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Erzbistum Paderborn
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Leben bis zum Lebensende

Auf eine Kaffeelänge mit Altenpflegerin Gabriele Schulte
Unser Glaube
18. Oktober 2021

Leben bis zum Lebensende

Auf eine Kaffeelänge mit Altenpflegerin Gabriele Schulte

Innerhalb unserer Reihe „Auf eine Kaffeelänge mit …“ treffen wir uns regelmäßig mit einer Person aus dem Erzbistum Paderborn. Einzige Vorgabe der Zusammenkunft: Das Treffen endet, sobald die Kaffeetasse geleert ist. Diesmal haben wir uns mit Gabriele Schulte, Pflegedienstleiterin der GFO Tagespflege in Attendorn, getroffen.

Morgens um halb neun: so langsam trudeln die Gäste ein. Ein eigens eingerichteter Fahrdienst hat sie von Zuhause abgeholt. Der Duft von frischem Kaffee liegt in der Luft. Am großen Tisch wird geredet, gescherzt, gelacht. Es herrscht eine gelöste Stimmung. Durchzogen von Verbundenheit. So wie das Lied, das hier in der Tagespflege zu Anfang stets gesungen wird: „Danke, für diesen schönen Morgen, danke für jeden neuen Tag…“

„Gott hat mich hierhin gesetzt“

Das Frühstück ist fertig. Gabriele Schulte bietet Rührei an. Manchmal legt sie ihren Gästen auch ein Schokoküsschen oder eine Praline auf den Teller. Es sind die kleinen Dinge, die ihr wichtig sind. Die neben dem großen guten Ganzen die Seele streicheln. „Ich möchte, dass die Menschen, die hierherkommen, einen schönen Tag haben. Sie einfach unter den Tisch stellen und warten, dass die Sache ein Ende nimmt, ist nicht mein Ding“, sagt Schulte. Denn ihr Beruf sei ihre Berufung. Ein Herzenswunsch, den sie in sich trage, seit sie denken könne. „Ich wollte das schon immer. Als ich mit vierzehn aus der Schule kam, nahm mich aber niemand in der Altenpflege, weil ich noch so jung war.“ Was also tun?

Sie absolvierte eine Ausbildung zur Textilverkäuferin, Fachrichtung Herrenoberbekleidung. Machte sich nach der Lehre – da war sie 16 – erneut und erneut erfolglos auf die Suche. Ging schließlich in eine Metallfabrik. Dann kreuzte der Zufall ihren Lebensweg: Bei den Franziskanerinnen in Salzkotten konnte sie ein Vorpraktikum absolvieren. Endlich! Darauf folgte die Altenpflegeschule in Köln. Das war Anfang der 1980er Jahre. Und völlig unvorstellbar für heute: für ein Schulgeld in Höhe von 5000 D-Mark. „Ich liebe meine Arbeit. Und ich habe sie nie angezweifelt. Vielleicht ist das von Gott gegeben. Er hat mich hierhin gesetzt, um das zu tun.“

Ein Geschenk, um es weiterzugeben

Wenn Gabriele Schulte erzählt, dann ist sie so überzeugend, dass ihr Gegenüber sicher ist: ihre Berufung ist ein Geschenk. Ein Geschenk, das sie mit ihrer Berufswahl angenommen hat. Um es weiterzugeben. An all die Gäste, die in die Tagespflege kommen. Dabei, so sagt sie, sei der erste Schritt nie leicht. Nicht für die Senioren. Und auch nicht für deren Angehörige. „Es sind so viele Ängste damit verbunden. Die muss man erst einmal nehmen. Und sei es nur, dass die Nachbarn sagen könnten: Schau mal, die schieben ihre Mutter oder ihren Vater ab.“

Donnerstags ist Planungstag in der Tagespflege in Attendorn. Dann wird die neue Woche besprochen, die immer unter einem anderen Thema steht. Jeder Tag ist durchstrukturiert. Mit den Mahlzeiten, mit Beschäftigung und Aktivierung. Vor der Bundestagswahl im September haben sie beispielsweise eine Woche die Politik unter die Lupe genommen. In der morgendlichen Zeitungsrunde. Oder beim Gedächtnistraining: Wie heißt die Bundeskanzlerin? Wieviel Bundesländer hat Deutschland? Und immer wieder gibt es Ausflüge. Dann werden alle eingepackt, um auf den Kohlhagen zu fahren. Oder zu den Karl-May-Festspielen in Elspe. Neulich hat man das Altarbild mit der Maria in Jeans in der Drolshagener Kirche besucht.

Verfechterin des christlichen Menschenbildes

Ein ganz großer Ausflug steht noch an: Die Gruppe fährt in den Urlaub. Für eine Woche geht es ans Ijsselmeer. In ein altes Bauernhaus. Mit Selbstverpflegung. „Es ist wie eine Jugendfreizeit, einfach super. Da werden Ressourcen geweckt, die man im Alltag gar nicht erkennt“, so Schulte, der es wichtig ist, dass die Leute noch etwas erleben. „Ich bin eine Verfechterin des christlichen Menschenbildes. Da setze ich meine ganze Kraft ein: Menschen bis zum Lebensende Würde zu geben und sie Geschöpf Gottes und Individuum sein zu lassen.“

Bis zur großen Fahrt sind es noch ein paar Wochen. Bis dahin nimmt das Leben in der Tagespflege in Attendorn seinen gewohnten Lauf. Mit Gabriele Schulte verlässlich am Steuer. Mit eine Stunde Ruhe vor dem Kamin nach dem Mittagessen. Mit Kaffee und Kuchen, bevor es für die Gäste nachmittags wieder nach Hause geht. Und mit einem Lied zum Abschied. Mit dem Irischen Segenswunsch: „Bis wir uns mal wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand.“

Autorin: Birgit Engel, freie Journalistin

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