Für vier Solisten und zwölf Sänger sowie Klavier und Harmonium geschrieben, wirkt Rossinis „Petite Messe Solennelle“ in ihrer Originalfassung fast kammermusikalisch. Doch gerade die Reduktion macht den Reiz dieser Komposition aus. Zur Hälfte aus Soli sowie einem Duett, einem Terzett und einem Quartett bestehend, gehört der übrige Anteil der Messe den Sängerinnen und Sängern der Chöre. Auch wenn diese mit insgesamt rund 150 Stimmen deutlich größer besetzt sind als in der Urfassung, bleibt der intime Charakter erhalten und die Wirkung verblüffend: Während das Klavier für perkussive Kicks sorgt und das Harmonium einen melancholisch-sphärischen Klangteppich ausbreitet, öffnen sich perfekte Räume, die jede Note durchhörbar machen, Details freilegen und Klangfarben sich entfalten lassen.
Und bei aller Reduzierung bleibt Rossini doch immer Rossini. Der für seine brillanten „Opere buffe“ bekannte Komponist. Der humorige Großmeister des Belcanto. Auch im Kirchenraum. Denn weder ist die Messe mit ihren rund 90 Minuten Spieldauer wirklich „klein“ (petite), noch kommt sie im klassisch-getragenen Sinne sonderlich „feierlich“ (solennelle) daher. Sie beginnt wie ein stilles Gebet und endet wie ein Triumphmarsch. Liturgische Andacht trifft auf opernhafte Leidenschaft, das Allerheiligste auf das Allermenschlichste, barocke Strenge auf romantische Kühnheit, Bescheidenheit auf Größe. Und immer wieder blitzt Rossinis Schalk durch die Partitur. Wer außer ihm käme auf die Idee, den Beginn des „Credo“ mit der augenzwinkernden, in der Musikwelt nicht existierenden Tempobezeichnung „Allegro cristiano“ (christliches Allegro) zu überschreiben …?
Gemeinsam mit Carolin Franke (Sopran), Pia Pehlivan (Alt), Jonathan Dräger (Tenor), Andreas Elias Post (Bass) sowie Doris Findorff-Rasche (Klavier) und Christoph Lahme (Harmonium) formen die Choristen Klangkosmen, die die Ironie des Titels ebenso hörbar machen wie die spirituelle Tiefe der „kleinen Messe“. Das Dirigat teilen sich die Chorleiter.