Sich selbst bezeichnet Jacob Heemann, 23 Jahre alt und Trainee im Dekanat Büren-Delbrück, als „gut katholisch“ sozialisiert. Seine Zeit als Messdiener erlebte er als ein Aufblühen, die Jugendarbeit als befreiend und bereichernd. Nach seinem Studium der Sozialen Arbeit lag es für ihn nahe, sich beim Erzbistum Paderborn als Trainee zu bewerben, um das positiv Erlebte an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene weiterzugeben. Zwischenzeitlich hat er ein berufsbegleitendes Zweitstudium der Theologie aufgenommen.
Seinen Glaubensweg beschreibt Jacob Heemann als Weg in zwei Etappen. Die Kindheit und frühe Jugend waren geprägt vom Einsatz als Messdiener. „Ich habe eine Aufgabe bekommen und war glücklich und stolz, wenn ich alles richtig gemacht habe“, erinnert er sich. Diese Aufgabe ging schon damals über die Pflichten als Helfer im Gottesdienst hinaus. Auch die Aneignung von Wissen und Glaubensinhalten verstand Jacob in seiner Kindheit als eine ihm anvertraute Obliegenheit. „Für mein Umfeld und mich war das die Normalität.“
Horizonterweiterung zwischen Wallfahrtskitsch
Mit 15 oder 16 Jahren aber war ihm diese Normalität nicht mehr genug. „Damals habe ich angefangen, über den Tellerrand des Heimatdorfs und meines Kinderglaubens hinauszublicken“, berichtet Jacob Heemann. Einiges von dem, was er dort vorfand, war für ihn spannend, anderes wirkte befremdlich. Auch in Glaubensdingen war nun nicht mehr alles so eindeutig wie in Kindertagen, sondern abhängig von der Betrachtungsweise. „Ich konnte anfangs nur schwer mit unterschiedlichen Ausdeutungen religiöser Inhalte umgehen“, gibt Jacob Heemann zu. „Für mich war dies manchmal ein Zeichen von Beliebigkeit.“