„Weil in der Herberge kein Platz für sie war“, heißt es lapidar in der Weihnachtsgeschichte, um zu erklären, wieso Jesus die ersten Stunden seines Lebens in einer Krippe verbringt. Im Verlauf der Jahrhunderte sind aus diesem knappen Halbsatz des Lukasevangeliums dramatische Szenen entstanden. Obwohl die Bibel das nicht so ausführlich schildert, ist heute mit Weihnachten fest die Vorstellung verbunden, wie Josef mit seiner hochschwangeren Frau Maria verzweifelt von Herberge zu Herberge zieht, überall von hartherzigen Wirten abgewiesen wird und schließlich im Stall bei Ochs und Esel landet.
Die Dramatik mancher Krippenspiele hat sicher dazu beigetragen, denn die Menschen und die Tradition haben das Evangelium ausgeschmückt. Wahrscheinlich, weil es berührend ist, dass Jesus, der Sohn Gottes, in armen Verhältnissen das Licht der Welt erblickt. Der Erlöser, der Retter, teilt von Geburt an ungerechte Erfahrungen, die Menschen machen mussten und bis heute machen. Die Erfahrung von Armut. Die Erfahrung, nicht willkommen zu sein. Die Erfahrung, keine sichere Bleibe zu haben.
Menschwerdung für alle
Der Evangelist Lukas hat mit ein paar wenigen Hinweisen in der Weihnachtsgeschichte dafür gesorgt, dass man die Geburt Jesu nicht in Palästen, warmen Zimmern oder Gelehrtenstuben verortet, sondern von Anfang an dort, wo es einsam, kalt und unsicher ist. Die Frage nach Gerechtigkeit, die Frage nach Teilhabe aller, gehört deshalb zum Weihnachtsfest und zur Menschwerdung Gottes dazu. Gott ist für alle Mensch geworden.