Ida war adelig und eine Nichte von Karl dem Großen. „Sie gehörte eigentlich nicht zum ‚Volk‘“, erklärt Pfarrer Liehr. „Aber sie hat sich nicht abgesondert, vielmehr hat sie die Menschen aufgebaut, ihnen zu essen gegeben und sie war für ihre Anliegen da.“
Der Wandel von der Adligen hin zur „Frau des Volkes“ habe mit dem Mann in Idas Leben zu tun gehabt, erläutert Pfarrer Jochen Kosmann von der Pfarrei St. Ida Herzfeld und Lippborg, die zwar direkt neben Pfarrer Liehrs Pfarrei liegt, aber zum Bistum Münster zählt: Ida begegnete eines Tages Egbert, Herzog der Sachsen an Rhein und Weser, einem Vertrauten Karls. Der Herzog war krank und Ida pflegte ihn in ihrem Haus gesund. Beide lernten sich kennen und heirateten schließlich. Als sie gemeinsam entlang der Lippe nach Osten zogen, hatte Ida im Traum eine Vision: An dieser Stelle sollst du eine Kirche bauen. So stiftete sie gemeinsam mit ihrem Mann im heutigen Herzfeld eine Kirche – die erste Steinkirche weit und breit, wie Pfarrer Jochen Kosmann zu berichten weiß.
„Mutter Teresa“ des 9. Jahrhunderts
„Das Besondere an der heiligen Ida ist, dass wir aus ihrem Leben viele Fakten sicher wissen. So auch, dass Egbert im Jahr 811 gestorben ist und an der Seite der Kirche bestattet wurde. Über dem Grab ließ Ida einen Anbau der Kirche errichten und zog dort ein. Das ist der Punkt, an dem sie dem adeligen Leben entsagte und wie eine Ordensschwester über dem Grab ihres Mannes lebte“, beschreibt Pfarrer Kosmann.
Ida habe sich schon kurz nach dem Tod ihres Mannes ihren Sarg bauen lassen. „Bei Ida ist der Sarg aber nicht ein Zeichen des Todes, sondern des Lebens“, sagt Pfarrer Kosmann. Denn zweimal täglich füllte sie ihn mit Nahrung und Kleidung für die Armen – das machte sie quasi zu einer Mutter Teresa des 9. Jahrhunderts. „Sie hat die ihr als Adelige gegebene Macht genutzt, um für ihre Mitmenschen zu leben. Sie war für Andere da – das ist etwas, wovon wir Christen uns auch heute viel abschauen können“, ist Pfarrer Ulrich Liehr überzeugt.
Am 4. September 825 starb Ida von Herzfeld und wurde zunächst an der Seite ihres Mannes bestattet. Bereits unmittelbar nach ihrem Tod seien die Menschen zu ihrem Grab gewallfahrtet und hätten sie wie eine Heilige verehrt, macht Pfarrer Jochen Kosmann deutlich. Ida von Herzfeld wurde dann am 26. November 980 auch offiziell zur ersten Heiligen in Westfalen: Bischof Dodo von Münster erhob die Gebeine Idas zur Ehre der Altäre. „Das ist das Zeichen dafür, dass man sie von da an als Heilige verehrte“, beschreibt Pfarrer Kosmann. Auch heute noch pilgern Menschen zur Wallfahrtsbasilika St. Ida in Herzfeld, wo ihre Gebeine in einem vergoldeten Schrein in der Krypta ruhen.