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„Mal zickig – doch insgesamt eher friedlich“

„Musica Sacra“ im Pastoralen Raum Wittekindsland mit „Wittekind Kapelle“ und „Wittekinds Saxen“ auf neuen Wegen.

Mit dem Saxophon stimmt „Musica Sacra“ im Pastoralen Raum Wittekindsland neue Klänge an

„Einen neuen Ton anstimmen“ – so könnte man die Idee von Alexander Grötzner vereinfacht auf einen Punkt bringen. Der Kirchenmusiker im Pastoralen Raum Wittekindsland hat nach neuen musikalischen Möglichkeiten gesucht und mit der Gründung von Holzblasinstrumentalgruppen den richtigen Ton getroffen. Die „Wittekind Kapelle“ wurde bereits 2013 ins Leben gerufen, das Quartett „Wittekinds Saxen“ ergänzt seit 2018 das Repertoire.

Eine Idee findet Anklang

„Die Idee stieß gleich zu Beginn auf großartige Resonanz und nach den ersten Übungsstunden hat sich schon das Ensemble zusammengefunden, erinnert sich Alexander Grötzner, der das Vorbild in den Posaunenchören der evangelischen Kirche gefunden hatte. Hier in der Diaspora Ostwestfalens sei die Entwicklung positiv gewesen, auch über die katholische Kirche Musikunterricht für Blasinstrumente nehmen zu können. Die Ausbildung in der Bläserklasse dauert zwei Jahre. „Wir haben jetzt bereits die dritte Gruppe in der Ausbildung, bisher aber nur Saxophon-Spielerinnen und -spieler.“

Gründung eines Fördervereins

Aufgrund des starken Interesses und der Anmeldezahlen wurde der Förderverein „Musica Sacra“ gegründet, über den die ersten eigenen Musikinstrumente zur Ausbildung angeschafft wurden. Knapp zwanzig Mitglieder habe der Förderverein, berichtet der Vorsitzende Simon Donike, der selbst auch zu den aktiven Musikern gehört. „Wir wollen die Kirchenmusik fördern und in allen Bereichen unterstützen“, so Donike. Dazu zähle sowohl die Nachwuchsförderung als auch öffentliche Auftritte im gesamten Pastoralen Raum. „Da unser Repertoire vielseitig ist, gibt es auch Anfragen aus dem weltlichen Bereich.“

Vielfalt des Instruments

Alle Kirchenchöre – außer die großen Domchöre – hätten heute einen schweren Stand, sich auf dem Markt der Freizeitmöglichkeiten zu behaupten, ergänzt Alexander Grötzner, der aber mit der Bläsermusik einen Treffer gelandet hat: „Das kommt an und es rücken interessierte Musikerinnen un Musiker nach.“ Der „Musica Sacra“-Idee kommt entgegen, dass das Saxophon ein sehr populäres Instrument geworden ist. „Wer Blockflöte spielen kann, kann auch das Saxophon-Spiel leicht umsetzen“, so Grötzner, der außerdem die „Vielfalt des Instruments“ als reizvoll sieht. Auch Kinder seien gut an das Holzblasinstrument heranzuführen, allerdings empfiehlt er, dass diese dann schon auf einer weiterführenden Schule seien: „Die zweiten Zähne sollten schon komplett da sein. Zudem muss das Gewicht des Instruments berücksichtigt werden, das mittels Trageriemen am Hals hängt.“

Von "Wittekind Saxen" und der "Wittekinds Kapelle"

Die Corona-Pandemie hat im Frühjahr den Probenbetrieb eingeschränkt, jetzt konnten Quartett und Ensemble im Pfarrheim in Spenge einen passenden Übungsraum finden, der auch dem Hygienekonzept entspricht. Die Redaktion des Erzbistums Paderborn durfte bei einer Probestunde zuhören. Verteilt in vier Richtungen sitzen sich die Saxophonisten der „Wittekind Saxen“ bei der Probe generell gegenüber: Alexander Grötzner (Sopran), Simon Donike (Alt), Edgar Feichner (Bariton) und Dorothe Grätzner (Tenor), die allerdings an diesem Tag nicht dabei war.

Besonderheit des Soprans

Einspielen, das Instrument einstimmen und dann die ersten Tonleitern – so beginnt der Probenbetrieb. Gerade das Mundstück und die Härte der Blätter haben eine wichtige Rolle beim Ton. Und wenn mal ein Ton „schief“ wird, betont Kirchenmusiker Grätzner: „Dynamik ist wichtiger als immer den richtigen Ton zu treffen.“

Alexander Grätzner hat Saxophon schon in der Schule gelernt. Beim Studium der Kirchenmusik nahm er neben dem klassischen Unterricht für Klavier, Orgel und Chor auch noch die Sparte Saxophon dazu. Meist ist das Alt-Saxophon das Einstiegsinstrument, die Liebe Grätzners gilt aber dem Sopran. „Die Zickige unter den Saxophonen, die sich sehr oft von der sensiblen Seit zeigt“, charakterisiert er das kleinste Saxophon.

Vom Barock bis Jazz

Simon Donike war der Musik auch schon immer verschrieben, kommt allerdings von den Blechbläsern. Aus sechs Jahre Trompeten- und zwei Jahren Posaunen-Spiel bringt er Erfahrung mit. Er machte  auch ein kurzes Gastspiel mit der Gitarre, um dann im Alt- und Bariton-Saxophon seine Favoriten zu finden.

„Ich bin mit der Gitarre nicht wirklich zurecht gekommen“, erinnert sich Edgar Feichner, der 1994 zum  Holzblasinstrument wechselte. Vieles habe er sich selbst beigebracht, dann aber auch Unterricht genommen. Mit dem Tenor begonnen, kam bald ein Alt hinzu. Wenngleich er auch mittlerweile noch ein Sopran-Saxophon sein Eigen nennt, so spielt er im Quartett begeistert Bariton. „Es werden alle gleich gespielt, alle vier haben eine ähnliche Struktur.“

Zur Kirche gehört die Musik

Vom barocken Werk Bachs (Menuett) bis hin zum Jazz (Cantaloupe Island) reicht an diesem Abend das Übungsprogramm in Spenge. „Der füllende Klang des Saxophons in der Kirche passt gut zur Liturgie“, ist Alexander Grätzner überzeugt, dass die Bläser eine Alternative zur Orgelmusik sein können.

Mittlerweile sind auch die Mitglieder der „Wittekind Kapelle“ eingetroffen. Zur Kirche gehöre die Musik und deshalb freue sie sich über die neue Möglichkeit der Bläser-Ensembles, so eine Musikerin über die Initiative im Wittekindsland. Ein anderer Spieler ergänzt, dass er vor vier Jahren noch keine Noten hätte lesen können und jetzt schon dazu gehöre. Und das Saxophone nicht nur „zickig“ sein, revidiert ein anderes Ensemble-Mitglied mit einem Schmunzeln: „Saxophone gehören zu den sehr friedlichen Instrumenten!“

Hintergrund:

Der Förderverein „Musica Sacra“  ist aus dem ehemaligen Förderkreis für Kirchenmusik an St. Dionysius Enger hervorgegangen und 2019 gegründet worden. Er hat sich zur Aufgabe gemacht, die Kirchenmusik im gesamten Pastoralen Raum Wittekindsland ideell und materiell zu unterstützen, die konzertante und gottesdienstliche Kirchenmusik zu fördern und neues Interesse zu wecken.

Der Pastorale Raum Wittekindsland umfasst die kath. Kirchengemeinden in Herford, Bünde, Kirchlengern, Enger, Spenge und Hiddenhausen-Eilshausen.

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