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Erzbistum Paderborn
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© Besim Mazhiqi

Die Stolzkirche der Stadt

Erzbistumskalender 2024: Allumfassend durch die Jahrhunderte: Die Pfarrei St. Aegidius in Wiedenbrück ist älter als das Bistum Paderborn

Die Baugeschichte der Kirche St. Aegidius in Rheda-Wiedenbrück reicht weit zurück ins Mittelalter. Die unteren beiden Turmgeschosse als die ältesten erhaltenen Bauteile sind romanisch und etwa 1000 Jahre alt. Noch um einiges älter als das Gebäude ist St. Aegidius jedoch als Pfarrei. Sie entstand im Zuge der Sachsenmission um das Jahr 785. Demnach ist die Pfarrei St. Aegidius sogar noch ein klein wenig älter als das Bistum Paderborn, das im Jahr 799 gegründet wurde. Von St. Aegidius aus wurde das obere Emsland christianisiert, wobei die Kirche über alle Jahrhunderte hinweg bis in die Jetztzeit ein religiöses Zentrum geblieben ist.

Für Pfarrdechant Reinhard Edeler ist es eine Auszeichnung und ein Geschenk Gottes, an diesem bedeutsamen Ort wirken zu dürfen. „Als ich die Kirche vor einem knappen Jahrzehnt das erste Mal betrat, hat sie mich sofort gepackt“, berichtet der Priester, „und zwar auf der theologischen Ebene, baugeschichtlich und emotional. Gott spricht zu uns in Bildern, Symbolen und Geschichten – und in St. Aegidius ist seine Stimme besonders klar und deutlich vernehmbar.“

Tatsächlich ist St. Aegidius voller Bilder und Geschichten. Da ist zum Beispiel die gotische Kreuzigungsgruppe. „Sehen Sie nur, wie sich die Macht Gottes in seiner Ohnmacht äußert“, ruft Pfarrdechant Edeler. „Diese tiefe theologische Weisheit hat den Künstler vor vielen Hundert Jahren ergriffen, und sie ergreift uns bis heute.“ Kaum hat Edeler seinen Satz vollendet, eilt er bereits zum nächsten Kunstwerk, zur Pietà in der Vesperbildkapelle, und von der Schmerzensmutter hinaus ins Freie. Dort befindet sich an der Laibung eines gotischen Kirchenfensters ein besonderes Zeitzeugnis: die Einschlagstelle einer Kanonenkugel aus dem Dreißigjährigen Krieg. Nicht nur der Krater hat sich erhalten: Gleich daneben hängt an einem Haken das eiserne Geschoss.

Stolzkirche und Herzkirche

Den Rückweg in die Kirche nimmt Reinhard Edeler über die Siechenpforte, also den Eingang, der früher für Kranke bestimmt war. Auch an dieser Pforte finden sich Spuren aus längst vergangenen Tagen: Im Gemäuer sind tiefe senkrechte Riefen eingeritzt. Für Reinhard Edeler sind es Wetzrillen, also Beschädigungen, die durch das Schärfen von Schwertern oder Werkzeugen entstanden sind. Es gibt aber auch die Deutung, dass es sich bei den Riefen um Pestrillen handelt, dass Menschen während der Pestzeit Steinstaub aus den Kirchenmauern kratzten, um daraus ein Heilmittel gegen die Seuche zu gewinnen.

Seinen Rundgang schließt Pfarrdechant Edeler am Altar ab. Der kam erst bei der umfassenden Innenrenovierung des Jahres 2007 in die Kirche und wurde anfangs aufgrund seiner schlichten Form kontrovers diskutiert. Inzwischen aber gilt die Umgestaltung nicht nur unter Fachleuten als musterhaft gelungene Modernisierung. Auch die meisten Mitglieder der Gemeinde sind stolz auf das Nebeneinander verschiedener Zeitstile. „Das ist wichtig, weil St. Aegidius immer schon die Stolzkirche in Wiedenbrück war“, erklärt Reinhard Edeler. „Hier kommt die Stadtgesellschaft zum Gottesdienst zusammen, hier finden die großen Taufen, Trauungen und Trauergottesdienste statt.“ Die Herzkirche Wiedenbrücks dagegen sei St. Marien mit ihrem Gnadenbild und der Wallfahrt. Dabei bilden Stolzkirche und Herzkirche kein rivalisierendes Gegensatzpaar, sondern gehen eine enge Verbindung ein. Allumfassend, wie sich das in einem guten Katholizismus gehört.

St. Aegidius in Wiedenbrück

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Das Kalenderbild

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