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Kreuzerhöhung – Gedanken zum „Wahren Kreuz“

Heute feiert die Kirche mit dem Fest Kreuzerhöhung die Auffindung des „Wahren Kreuzes Christi“. Gedanken dazu aus Delbrück, wo seit Jahrhunderten ein Partikel des Kreuzes verehrt wird
Das große Kreuz im Kreuzschiff von St. Johannes Baptist. Links das Buntglasfenster mit der heiligen Helena und Bischof Macarius.© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Unser Glaube
14. September 2022
Delbrück

Kreuzerhöhung – Gedanken zum „Wahren Kreuz“

Heute feiert die Kirche mit dem Fest Kreuzerhöhung die Auffindung des „Wahren Kreuzes Christi“. Gedanken dazu aus Delbrück, wo seit Jahrhunderten ein Partikel des Kreuzes verehrt wird

Ein Stück vom Kreuz in Delbrück

Der Lichtstrahl ist so ausgerichtet, dass er genau das Gesicht des Christuskorpus trifft – und dessen Brust. Auf Höhe des Herzens sitzt hier nämlich eine kleine Kapsel, die ein Stückchen des Wahren Kreuzes Christi enthält, seit Jahrhunderten sicher verwahrt hinter einem geschliffenen Bergkristall. Im Jahr 1496 hatte der Kölner Landdrost Philipp von Hörde der Stadt Delbrück diese Reliquie geschenkt. Und bis heute wird sie in der Kirche St. Johannes Baptist verehrt.

Das große Kreuz, an dem Korpus und Reliquie hängen, steht im linken Seitenschiff der Kirche, das hier Kreuzschiff genannt wird. Und jeden Freitagmorgen feiert die Gemeinde das Kreuzamt, einen für eine Werktagsmesse noch recht gut besuchten Gottesdienst. Freitagnachmittags läutet dann in Delbrück wie in vielen Orten des Erzbistums Paderborn die große Glocke, um an die Todesstunde Jesu zu erinnern. Und an Karfreitag trägt ein als Christus verkleideter Laiendarsteller bei der Kreuztracht ein 30 Kilogramm schweres Holzkreuz durch die Stadt.

Ein Tag im Zeichen des Kreuzes

Auch der heutige Tag steht ganz im Zeichen des Kreuzes: Denn am 14. September begeht die Kirche das Fest Kreuzerhöhung. Ganz besonders auch ein Fest für die betenden Menschen im Kreuzschiff von St. Johannes Baptist. Denn ohne das Ereignis, dem mit diesem Fest gedacht wird, würde heute im Glaubensleben vieler Delbrückerinnen und Delbrücker ein kreuzförmiges Loch klaffen.

Dass sie hier heute eine Kreuzreliquie verehren können, haben sie im Grunde einer Frau zu verdanken. Im Buntglasfenster links neben dem Kreuz ist sie – mit einem großen Holzkreuz im Arm – abgebildet: Die heilige Helena, Mutter des ersten christlichen römischen Kaisers, Konstantin, und der Legende nach diejenige, die das Wahre Kreuz Christi gefunden hat.

Ambrosius von Mailand überliefert die Geschichte: Helena unternimmt mit über 70 Jahren noch eine Pilgerfahrt ins Heilige Land. In Jerusalem weist sie den dortigen Bischof Macarius (mit dem sie sich in St. Johannes Baptist das Fenster teilt) darauf hin, dass nach alter Überlieferung das Grab Christi unter einem später errichteten römischen Tempel liegen müsse. Sie lässt Grabungen durchführen und tatsächlich, in einer Höhle unter den Fundamenten des Tempels findet sie die Reste von drei großen Holzkreuzen. An der Stelle der Grotte bauen Helena und Konstantin eine Kirche, die Grabeskirche.

Welches Kreuz ist das Wahre?

Schon bei den drei Kreuzen, die Helena findet, geht es um die Frage der Echtheit. Denn man will nur das Wahre Kreuz Christi verehren, nicht eins, an dem einer der Diebe gestorben ist. Und wie findet Helena das heraus? Durch ein Kreuzeswunder. Eine jüngst verstorbene Frau wird nacheinander mit den drei Kreuzen berührt. Bei den ersten beiden passiert nichts, doch beim dritten schlägt sie die Augen auf und wird wieder lebendig. Damit muss das dritte Kreuz das sein, an dem der Gottessohn gekreuzigt wurde.

Helena lässt das Wahre Kreuz in drei Stücke teilen. Eins nimmt sie mit nach Rom, eins schickt sie ihrem Sohn nach Konstantinopel und eins verbleibt in Jerusalem. Der Jerusalemer Teil wird in einem kostbaren silbernen Reliquienkasten aufbewahrt. Einmal im Jahr, am 14. September, öffnen Bischof Macarius und seine Nachfolger den Kasten und zeigen den Gläubigen den Teil des Kreuzes, indem sie ihn hoch über ihre Köpfe erheben. Daher der Name Kreuzerhöhung.

Der Jerusalemer Teil geht mit der muslimischen Eroberung des Heiligen Landes verloren. Der römische Teil wird bis heute im Petersdom aufbewahrt. Das Stück des Kreuzes, das die Kaiserinmutter ihrem Sohn nach Konstantinopel gesandt hatte, wird dort verehrt bis der Vierte Kreuzzug 1204 die Hauptstadt des oströmischen Reiches erobert. Unzählige kleinste Holzteile, die vom Wahren Kreuz stammen sollen, werden von Kreuzrittern nach Europa gebracht und gelangen nach und nach in die gesamte bekannte Welt – unter anderem bis nach Delbrück.

Die Echtheit des Kreuzes – muss man dran glauben?

Der Witz, dass man aus all diesen Kreuzreliquien drei oder sieben ganze „wahre“ Kreuze zusammensetzen könnte, ist alt. Schon den Menschen früherer Jahrhunderte ist bewusst, dass ihre Kreuzreliquie möglicherweise keine echte sein könnte. Auch in Delbrück muss ein neuer Echtheitsbeweis her: 1671 wird der Christuskorpus mit seiner Bergkristallkapsel wiederentdeckt. Fürstbischof Ferdinand von Fürstenberg lässt die Kapsel öffnen. Wie die Echtheit der Reliquie überprüfen? Natürlich wieder durch Wunder. Die ersten Heilungswunder führen zu einem Aufleben der Kreuzverehrung in Delbrück und die Tradition der Kreuztracht entsteht.

Wie ist das in der Gegenwart? Kann man an die Echtheit der Delbrücker Kreuzreliquie glauben? Man kann, wenn man möchte. Unter dem Fenster mit der heiligen Helena und Bischof Macarius sind in Schaukästen sogenannte Votivgaben ausgestellt. Diese kleinen, aus Silber gefertigten Gaben wurden von Gläubigen gestiftet, die nach dem Gebet vor dem Kreuz auf wundersame Weise von Krankheiten geheilt wurden. Für Menschen, die heute im Kreuzschiff beten und fest an die Echtheit der Reliquie glauben (möchten), können die zahlreichen Votivgaben ein Beweis dafür sein, dass sie echt, weil wundertätig ist.

Man kann daran glauben, muss es aber nicht. Vielleicht ist die Frage nach der Echtheit heute gar nicht so wichtig. Dann haben der Christuskorpus mit seiner Bergkristallkapsel und die Votivgaben trotzdem noch einen Wert: Zeugen sie doch davon, dass hier schon immer gebetet, gehofft und gezweifelt wird. Im Kreuzschiff von St. Johannes Baptist befindet man sich in einer Betgemeinschaft der Jahrhunderte. Von den unzähligen Beterinnen und Betern, die hier mit ihren Sorgen und Nöten hingekommen sind, werden auch nicht alle ein Wunder erfahren haben. Aber viele von ihnen haben zumindest Trost gefunden. Und das ist gar nicht mal so wenig.

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