logocontainer-upper
Erzbistum Paderborn
logocontainer-lower

„Die Art des Zusammenlebens hat mich begeistert“

Der Provinzial der deutschen Salvatorianer, P. Friedrich Emde, über seine Wurzeln im Sauerland, seine Spiritualität und den Wert von Gemeinschaft für Priester
Mariusz Kowalski
Unser Glaube
16. November 2021
Bad Wurzach

„Die Art des Zusammenlebens hat mich begeistert“

Der Provinzial der deutschen Salvatorianer, P. Friedrich Emde, über seine Wurzeln im Sauerland, seine Spiritualität und den Wert von Gemeinschaft für Priester

Am 18. Oktober wurde Pater Dr. Friedrich Emde aus Medebach zum Provinzial der Deutschen Provinz der Salvatorianer gewählt. Damit steht er in Deutschland einer Gemeinschaft von 47 Mitbrüdern vor, weltweit zählt der im 19. Jahrhundert gegründete Orden 1200 Mitglieder. Im Interview spricht P. Friedrich darüber, wie er aus dem Sauerland zu den Salvatorianern kam, was die Gemeinschaft ausmacht und was in seinem Glaubensleben besonders wichtig ist.

Redaktion

Medebach im Sauerland – was haben Sie vor Augen, wenn Sie das hören, Pater Friedrich?

Pater Dr. Friedrich Emde

Als erstes natürlich meine Familie, die dort wohnt. Das zweite ist dann aber schon die Kirche.

Redaktion

Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dieser Kirche?

P. Friedrich

Alle wichtigen Feiern meines Lebens und meiner Familie haben in dieser Kirche stattgefunden. Ich war sehr aktiv in der Gemeinde, war Messdiener, habe früh unserem Küster geholfen, die katholische Bücherei geleitet und war einige Zeit auch im Pfarrgemeinderat. Es hat sich sehr viel um diese Kirche herum abgespielt.

 

 

 

 

Auf dem Provinzkapitel der Deutschen Provinz der Salvatorianer in Steinfeld in der Eifel wurde P. Dr. Friedrich Emde zum Provinzial gewählt. Pater Friedrich ist 58 Jahre alt und stammt aus Medebach im Sauerland. Er legte im Jahr 1987 die Profess als Salvatorianer ab und wurde 1993 zum Priester geweiht. Nach Studium und Promotion in Passau arbeitete er 22 Jahre am Gymnasium Salvatorkolleg in Bad Wurzach, davon zwölf Jahre als Schulleiter.

(Quelle: salvatorianer.de)

 

 

 

Redaktion

Welche Bedeutung hatte Kirche in Ihrem Leben?

P. Friedrich

Ich bin vor 58 Jahren geboren worden, die Familie war fest in der Gemeinde verankert. Das Kirchenjahr mit seinen Feiertagen – etwa dem Gelobten Fest – strukturierte unser Leben. Das war ein nüchterner Glaube. Heute lebe ich in Oberschwaben, da geht es emotionaler zu, aber auch strenger. Im Sauerland war der Glaube nüchterner. Aber die Kirche hat Orientierung gegeben. Und die Pfarrer unserer Gemeinde waren wichtige Bezugspersonen für mich.

Redaktion

Gab es einen Geistlichen, der Ihren Lebensweg besonders beeinflusst hat?

P. Friedrich

Ich habe ursprünglich eine Ausbildung zum Industriekaufmann gemacht. Unser damaliger Pfarrer, Josef Otto, meinte dann aber, dass das Abitur etwas für mich sein könnte und hat mich nach Bad Driburg ans Clementinum vermittelt. Dort habe ich 1986 mein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg gemacht.

Redaktion

Wie kam Ihr Pfarrer darauf, dass das Abitur etwas für Sie sein könnte?

P. Friedrich

Ich wollte Priester werden. Eine Ahnung hatte ich schon gegen Ende meiner Schulzeit, aber mit der Mittleren Reife war da erst einmal nicht dranzukommen. Im Verlaufe meiner Ausbildung wurde das aber immer klarer. Und das Clementinum war der richtige Weg, weil es auf Spätberufene ausgerichtet war.

 

 

 

 

Die Salvatorianer sind in Deutschland derzeit in München, Berlin, Steinfeld in der Eifel (Foto), Bad Wurzach in Oberschwaben und in Maria Steinbach im Unterallgäu tätig. Außerdem betreuen Mitbrüder ein Projekt in Gurtweil am Oberrhein, dem Geburtsort des erst kürzlich seliggesprochenen Gründers der salvatorianischen Gemeinschaften P. Franziskus Jordan.

 

 

 

Redaktion

Woran merkt man, dass man Priester werden möchte?

P. Friedrich

Ich war immer gern in der Kirche. Ich habe dort mitgearbeitet und viel Zeit verbracht. Und dann habe ich gespürt, dass das etwas für mich sein könnte: Priester zu sein. Ich hatte kein Berufungserlebnis mit einer Vision, das hat sich langsam entwickelt. Und irgendwann habe ich diesen Entschluss gefasst.

Redaktion

Wie haben Sie die Salvatorianer kennengelernt?

P. Friedrich

Das Clementinum war eine wirklich fromme Schule, wir hatten jedes Jahr Exerzitien. Direkt in meinem ersten Jahr kam dafür der Salvatorianerpater Karl Hoffmann zu uns. Er hat uns eingeladen, sein Kloster Steinfeld in der Eifel zu besuchen. Das habe ich dann mit zwei Mitschülern auch getan. Wir wurden sehr freundlich empfangen und schnell in die klösterliche Gemeinschaft aufgenommen. Das war mein Erstkontakt. In den folgenden Jahren bin ich immer wieder nach Steinfeld gefahren.

Redaktion

Was hat Sie an dieser Ordensgemeinschaft fasziniert?

P. Friedrich

Mich hat die Art des Zusammenlebens begeistert. In Steinfeld erlebte ich eine Gruppe von Priestern, die wie Brüder zusammenlebten, die ihre Arbeit machten, aber auch einmal miteinander scherzen konnten. Die Gemeinschaft hat mich angesprochen. Und es gab dort Menschen, die ihren Glauben überzeugend gelebt haben. Nicht bigott oder verschroben, sondern auf eine – wie ich es aus Medebach kannte – nüchterne, aber tief spirituelle Art.

 

 

 

 

„Je länger ich es bin, desto froher bin ich, Ordensmann zu sein. Denn so bin ich kein Einzelkämpfer.“

P. Dr. Friedrich Emde

 

 

 

 

 

Redaktion

Es wird viel über die Einsamkeit von Priestern gesprochen – was gibt Ihnen Ihre Ordensgemeinschaft?

P. Friedrich

Je länger ich es bin, desto froher bin ich, Ordensmann zu sein. Denn so bin ich kein Einzelkämpfer. Ich sehe das insbesondere bei jungen Priestern, die schon in ihrem Pastoraljahr oder in den ersten Kaplansjahren an ihre Grenzen kommen, weil sie nichts haben, was sie auffängt. Und auch nichts, was sie korrigieren kann. Niemanden, der einmal sagt: Jetzt mach mal halblang, es geht nicht nur darum, sich für die Gemeinde aufzuopfern, das eigene spirituelle Leben muss schließlich auch noch existieren. Ich glaube, dass das Leben in Gemeinschaft sehr wichtig ist. Bei all den Grenzen, die eine Gemeinschaft natürlich auch hat. Es ist nicht so, dass wir uns nie auf die Nerven gehen würden. (lacht)

Redaktion

Wie sieht das gemeinschaftliche Leben von Salvatorianern denn aus?

P. Friedrich

Wir beten das Stundengebet, das alle Geistlichen beten, tatsächlich gemeinschaftlich. Und wenn wir nicht als Pfarrer eingebunden sind, feiern wir zusammen Eucharistie. Wir bemühen uns, die Mahlzeiten zusammen einzunehmen. Dafür nehmen wir uns bewusst die Zeit. Dann gibt es regelmäßig Rekreation, bei der wir etwas gemeinsam unternehmen. In manchen Gemeinschaften jeden Tag, in anderen zweimal die Woche. Und wir achten darauf, dass wir auch darüber hinaus ein gemeinschaftliches spirituelles Leben führen, mit Bibelgesprächen oder Besinnungstagen.

Redaktion

Wie hat sich Ihre Spiritualität entwickelt?

P. Friedrich

Von außen gesehen, war ich wohl schon als Schüler am Clementinum fromm. Der heutige Kardinal Reinhard Marx hat uns damals einmal Exerzitien gegeben und mir gesagt: „Sie wissen schon, dass Sie als Priester jeden Tag in die Kirche müssen.“ Darauf habe ich geantwortet: „Das mache ich schon.“ Als junger Mensch hat mich die Liturgie wirklich angesprochen. Im Kloster war es dann das gemeinsame Stundengebet. Heute ist mir in meiner Spiritualität die Heilige Schrift sehr wichtig. Ich lese sie jeden Tag, auch bei all der Arbeit, die ich als Lehrer und Schulleiter hatte. Das ist ein wichtiger Haltepunkt in meinem Leben.

Redaktion

Fromm – so würde sich heute wohl kaum eine Schülerin oder ein Schüler bezeichnen.

P. Friedrich

In der Hinsicht ist Oberschwaben dem Sauerland recht ähnlich: Eine ganze Reihe unserer Schülerinnen und Schüler sind Ministranten. Aber auch die würden sich nicht als fromm bezeichnen, ihr Kontakt zur Kirche ist sehr eingeschränkt. Doch wenn ich mit älteren Schülerinnen und Schülern oder Ehemaligen spreche, sagen sie mir immer wieder: Diese Schule sei für sie Kirche. Eine Schule mit klarem Profil als katholische Schule, mit Gottesdiensten und einem Schulseelsorger. Und das finde ich schon einmal gar nicht schlecht. Ich bin überzeugt, dass Schule ein missionarischer Ort sein kann. Ein pastoraler Ort ist sie auf jeden Fall.

Wer sind die Salvatorianer?

Die Salvatorianer wurden 1881 von Pater Franziskus Maria vom Kreuze Jordan gegründet. P. Franziskus Jordan selbst war ein Spätberufener, der schon früh die Berufung spürte, eine geistliche Gemeinschaft zu gründen. Durch die Zeit des Kulturkampfes geprägt, war sein Ziel – ausgehend von einer Stelle im Johannesevangelium (Joh 17,3) – Jesus Christus als den Heiland (lat. Salvator) zu verkünden. Zusammen mit Mutter Maria von den Aposteln gründete er 1888 die Salvatorianerinnen.

Bis heute ist es das Ziel der Gemeinschaft, den Glauben zu verkünden und Glaubenswissen zu vermitteln. Schwerpunkte ihrer Arbeit liegen im Bereich der Bildung, des Presseapostolats, der Seelsorge an Wallfahrtsorten und der Mission.

Mutter Maria wurde 1968 und P. Franziskus Jordan 2021 seliggesprochen.

Mariusz Kowalski
Ein Beitrag von:
Redakteur

Cornelius Stiegemann

 
| |
generalvikariat@erzbistum-paderborn.de
+49 (0)5251 125-0
Barrierefreiheit