Der vergoldete Silberschrein mit den Reliquien des heiligen Liborius wurde von den Mitgliedern der Liboribruderschaft aus der Krypta in den Hochchor des Paderborner Doms getragen. Foto: pdp / Thomas Throenle
Erzbischof Hans-Josef Becker predigt im Pontifikalamt zu Herbstlibori über Hoffnungszeichen in Umbruchszeiten
„Haben Glaube und Kirche Zukunft?“, fragte Erzbischof Hans-Josef Becker im Pontifikalamt zu Herbstlibori mit Blick auf den Umbruch in Kirche und Gesellschaft. „Das, was schon jetzt Wirklichkeit ist im Evangelium, ist auf Zukunft angelegt“, zeigte sich der Paderborner Oberhirte in seiner Predigt überzeugt. Das Herbstlibori-Fest wird seit rund 400 Jahren gefeiert: Nachdem Christian von Braunschweig in den Wirren des 30-jährigen Krieges die sterblichen Überreste des heiligen Liborius geraubt hatte, waren diese am 31. Oktober 1627 zurück nach Paderborn gelangt. Seit dieser Zeit wird der Rückführung der Gebeine des Patrons von Dom, Erzbistum und Stadt Paderborn mit einem Pontifikalamt gedacht und Herbstlibori gefeiert.
„Die religiöse Wende ist nach der politischen Wende von 1989 bis heute ausgeblieben. Und wir sehen, dass die sogenannte Volkskirche immer rudimentärer wird.“ Mit diesen Worten analysierte Erzbischof Hans-Josef Becker die aktuelle kirchliche Realität auch im Erzbistum Paderborn. Zugleich gelte aber auch heute der im Kolosser-Brief überlieferte Zuruf des Apostels Paulus „Christus ist unter euch. Er ist die Hoffnung auf Herrlichkeit.“ Der Paderborner Erzbischof sagte: „Am Fest der Rückführung der Reliquien des heiligen Liborius wage ich den Zuruf des Apostels Paulus in das Jahr 2019 hineinzusprechen: ‚Christus ist auch jetzt noch unter euch. Denkt daran!‘“
„Christus ist auch heute noch unter uns“, betonte Erzbischof Hans-Josef Becker in seiner Predigt zum Herbstliborifest. Foto: pdp / Thomas Throenle
Straße der Hoffnungszeichen
Zu sehen, wie Traditionen sterben, schmerze, führte Erzbischof Becker aus. Auch in der Kirche werde die Zukunft nicht selber gemacht. Doch vom Hoffnungswort „Christus ist unter euch“ kämen Punkte, die sich aneinander reihen und eine Straße der Hoffnungszeichen ausleuchten ließen, veranschaulichte der Paderborner Oberhirte: „Ich denke an tausende Frauen und Männer in den Gemeinden und Gremien unseres Erzbistums, an die Katechetinnen und Katecheten. Sie setzen nicht nur etwas ein, sie setzen sich ein. Sie haben verstanden: Kirche, das sind nicht allein Papst, Bischöfe, Priester und pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Kirche sind wir alle. Und wir werden am Ende nicht gefragt, was Papst oder Bischöfe zu dieser oder jener Sache gesagt haben, sondern wie wir selber das Evangelium aufgenommen und gelebt haben.“
Mit Christus in die Zukunft
Zum Abschluss seiner Predigt bekräftigte Erzbischof Becker: „Die Herren und Herrinnen der Welt gehen. Das haben wir in den letzten Jahrzehnten gemerkt. Unser Herr kommt, und er kommt auf uns zu, auch in dieser kirchengeschichtlichen Stunde. Durch den toten Punkt, den er durchlitten hat, kommt er auf uns zu. Der Kreuzträger ist unser Hoffnungsträger. Keiner sonst! Christus ist auch jetzt noch unter uns Denken wir daran! Mit ihm gehen wir in die Zukunft.“
Erzbischof Hans-Josef Becker zelebrierte das Pontifikalamt zum Herbstlibori-Fest, unter anderen konzelebrierten die Weihbischöfe Hubert Berenbrinker, Dr. Dominicus Meier OSB und Weihbischof Anton Leichtfried (St. Pölten, Österreich). Foto: pdp / Thomas Throenle
Gottesdienst zu Herbstlibori
Zum Pontifikalamt wurden die Reliquien des heiligen Liborius erhoben und im vergoldeten Silberschrein aus der Krypta in den Hochchor des Paderborner Doms getragen. Das Jahr über ruhen sie in einer Ebenholztruhe im Altar der Krypta ruhen.
Erzbischof Hans-Josef Becker zelebrierte den Festgottesdienst, es konzelebrierten Weihbischof Hubert Berenbrinker, Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB, Weihbischof Anton Leichtfried (St. Pölten, Österreich), Domkapitular Dr. Thomas Witt und vom Vorstand der St.-Liborius-Fraternität in Frankreich die beiden Priester des Bistums Le Mans Timothee Lambert und Marc Isnard.
Der feierliche Gottesdienst zum Herbstliborifest wurde musikalisch gestaltet vom Chor der Dommusik unter der Leitung von Domkapellmeister Thomas Berning und Domorganist Tobias Aehlig an der Orgel. Zur feierlichen Erhebung der Reliquien des Patrons des Erzbistums Paderborn, des Hohen Domes und der Stadt Paderborn wurde die Missa brevis in C von Johann Ernst Eberlin und der Hymnus „Christi praesul egregius“ von Hubert Göbel vorgetragen. Als der Schrein durch die Kathedrale getragen wurde, erfüllten die Klänge des traditionellen Libori-Tuschs den Hohen Dom – ebenso wie am Nachmittag, als die Reliquien im Rahmen einer eucharistischen Andacht der Liboribruderschaft wieder in feierlicher Prozession in die Krypta überführt wurden.
Der vergoldete Schrein mit den Reliquien des heiligen Liborius wurde im Hochchor des Hohen Doms zu Paderborn aufgestellt und verehrt. Foto: pdp / Thomas Throenle
Herbstlibori – geschichtlich
Das Erzbistum Paderborn gedenkt am Herbstliborifest der Rückführung der Reliquien des heiligen Liborius am 31. Oktober 1627. Diese waren in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges im Jahr 1622 von Christian von Braunschweig bei der Plünderung des Paderborner Domes geraubt worden. Zu Beginn des festlichen Gottesdienstes im Hohen Dom wird der Goldene Schrein mit den Reliquien des heiligen Liborius in einer Prozession in den Hochchor überführt und dort aufgestellt.
Zitate Erzbischof Hans-Josef Becker
„Hoffnung heißt: Den nächsten möglichen Schritt tun durch den toten Punkt hindurch, durch die sich gegenseitig blockierenden Kräfte hindurch auf Gottes Wort hin.“
„Mein Wahlspruch als Bischof gewinnt in diesen Tagen für mich besondere Aktualität. ‚Auf Gottes Wort hin‘, das hat Zukunft.“
„Gott spricht ja nicht nur aus einem lichten und strahlenden blauen Himmel zu uns. Spricht er nicht auch gewissermaßen vom toten Punkt her? Denn den toten Punkt hat Jesus Christus durchlitten! Er war kein Strahlemann. – Der Kreuzträger ist der Hoffnungsträger!“
„Hoffnungszeichen. Ja, es gibt sie, und deshalb bin ich zuversichtlich auf unserem Weg hin zum ‚Hoffnungszeichen des Diözesanen Forums 2020‘.“
























