Es brauche im Umgang mit Demenz einen wachen Blick auf Situationen, in denen Menschen ihren Halt im Leben verlieren und Beziehungen an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gelangen, erklärt Erzbischof Becker. Demenz bleibe als Krankheit oft unsichtbar, weil sie die betroffenen Menschen aus der Öffentlichkeit herausdränge. „Menschen mit Demenz leiden nicht selten unter Isolation und dem Gefühl, nicht mehr willkommen zu sein“, so der Paderborner Erzbischof. Er fordert eine Haltung, „in der die erkrankten Menschen spüren, dass sie wertvolle Glieder unserer Gesellschaft sind und dass ihr Leben mit dem Vergessen nicht bedeutet, vergessen zu werden.“
Zum Leben in Gemeinschaft erschaffen
Die Beziehungsfähigkeit eines kranken Menschen bleibe bis zuletzt erhalten, erläutert Erzbischof Becker. Diese Fähigkeit zur Beziehung sei der „wichtigste Ansatzpunkt, um den dementiell erkrankten Menschen Nähe und Vertrautheit spüren zu lassen.“ Menschliche Zuwendung mache bewusst, „dass Menschen nicht als Einzelwesen erschaffen worden sind, sondern zu einem Leben in Gemeinschaft“. Dafür sei es nötig, das Leben eines jeden Menschen in seiner Verletzlichkeit und Schutzbedürftigkeit neu zu sehen.
Die durch Angehörige in Familien und Mitarbeitende in Alten- und Pflegeeinrichtungen geleistete Zuwendung sei „ein unübersehbares Signal menschlicher Geschwisterlichkeit, zu der uns Gott berufen hat“, macht Erzbischof Becker abschließend deutlich: „Für diesen großherzigen persönlichen Einsatz zur Unterstützung unserer erkrankten Mitmenschen danke ich von Herzen.“