst lange erhalten bleibt. „Damit möglichst wenig warme und feuchte Außenluft in das Gebäude gelangt, sollten die Außentüren nach dem Betreten oder Verlassen, soweit es die jeweilige Kirche zulässt, immer wieder geschlossen werden“, empfiehlt der Klimaschutzmanager. „So bleibt die angenehme Temperatur im Inneren möglichst lange erhalten.“

Die Kirchen im Erzbistum Paderborn sind vielerorts in der Regel tagsüber geöffnet und für alle Menschen zugänglich. Um sich vor Vandalismus zu schützen, kann es an manchen Orten allerdings eine Zugangsbeschränkung zum Hauptraum geben. Dennoch bleibt dann der Eintritt während der Öffnungszeiten meist möglich, um wenigstens in den Vorräumen beten, innehalten oder einfach eine kurze Pause von der Sommerhitze machen zu können.

Offene Kirchen sind offene Orte für alle Menschen

Angesichts zunehmender Hitzeperioden wird bundesweit darüber diskutiert, welche öffentlich zugänglichen Gebäude Menschen während extremer Temperaturen als Aufenthaltsorte nutzen können. Neben Bibliotheken, Museen und anderen öffentlichen Einrichtungen können vielerorts auch Kirchen einen wertvollen Beitrag leisten. Sie liegen zentral in Städten und Dörfern, sind häufig tagsüber geöffnet und laden Menschen unabhängig von ihrer Herkunft oder Religionszugehörigkeit zum Verweilen ein.

Für Dompropst Msgr. Joachim Göbel gehört genau das zum Wesen einer Kirche. „Kirchen wurden gebaut, damit Menschen Gott begegnen können. Dazu gehört seit jeher auch, dass sie Schutz, Ruhe und Orientierung bieten. Wer an einem heißen Sommertag beispielsweise den Paderborner Dom betritt, erlebt zunächst die angenehme Temperatur. Oft entdeckt er oder sie zugleich einen Ort der Stille, der inneren Einkehr und des Gebets.“

Der Dompropst betont zugleich die Offenheit des Hohen Domes: „Der Paderborner Dom steht allen Menschen offen, unabhängig davon, ob sie zum Gottesdienst kommen, eine Kerze entzünden, als Touristinnen und Touristen unterwegs sind oder einfach einen ruhigen Ort suchen. Diese Offenheit gehört unserem Selbstverständnis.“

Alte Baukunst heute aktueller denn je

Die Messungen zeigen für den Klimaschutzmanager Michael Peine noch etwas anderes: „Unsere Kirchen wurden selbstverständlich nicht als Aufenthaltsorte für Hitzewellen geplant. Doch ihre Bauweise bringt Eigenschaften mit sich, die angesichts zunehmender Hitze heute einen zusätzlichen gesellschaftlichen Nutzen entfalten können. Dass diese Wirkung ohne zusätzliche technische Kühlung entsteht, zeigt die beeindruckenden Qualitäten traditioneller Bauweisen. Gerade in einer Zeit, in der über Klimaanpassung und nachhaltiges Bauen intensiv diskutiert wird, lohnt sich deshalb auch ein neuer Blick auf die Qualitäten historischer Gebäude“

Erste Messreihe der KlimaApp des Klimaschutzmanagements im Erzbistum Paderborn

  • Messzeitraum: 18. Juni bis 10. Juli 2026
  • Messverfahren: Stundenwerte identischer Temperaturfühler im Kirchenraum (Bankbereich) und im Außenbereich; Mittelwert aus 45 Kirchen.
  • 45 Kirchen untersucht
  • Vergleich identischer Temperatursensoren im Kirchenraum und im Freien
  • Durchschnittstemperatur innen: 22,1 °C
  • Durchschnittstemperatur außen: 23,8 °C
  • Temperaturänderung im Kirchenraum über den gesamten Tag: nur rund 0,6 °C
  • Zwischen 12 und 18 Uhr waren die Kirchen im Durchschnitt 5,1 °C kühler als draußen
  • Größter gemessener Temperaturunterschied: 5,5 °C
  • In 15 von 24 Stunden war es im Kirchenraum kühler als im Freien.

Weitere Einträge

© vulcano / Shutterstock.com

Unsere Nachrichten Pfarrer Paul Kathke verstorben

Das Erzbistum Paderborn trauert um Pfarrer i. R. Paul Kathke, Päpstlicher Ehrenprälat. Er starb am Dienstag, dem 14. Juli 2026.
© Tanja Münnich

Unsere Nachrichten Ein Ort, an dem Wege sich kreuzen

Jugendspirituelles Zentrum #KOMPASS im Haus am Eulenspiegel eröffnet
© Beseler / Pastoraler Raum Wünneberg-Lichtenau

Unsere Nachrichten 7. Kleinenberger Mysterienspiele laden zu einer besonderen Glaubens- und Theatererfahrung ein

Am 11. und 12. September 2026 wird das Leben der Gottesmutter Maria an acht Stationen lebendig. Kartenverkauf ist gestartet - auch online.
Kontakt
| |
generalvikariat@erzbistum-paderborn.de
+49 (0)5251 125-0