Der Hohe Dom zu Paderborn als Ort der Einkehr und Gegenwart, der Besinnung und Anbetung: Am Beginn des neuen Kirchenjahres, am ersten Advent, wird in der Bischofskirche die „Ewige Anbetung“ bistumsweit eröffnet. Erzbischof Hans-Josef Becker feiert in diesem Jahr dazu am Samstagabend, 30. November 2019, um 18 Uhr ein festliches Pontifikalamt, es folgen Gottesdienste, Betstunden und Zeiten der Anbetung. Das Paderborner Metropolitankapitel lädt zur Mitfeier der Gottesdienste und zum Mitbeten im Hohen Dom ein. Dazu ist das Gotteshaus die ganze Nacht über geöffnet.
Nacht des offenen Domes
Schätze der (Gebets-)Tradition
„Glücklicherweise entdecken viele Christen wieder neu den Wert der Stille und erfahren, dass Zeiten des Gebetes eine heilsame Unterbrechung des hektischen Alltags schenken können“, schreibt Dompastor Dr. Nils Petrat im Namen des Metropolitankapitels in seiner Einladung zur Teilnahme an der „Ewigen Anbetung“ im Hohen Dom zu Paderborn am ersten Advent. In der christlichen (Gebets-)Tradition gebe es viele wertvolle Schätze: „Christliches Beten möchte von der Unruhe des Geistes in die Ruhe des Herzens, aus der Zerstreuung in achtsames Wahrnehmen, von vielen Worten zum erfüllten Schweigen in der Gegenwart Gottes führen“, so der Theologe.
Aktualität des „Ewigen Gebetes“
Der alte Gedanke der „Ewigen Anbetung“ sei aktuell, betont Dompastor Dr. Petrat: „In bewussten Stunden des Gebets und der Stille vor dem Allerheiligsten können wir eine innere Haltung einüben, die auch den Alltag verwandeln kann, weil wir uns des Segens und der Gegenwart Christi in unserem Leben neu vergewissern können.“
Eröffnung und Nacht
Zu Beginn der „Ewigen Anbetung“ im Erzbistum Paderborn feiert Erzbischof Hans-Josef Becker am Vorabend des ersten Advents, Samstag, 30. November 2019, um 18 Uhr ein Pontifikalamt im Hohen Dom. Daran schließt sich eine Zeit der Anbetung an, die durch meditative Musik, einige Texte, Lobpreis und Stille gestaltet wird. Dabei ist es den Besuchern möglich, vor dem Allerheiligsten zu verweilen, eine Kerze zu entzünden und Gebetsanliegen niederzulegen. Um 23.30 Uhr wird die Komplet gebetet. Es folgt eine stille nächtliche Gebetswache von Mitternacht bis 7 Uhr am Sonntagmorgen, 1. Dezember 2019. Im Hinblick auf die nächtliche Gebetswache teilt Dompastor Dr. Petrat mit, dass „gerade dieses stille Gebet im nächtlichen Dom etwas ganz Besonderes sei“.
Betstunden: Anliegen und Gruppen
Am Sonntagmorgen, 1. Dezember 2019, werden um 7 Uhr, 8 Uhr, 10 Uhr und 11.45 Uhr die Sonntagsmessen im Hohen Dom gefeiert. Anschließend wird das Allerheiligste zu gestalteten Betstunden ausgesetzt: Begonnen wird mit einer Betstunde für die Verstorbenen um 13 Uhr. Es folgen Betstunden, die von Geistlichen Gemeinschaften (14 Uhr) und der Paderborner Pfarrei St. Liborius (15 Uhr) vorbereitet und gestaltet werden. Es folgt eine Betstunde für die Ordensleute um 16 Uhr. Die „Ewige Anbetung“ im Hohen Dom endet mit einem feierlichen Abschluss um 17 Uhr.
Hintergrund: Ewige Anbetung
Über das ganze Kirchenjahr hinweg werden mit der „Ewigen Anbetung“ die Anliegen der Kirche, des Erzbistums Paderborn und der Gemeinden in einer Gebetskette in die Pfarreien und Klöster der Erzdiözese Paderborn getragen. Die „Ewige Anbetung“ geht im Erzbistum Paderborn auf Bischof Konrad Martin zurück, der sie zum ersten Advent 1857 einführte. In seinem damaligen Hirtenschreiben heißt es: „Vom ersten Advents-Sonntage an soll die ewige Anbetung ununterbrochen bei Tag und bei Nacht in Unserer Diöcese fortdauern, dergestalt, daß immer die eine Kirche oder Gemeinde die andere in der Anbetung des Allerheiligsten ablöse in der von Uns festgesetzten Reihenfolge und nach dem einer jeden Kirche und Gemeinde zugemessenen Zeitmaße.“
Heute wird die „Ewige Anbetung“ im Erzbistum im Sinne einer „täglichen Anbetung“ begangen. Das Erzbistum Paderborn folgt damit der Weisung des Apostels Paulus, der die Thessalonicher in einem Brief mahnt, ohne Unterlass zu beten (1Thess 5,17).
Interview mit Dompastor Dr. Nils Petrat
Sehr geehrter Herr Dompastor, was bedeutet eigentlich „Ewige Anbetung“, warum liegt „Anbetung“ Katholiken am Herzen?
Zunächst würde ich sagen, dass „Anbetung“ nicht nur Katholiken am Herzen liegt, sondern für gläubige Menschen aller Religionen, die an einen einzigen Gott glauben, eine zentrale Bedeutung hat. Ein Mensch, der Gott anbetet, drückt damit aus, dass er sich von einer größeren Macht geborgen weiß. Er zeigt damit, dass er sich selbst nicht zum Maß aller Dinge erklärt, sondern letztlich seine Existenz einem Schöpfer und Retter verdankt. Ich würde Anbetung als Akt der Hingabe und der Liebe verstehen. Wunderbar wird das für mich in der „Spiritualität“ der drei Weisen aus dem Morgenland deutlich: „Wir sind gekommen, um ihn (Jesus) anzubeten“ (Mt 2,2). Christen machen sich immer wieder neu auf den Weg, um sich in die Gegenwart von Jesus, in sein Licht, zu stellen.
Für Katholiken ist eine besondere Form dieser Begegnung mit Jesus das stille Verweilen vor dem eucharistischen Brot – also die eucharistische Anbetung. „Jesus ist da; er sieht mich.“ Das ist der Kern der Anbetung, auch der „ewigen Anbetung“, wie sie Katholiken verstehen.
Was bedeutet „ewig“ im Kontext der „Ewigen Anbetung“?
„Anbetung“ verdichtet sich natürlich immer wieder in besonderen Momenten, an besonderen Orten und Tagen. Aber letztlich ist Anbetung eine Grund-Haltung des Christen und daher nicht zeitlich befristet. Das ganze Leben kann – christlich betrachtet – als ein Gebetsvollzug verstanden werden, als eine Existenz im Angesicht des segnenden und uns beistehenden Christus. Der Apostel Paulus kann daher auch formulieren: „Betet ohne Unterlass“ (1Thess 5,17), oder: „Alles, was ihr tut, geschehe im Namen Jesu“ (Kol 3,17). Vor diesem Hintergrund ist der Gedanke eines „ewigen“ Gebetes, einer „ewigen“ Anbetung höchst sinnvoll. Es haben sich dafür verschiedene sinnbildliche Formen entwickelt.
Die Anbetung kann in unserem Erzbistum buchstäblich als „ewig“ verstanden werden, weil sie ununterbrochen, über das ganze Jahr auf die Pfarreien des Bistums verteilt ist. Jeder Gemeinde wird ein bestimmter Tag zugeteilt, an dem in einer Kirche das Allerheiligste ausgesetzt wird. Dabei werden die Gläubigen eingeladen, an bestimmten Gebetsstunden teilzunehmen. Man könnte also sagen: An 365 Tagen im Jahr wird im Erzbistum Paderborn Christus im eucharistischen Brot angebetet. Es gibt ein Gebetsnetz, das von Castrop-Rauxel bis Höxter und von Siegen bis Minden reicht.
Wie kann die Zeit der „Ewigen Anbetung“ vom Einzelnen gestaltet werden?
Es gibt viele verschiedene Haltungen der Anbetung. Ganz wichtig finde ich eine leibsinnliche Dimension in der Form von Gesten. Ich kann vor dem Allerheiligsten knien oder mich verbeugen, ich kann aufrecht sitzen oder eine Weile aufmerksam stehen. Ich persönlich finde, dass das Knien eine sehr tiefsinnige Form der Anbetung sein kann. Der heilige Papst Johannes XXIII. hat einmal gesagt: „Der Mensch ist nie so groß, als wenn er kniet.“ Anbetung richtet auf und macht innerlich groß und weit.
Wichtige Formen der Anbetung sind auch gesprochene Gebete (Bitte, Danksagung, Lobpreis) oder gemeinsames Singen. Letztlich soll aber alles auf ein tiefes Schweigen vor dem Geheimnis Gott hinauslaufen. Die Anbetung möchte von der Unruhe des Geistes in die Ruhe des Herzens, aus der Zerstreuung in achtsames Wahrnehmen, von vielen Worten zum erfüllten Schweigen in der Gegenwart Gottes führen.
Gibt es eine persönliche Empfehlung von Ihnen im Blick auf eine Teilnahme an der „Ewigen Anbetung“? Was kann die Anbetung dem Anbetenden geben?
Ich persönlich finde, dass die Teilnahme an der „Ewigen Anbetung“ eine sehr kostbare Angelegenheit ist. Es lohnt sich, ihr (neue) Aufmerksamkeit zu schenken. Zentral erscheint mir, dass ich in der Anbetung einen Weg in die Stille finde, eine echte und heilsame Unterbrechung des oft turbulenten Alltages. Der bevorzugte Weg der Begegnung mit Gott ist die Stille. Mir hilft dabei das aufmerksame Achten auf den eigenen Atem.
In einem Gotteslob-Lied heißt es sehr schön: „Du, Gott, bist mein Atem, wenn ich zu Dir bete.“ Es geht nicht um viele Worte, erst recht nicht um schöne und große Gedanken. Es geht um ein ehrliches und aufrichtiges Da-Sein vor dem mich liebevoll anblickenden Christus. Ein wichtiger Tipp wäre: Nicht zu schnell aufgeben und der inneren Unruhe nachgeben, stattdessen: In Treue dranbleiben, in der Kirche verweilen und warten, was sich zeigt, was mir von Gott her geschenkt werden will.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Zeiten der Anbetung Trost und neuen Mut schenken können, ehrliche Einsicht in „Verstrickungen“ des eigenen Lebens und den Wunsch nach mehr innerer Freiheit, letztlich mehr Gelassenheit für den Alltag.
Vielen Dank für das Gespräch.