Der neue Paderborner Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz hatte Monsignore Dr. Michael Bredeck und Prälat Thomas Dornseifer bei seinem Amtsantritt zu seinen gleichberechtigten Generalvikaren ernannt – ein Novum in den katholischen (Erz-)Bistümern in Deutschland. Gemeinsam nehmen beide Generalvikare Stellung zur kirchlichen Statistik 2023 im Erzbistum Paderborn.
Jede und jeder Einzelne zählt
Mit Blick auf die quantitative kirchliche Entwicklung im Jahr 2023 sei „die Versuchung zur Resignation auf den ersten Blick groß“, räumt Generalvikar Dr. Michael Bredeck ein. Auch wenn die Zahl der Kirchenaustritte im Vergleich zum Vorjahr rückläufig sei, liege sie weiterhin auf einem „dramatischen und erschütternden Niveau“. „Jede und jeder Einzelne zählt mit ihrer und seiner Taufberufung für uns als Kirche. Jede und jeder ist für uns wichtig. Wenn jemand die Kirche verlässt, bleibt eine Lücke. Das ist unser Selbstverständnis als Gemeinschaft aller Getauften“, erklärt Generalvikar Dr. Bredeck. „Deshalb tut nicht nur die Gesamtsumme von 21.667 Austritten weh, sondern jeder einzelne Mensch, für den die Kirche aus ganz individuellen Gründen keine Heimat mehr ist.“
„Eine wertvolle Erfahrung“ sei in diesem Zusammenhang das im Erzbistum Paderborn angesiedelte Projekt „Dialog mit Austrittswilligen und Ausgetretenen“, erläutert Generalvikar Dr. Bredeck weiter: „Hier waren wir zwei Jahre im Gespräch mit Menschen, die uns ihre Austrittsgründe genannt haben. Für diese Chance, zuzuhören und zu lernen, sind wir außerordentlich dankbar.“
Aufarbeitung hat oberste Priorität
Die Missbrauchskrise sei für viele Menschen ein Grund, um der Kirche den Rücken zu kehren, macht Generalvikar Thomas Dornseifer deutlich. „Auch wenn noch immer viel zu tun bleibt, ist das Erzbistum Paderborn in Sachen Aufarbeitung auf einem guten Weg. Der Betroffenenbeirat und die unabhängige Aufarbeitungskommission leisten dabei einen zentralen Beitrag, für den wir danken.“ Die von der Universität Paderborn erarbeiteten Missbrauchsstudien würden bald abgeschlossen und vorgestellt. Für Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz habe die Aufarbeitung oberste Priorität – der neue Paderborner Erzbischof hat sich bereits mit Verantwortlichen aller an der Aufarbeitung Beteiligten teils mehrfach getroffen.
Die hohen Austrittszahlen stünden im Gesamtkontext eines gravierenden Transformationsprozesses, in dem sich die Kirche als institutionell verfasste Gemeinschaft befinde, ordnet Generalvikar Dornseifer weiter ein: „Religion und Glaube verlieren ihre gesellschaftliche Bindungskraft.“ Das habe Konsequenzen für das kirchliche Leben: „Viele Menschen vermissen in den Angeboten der Kirche oft die Relevanz und den Wert für das eigene Leben. Bedarf und Angebot entwickeln sich auseinander. Daraus folgt auch bei überzeugten Kirchenmitgliedern: Die Heimat Kirche wird fremd“, macht Prälat Dornseifer auf eine alarmierende Entwicklung aufmerksam.
Blick auf die Bedürfnisse der Menschen
„Als Kirche von Paderborn sind wir gemeinsam unterwegs auf unserem Diözesanen Weg 2030+, um uns als eine Kirche der Zukunft gut aufzustellen“, unterstreicht Generalvikar Dr. Michael Bredeck. Das Zweite Vatikanische Konzil akzentuiere die Kirche als „pilgerndes Volk Gottes“, ergänzt Generalvikar Dornseifer: „Wer pilgert, der macht sich auf den Weg und bricht auf, verlässt die Heimat und das Vertraute. Es ist nötig, Ballast hinter uns zu lassen, um neu nach vorn zu schauen. Dieser Blick nach vorn darf an den Bedürfnissen der Mitmenschen nie vorbei gehen.“
Aufrichtig zuhören
Gerade weil Menschen sich von der Kirche abwenden, müsse Kirche als Glaubens-Gemeinschaft wieder neu lernen, zu überzeugen, so Generalvikar Dr. Michael Bredeck: „Die Fragen, die Menschen heute haben, bleiben in unserer komplexen Gesellschaft existentiell. Als Kirche haben wir ‚Lebens-Antworten‘. Dafür müssen wir glaubwürdig und aufrichtig zuhören, ganz im Sinne einer synodalen Kirche.“ In der aktuellen kirchlichen Situation gehe es vor allem um ein qualitatives Wachstum: „Menschen neu zu begeistern, geisterfüllte Formate und Wege zu finden, um Jesus und seine Frohe Botschaft als Kern unseres Christ- und Kirche-Seins zu vermitteln und so Menschen zu zeigen: Wir haben Wertvolles für euer Leben“, fasst Generalvikar Dr. Bredeck zusammen.