logocontainer-upper
Erzbistum Paderborn
logocontainer-lower
Das große Kreuz im Kreuzschiff von St. Johannes Baptist. Links das Buntglasfenster mit der heiligen Helena und Bischof Macarius.© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Kreuzerhöhung Gedanken zum „Wahren Kreuz“

Heute feiert die Kirche mit dem Fest Kreuzerhöhung die Auffindung des „Wahren Kreuzes Christi“. Gedanken dazu aus Delbrück, wo seit Jahrhunderten ein Partikel des Kreuzes verehrt wird

Ein Stück vom Kreuz in Delbrück

Der Lichtstrahl ist so ausgerichtet, dass er genau das Gesicht des Christuskorpus trifft – und dessen Brust. Auf Höhe des Herzens sitzt hier nämlich eine kleine Kapsel, die ein Stückchen des Wahren Kreuzes Christi enthält, seit Jahrhunderten sicher verwahrt hinter einem geschliffenen Bergkristall. Im Jahr 1496 hatte der Kölner Landdrost Philipp von Hörde der Stadt Delbrück diese Reliquie geschenkt. Und bis heute wird sie in der Kirche St. Johannes Baptist verehrt.

Das große Kreuz, an dem Korpus und Reliquie hängen, steht im linken Seitenschiff der Kirche, das hier Kreuzschiff genannt wird. Und jeden Freitagmorgen feiert die Gemeinde das Kreuzamt, einen für eine Werktagsmesse noch recht gut besuchten Gottesdienst. Freitagnachmittags läutet dann in Delbrück wie in vielen Orten des Erzbistums Paderborn die große Glocke, um an die Todesstunde Jesu zu erinnern. Und an Karfreitag trägt ein als Christus verkleideter Laiendarsteller bei der Kreuztracht ein 30 Kilogramm schweres Holzkreuz durch die Stadt.

Ein Tag im Zeichen des Kreuzes

Auch der heutige Tag steht ganz im Zeichen des Kreuzes: Denn am 14. September begeht die Kirche das Fest Kreuzerhöhung. Ganz besonders auch ein Fest für die betenden Menschen im Kreuzschiff von St. Johannes Baptist. Denn ohne das Ereignis, dem mit diesem Fest gedacht wird, würde heute im Glaubensleben vieler Delbrückerinnen und Delbrücker ein kreuzförmiges Loch klaffen.

Dass sie hier heute eine Kreuzreliquie verehren können, haben sie im Grunde einer Frau zu verdanken. Im Buntglasfenster links neben dem Kreuz ist sie – mit einem großen Holzkreuz im Arm – abgebildet: Die heilige Helena, Mutter des ersten christlichen römischen Kaisers, Konstantin, und der Legende nach diejenige, die das Wahre Kreuz Christi gefunden hat.

Ambrosius von Mailand überliefert die Geschichte: Helena unternimmt mit über 70 Jahren noch eine Pilgerfahrt ins Heilige Land. In Jerusalem weist sie den dortigen Bischof Macarius (mit dem sie sich in St. Johannes Baptist das Fenster teilt) darauf hin, dass nach alter Überlieferung das Grab Christi unter einem später errichteten römischen Tempel liegen müsse. Sie lässt Grabungen durchführen und tatsächlich, in einer Höhle unter den Fundamenten des Tempels findet sie die Reste von drei großen Holzkreuzen. An der Stelle der Grotte bauen Helena und Konstantin eine Kirche, die Grabeskirche.

Welches Kreuz ist das Wahre?

Schon bei den drei Kreuzen, die Helena findet, geht es um die Frage der Echtheit. Denn man will nur das Wahre Kreuz Christi verehren, nicht eins, an dem einer der Diebe gestorben ist. Und wie findet Helena das heraus? Durch ein Kreuzeswunder. Eine jüngst verstorbene Frau wird nacheinander mit den drei Kreuzen berührt. Bei den ersten beiden passiert nichts, doch beim dritten schlägt sie die Augen auf und wird wieder lebendig. Damit muss das dritte Kreuz das sein, an dem der Gottessohn gekreuzigt wurde.

Helena lässt das Wahre Kreuz in drei Stücke teilen. Eins nimmt sie mit nach Rom, eins schickt sie ihrem Sohn nach Konstantinopel und eins verbleibt in Jerusalem. Der Jerusalemer Teil wird in einem kostbaren silbernen Reliquienkasten aufbewahrt. Einmal im Jahr, am 14. September, öffnen Bischof Macarius und seine Nachfolger den Kasten und zeigen den Gläubigen den Teil des Kreuzes, indem sie ihn hoch über ihre Köpfe erheben. Daher der Name Kreuzerhöhung.

Der Jerusalemer Teil geht mit der muslimischen Eroberung des Heiligen Landes verloren. Der römische Teil wird bis heute im Petersdom aufbewahrt. Das Stück des Kreuzes, das die Kaiserinmutter ihrem Sohn nach Konstantinopel gesandt hatte, wird dort verehrt bis der Vierte Kreuzzug 1204 die Hauptstadt des oströmischen Reiches erobert. Unzählige kleinste Holzteile, die vom Wahren Kreuz stammen sollen, werden von Kreuzrittern nach Europa gebracht und gelangen nach und nach in die gesamte bekannte Welt – unter anderem bis nach Delbrück.

Die Echtheit des Kreuzes – muss man dran glauben?

Der Witz, dass man aus all diesen Kreuzreliquien drei oder sieben ganze „wahre“ Kreuze zusammensetzen könnte, ist alt. Schon den Menschen früherer Jahrhunderte ist bewusst, dass ihre Kreuzreliquie möglicherweise keine echte sein könnte. Auch in Delbrück muss ein neuer Echtheitsbeweis her: 1671 wird der Christuskorpus mit seiner Bergkristallkapsel wiederentdeckt. Fürstbischof Ferdinand von Fürstenberg lässt die Kapsel öffnen. Wie die Echtheit der Reliquie überprüfen? Natürlich wieder durch Wunder. Die ersten Heilungswunder führen zu einem Aufleben der Kreuzverehrung in Delbrück und die Tradition der Kreuztracht entsteht.

Wie ist das in der Gegenwart? Kann man an die Echtheit der Delbrücker Kreuzreliquie glauben? Man kann, wenn man möchte. Unter dem Fenster mit der heiligen Helena und Bischof Macarius sind in Schaukästen sogenannte Votivgaben ausgestellt. Diese kleinen, aus Silber gefertigten Gaben wurden von Gläubigen gestiftet, die nach dem Gebet vor dem Kreuz auf wundersame Weise von Krankheiten geheilt wurden. Für Menschen, die heute im Kreuzschiff beten und fest an die Echtheit der Reliquie glauben (möchten), können die zahlreichen Votivgaben ein Beweis dafür sein, dass sie echt, weil wundertätig ist.

Man kann daran glauben, muss es aber nicht. Vielleicht ist die Frage nach der Echtheit heute gar nicht so wichtig. Dann haben der Christuskorpus mit seiner Bergkristallkapsel und die Votivgaben trotzdem noch einen Wert: Zeugen sie doch davon, dass hier schon immer gebetet, gehofft und gezweifelt wird. Im Kreuzschiff von St. Johannes Baptist befindet man sich in einer Betgemeinschaft der Jahrhunderte. Von den unzähligen Beterinnen und Betern, die hier mit ihren Sorgen und Nöten hingekommen sind, werden auch nicht alle ein Wunder erfahren haben. Aber viele von ihnen haben zumindest Trost gefunden. Und das ist gar nicht mal so wenig.

Dieser Artikel erschien erstmals am 14. September 2022 und wurde aktualisiert.

Weitere Beiträge aus "Unser Glaube"

Politische Partizipation © Day Of Victory Studio / Shutterstock.com
Unser Glaube | 28. Mai 2024

Politik? Ist Zusammenleben!

Durch Angebote der Kommende Dortmund erfahren bildungsbenachteiligte Jugendliche, was Politik und Demokratie konkret mit ihrem Leben zu tun haben
© Rokas Tenys / Shutterstock.com
Unser Glaube | 23. Mai 2024

Europa eine Seele geben

Gemeinsam unterstützen die Kommende Dortmund und das internationale Netzwerk socioMovens den Aufbau jugendsozialer Bewegungen in Osteuropa / Europawahl 2024 im Fokus
Corinna Reiter mit einer Mitarbeiterin der Caritas Werkstatt in der Gärtnerei © Ralf Litera
Unser Glaube | 23. Mai 2024

Dranbleiben. Dableiben. Aushalten.

Corinna Reiter ist mit Freude Seelsorgerin in den Werkstätten des Caritasverbandes Arnsberg-Sundern
Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz verrät seine Tipps fürs Gebet. © Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Unser Glaube | 21. Mai 2024

Fünf Tipps fürs Gebet von Erzbischof Bentz

Der Erzbischof verrät, wie ihm das Gebet im Alltag hilft: Dankbarkeit, mit Gott im inneren Dialog sprechen, ihn in der Natur entdecken und vieles mehr
© Caritasverband für das Erzbistum Paderborn
Unser Glaube | 16. Mai 2024

#100Prozentdabei für die Demokratie

Der Diözesan-Caritasverband Paderborn setzt sich mit einer Mitmach-Aktion für eine möglichst hohe Wahlbeteiligung bei der anstehenden Europawahl ein
Erzbistumskalender 2024: St. Josef in Hagen-Altenhagen. © Besim Mazhiqi
Unser Glaube | 16. Mai 2024

Mit Jesus Christus in einem Boot

Erzbistumskalender 2024: Die Chorfenster von St. Josef in Hagen-Altenhagen zeigen durch das Wirken Gottes den Wertbezug der Kirche - und sind übergroße Mutmacher
© Dariia Pavlova / Shutterstock.com
Unser Glaube | 15. Mai 2024

Stark in Beziehung: Themenmonat für Paare und Familien

Miteinander erleben und Zusammenhalt stärken: Im Juni 2024 gibt es im ganzen Erzbistum Paderborn Angebote und Aktionen, die Paare und Familien ins Zentrum stellen. Erfahren Sie hier alles über den Themenmonat „Stark in Beziehung“
Der Löwe - ein christliches Symbol © 2021 Photography / Shutterstock.com
Unser Glaube | 09. Mai 2024

„… den Löwen in dir!“

Propst Stephan Schröder denkt zu Christi Himmelfahrt über ein Symboltier des Christentums nach, das Mut macht
© Besim Mazhiqi
Unser Glaube | 08. Mai 2024

Ein Abt und zwölf Mönche gründen ein Bistum

Aus der Kirche der Benediktinerabtei Corvey wird Ende des 18. Jahrhunderts plötzlich ein Dom. Wie es dazu kommt? Davon weiß eine alte Urkunde zu berichten...
© chayanuphol / Shutterstock.com
Unser Glaube | 07. Mai 2024

Auferstehung, mitten im Leben

Auferstehung – die kommt erst nachdem man gestorben ist. Aber manchmal gibt es schon mitten im Leben Auferstehungsmomente: nach Krisen, Krankheiten oder Konflikten. Im Erzbistum Paderborn gibt es Menschen, die in dieser Situation begleiten
Ein Beitrag von:
Redakteur

Cornelius Stiegemann

Weitere Einträge

© Day Of Victory Studio / Shutterstock.com

Unser Glaube Politik? Ist Zusammenleben!

Durch Angebote der Kommende Dortmund erfahren bildungsbenachteiligte Jugendliche, was Politik und Demokratie konkret mit ihrem Leben zu tun haben
© Rokas Tenys / Shutterstock.com

Unser Glaube Europa eine Seele geben

Gemeinsam unterstützen die Kommende Dortmund und das internationale Netzwerk socioMovens den Aufbau jugendsozialer Bewegungen in Osteuropa / Europawahl 2024 im Fokus
© Ralf Litera
Auch in der Gärtnerei findet Seelsorge einen Raum: Corinna Reiter beim Gespräch mit einer Mitarbeiterin der Caritas-Werkstatt Arnsberg.

Unser Glaube Dranbleiben. Dableiben. Aushalten.

Corinna Reiter ist mit Freude Seelsorgerin in den Werkstätten des Caritasverbandes Arnsberg-Sundern
Kontakt
| |
generalvikariat@erzbistum-paderborn.de
+49 (0)5251 125-0
Barrierefreiheit