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Erzbistum Paderborn
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Libori 2024 - So alt. So neu. So schön!© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Liborius, der Jubilar!

Eine Federzeichnung aus den Beständen des Erzbistumsarchivs aus dem Jahr 1735 lässt erahnen, was bei hundertjährigen Libori-Jubiläen passiert

Zeitsprung nach vorn ins Jahr 2035. Wieder und wieder tritt die Leitung des Erzbistums Paderborn zu Sitzungen zusammen. Pläne werden geschmiedet und wieder verworfen. Der 1200-jährige Jahrestag der Ankunft der Reliquien des heiligen Liborius in Paderborn steht im nächsten Jahr an und ein Jahr Planungszeit vergeht wie im Flug. Sollen wir die üblichen Feierlichkeiten einfach eine Nummer größer machen und ein paar Tage dranhängen? Das wäre arg denkfaul. Nein, das reicht nicht und würde auch nicht zu uns passen. Libori 2036 soll schon etwas Besonderes sein. Auf jeden Fall machen wir was mit Kunst. Kunst ist überzeitlich, Kunst wirkt. Damit machen wir ganz sicher nichts verkehrt!

Zeitsprung zurück ins Jahr 1735. Die Bistumsleitung tritt wieder und wieder zu Sitzungen zusammen. Der 900-jährige Jahrestag der Ankunft der Reliquien des heiligen Liborius in Paderborn steht bevor, ein Jahr Planungszeit vergeht wie im Flug …

Mehr Kunst zu Ehren Liborius

Man braucht weder eine prophetische Gabe noch besonderes historisches Fachwissen, um sich diese Szenarien ausmalen zu können. Alljährlich herrscht zu Libori in Paderborn Ausnahmezustand, der sich bei runden Jubiläen noch einmal potenziert. So nahm um das Jahr 1736, dem 900-jährigen Liborius-Jubiläum, in und um Paderborn die Kunstproduktion im Zusammenhang mit dem heiligen Liborius deutlich zu. Zu den damals geschaffenen Kunstwerken gehört die Federzeichnung der Liborius-Büste, die das Erzbistumsarchiv im Liborius-Monat Juli 2024 als Archivalie des Monats präsentiert.

Angefertigt wurde die Federzeichnung von Johann Theodor von Imbsen im Jahr 1735. Später wurde sie in den ersten Band der Unterlagen zur Liborius-Bruderschaft (Acta Sodalitatis S. Liborii), den Zeitraum von 1736 bis 1742 umfassend, eingefügt.

Dargestellt ist ein Reliquiar in Form eines silbernen Brustbildes des heiligen Liborius, das Johann Theodor von Imbsen (den wir schon als Schöpfer der Federzeichnung kennen) 1735 für die Pfarrkirche in Kunstadt (heute Kunštát in Tschechien) in der mährischen Diözese Brünn von Augsburger Silberschmieden anfertigen ließ.

Liboriusverehrung als Exportartikel

Die Hintergründe von Zeichnung und Büste sind bekannt. Der aus Wewer bei Paderborn stammende Freiherr Johann Theodor von Imbsen war ein hochrangiger Beamter am kaiserlichen Hof in Wien und hatte die Herrschaft Kunstadt erworben. Nach dem Vorbild seines Heimatbistums Paderborn wollte er in Mähren die Verehrung des heiligen Liborius begründen.

Als Vorbild der Kunstädter Heiligenbüste diente unverkennbar das Paderborner Liborius-Büstenreliquiar, das der Paderborner Fürstbischof Ferdinand von Fürstenberg im Jahr 1681 dem Paderborner Dom gestiftet hatte. Ganz an die Qualität seines Vorbildes reichte zumindest die Zeichnung nicht heran. Während das Paderborner Reliquiar der Fachliteratur zufolge den „prophetischen Frömmigkeitstyp“ der Barockzeit verkörpert, fällt die Kunstädter Kopie weniger heroisch, missionarisch und jesuitisch-gegenreformatorisch geprägt aus. Kurzum: Die Zeichnung ist nicht ganz so ausdrucksstark, was verzeihlich ist, immerhin war ihr Urheber Freiherr Johann Theodor von Imbsen kein Künstler von Beruf, sondern Hofbeamter. Womöglich war die Kunstädter Büste besser als die Zeichnung. Nachprüfen lässt sich das nicht mehr. Das Reliquiar wurde vermutlich zusammen mit anderem Kirchensilber im Jahr 1810 eingeschmolzen.

Die Liborius-Verehrung musste in Mähren einen zweiten Anlauf nehmen

Der Umgang mit dem Reliquiar lässt es vermuten: Der Plan des Freiherrn Johann Theodor von Imbsen, in Mähren eine dauerhafte Liboriusfrömmigkeit zu etablieren, ging nicht auf. Zumindest nicht im ersten Anlauf. Liborius geriet in Vergessenheit, die letzten Spuren an ihn tilgte die realsozialistische Diktatur in der Tschechoslowakei nach dem Zweiten Weltkrieg. Seit einigen Jahren ist aber auch in Tschechien alljährlich der Libori-Tusch zu hören. Wie eine Recherche zum Thema Liborius in der Welt zeigt, hält ein Klarissenkloster in Brno-Soběšice eigene Liborius-Reliquien in Ehren und feiert die Erhebung der Paderborner Reliquien mit großer Freude mit.

Foto Federzeichnung Erzbistumsarchiv Paderborn (EBAP)
Foto Reliquienbüste Erzbistumsarchiv Paderborn, Fachstelle Kunst, Ansgar Hoffmann
Signatur EBAP, Metropolitankapitel, B I 7
Entstehungsdatum 1735
Kulturhistorische Bedeutung Die spätbarocke Zeichnung unterstreicht die Bedeutung des 900-jähigen Libori-Jubiläums 1736 und belegt Bemühungen, den Kult um den Heiligen in anderen Regionen zu verankern.
Literaturangaben Fuchs, Alois: Der hl. Liborius in der bildenden Kunst. Nachträge. In: Vierter Jahresbericht des Diözesan-Museumsvereins der Diözese Paderborn über das Vereinsjahr 1915. Paderborn 1916, S. 30-33.
Liborius im Hochstift Paderborn. Seine Verehrung in Werken der Architektur und der bildenden Kunst. Eine Ausstellung der Erzdiözese Paderborn – veranstaltet vom Erzbischöflichen Diözesanmuseum 27. Juli bis 7. September 1986. Hrsg. von Karl Josef Schmitz. Ausstellung und Katalog: Christoph Stiegemann. Paderborn 1986.
Sei gegrüßet, o Libori. Andachtsbilder und Gebetstexte zum Liborifest von 1622 bis 2020. Ein Auswahlkatalog. In: Veröffentlichungen der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek Paderborn, Heft 21. Hrsg. von Prof. Dr. Hans-Walter Stork. Paderborn 2020 .

Die Archivalie des Monats

Das Erzbistumsarchiv ist das Gedächtnis unserer Erzdiözese. Es sichert und erschließt die schriftliche Überlieferung und macht Geschichte allgemein zugänglich. Und das sogar kostenlos. Selbst die wertvollsten Archivstücke können Sie sich werktäglich zu den Öffnungszeiten des Erzbistumsarchivs ansehen. Darunter sind selbstverständlich auch die Stücke, die wir Ihnen in unserer Reihe „Die Archivalie des Monats“ vorstellen.

 

Besuchendenadresse:

Erzbistumsarchiv Paderborn
Domplatz 15 (Konrad-Martin-Haus)
33098 Paderborn
Tel.: (0 52 51) 1 25-12 52
E-Mail: archiv@erzbistum-paderborn.de
Geöffnet Montag-Donnerstag, 9.00 Uhr bis 16.00 Uhr

 

Ein Hinweis für alle genealogisch Interessierten: Die digitalisierten Kirchenbücher des Erzbistums Paderborn finden Sie auf

Matricula

Ein Beitrag von:
© Jürgen Hinterleithner
freier Autor

Hans Pöllmann

© Cornelius Stiegemann / Erzbistum Paderborn
Archivar

Thomas Welter

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