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© Black Salmon / Shutterstock.com
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Herbergssuche

Ihr kommt hier nicht rein!

Wo beginnt Gerechtigkeit im Stall von Bethlehem?

„Weil in der Herberge kein Platz für sie war“, heißt es lapidar in der Weihnachtsgeschichte, um zu erklären, wieso Jesus die ersten Stunden seines Lebens in einer Krippe verbringt. Im Verlauf der Jahrhunderte sind aus diesem knappen Halbsatz des Lukasevangeliums dramatische Szenen entstanden. Obwohl die Bibel das nicht so ausführlich schildert, ist heute mit Weihnachten fest die Vorstellung verbunden, wie Josef mit seiner hochschwangeren Frau Maria verzweifelt von Herberge zu Herberge zieht, überall von hartherzigen Wirten abgewiesen wird und schließlich im Stall bei Ochs und Esel landet.

Die Dramatik mancher Krippenspiele hat sicher dazu beigetragen, denn die Menschen und die Tradition haben das Evangelium ausgeschmückt. Wahrscheinlich, weil es berührend ist, dass Jesus, der Sohn Gottes, in armen Verhältnissen das Licht der Welt erblickt. Der Erlöser, der Retter, teilt von Geburt an ungerechte Erfahrungen, die Menschen machen mussten und bis heute machen. Die Erfahrung von Armut. Die Erfahrung, nicht willkommen zu sein. Die Erfahrung, keine sichere Bleibe zu haben.

Menschwerdung für alle

Der Evangelist Lukas hat mit ein paar wenigen Hinweisen in der Weihnachtsgeschichte dafür gesorgt, dass man die Geburt Jesu nicht in Palästen, warmen Zimmern oder Gelehrtenstuben verortet, sondern von Anfang an dort, wo es einsam, kalt und unsicher ist. Die Frage nach Gerechtigkeit, die Frage nach Teilhabe aller, gehört deshalb zum Weihnachtsfest und zur Menschwerdung Gottes dazu. Gott ist für alle Mensch geworden.

Für viele Christinnen und Christen ist dies so bedeutsam, dass sie an den Festtagen für die da sein wollen, denen es nicht so gut geht. Sie laden den einsamen Nachbarn am Heiligen Abend zu sich nach Hause ein. Sie arbeiten gerade an Weihnachten ehrenamtlich in der Telefonseelsorge und hören denen zu, die niemanden zum Reden haben. Sie bereiten im Pfarrheim armen und einsamen Menschen ein Festessen zu. Sie organisieren Geschenke für die Geflüchteten, die in ihrem Wohnort leben. Sie verbringen die Festtage bei alten Menschen, die sonst niemand mehr besucht.

Gottes Gerechtigkeit ist anders

Dass Gott wirklich für alle Mensch geworden ist, bedeutet aber noch mehr. Es bedeutet, dass auch jene Menschen daran teilhaben, mit denen man eigentlich gar nichts zu tun haben möchte. Menschen zum Beispiel, die Böses im Sinn haben und anderen Gewalt antun. Es genügt ein kurzer Blick in die Nachrichten, um zu wissen, welche Ausmaße Bosheit und Hass annehmen können. Und trotzdem gehört es zur Gerechtigkeit im Stall von Bethlehem, dass hier niemand ausgeschlossen ist.

Die Weihnachtsbotschaft ist so gesehen eine gewaltige Herausforderung für den Glauben des Einzelnen. Oft sogar eine Überforderung. Wer kann zum Beispiel – bildlich gesprochen – von Opfern von Gewalt und Hass Verständnis dafür erwarten, dass auch ihre Peiniger mit an der Krippe stehen dürfen? Das kann niemand. Im Stall von Bethlehem zeigt sich deshalb vielleicht auch, dass die göttliche Gerechtigkeit anders und größer ist als alles, was der Mensch vermag – und manchmal dem eigenen Gerechtigkeitsempfinden auch widerspricht.

Von Anfang an Stallgeruch

Gerechtigkeit fängt auch deshalb im Stall von Bethlehem an, weil es nicht die Mächtigen, die Wohlhabenden oder die religiösen Autoritäten sind, die als erstes von der Geburt Jesu erfahren, sondern Hirten auf dem Feld. Und damit Angehörige einer gesellschaftlichen Gruppe, die damals sozial weit unten stand. Hirten waren oft ohne Eigentum und eigenen Wohnsitz. Doch sie hören es als erstes, aus dem Mund eines Engels:

„Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.“ (Lk 2,10–12)

Die Hirten brechen sofort auf, finden das Kind in der Krippe und erzählen dort alles, was sie von dem Engel gehört haben. Im Prinzip wird es ihnen anvertraut, die Kunde vom außerordentlichen Geschehen in Bethlehem weiterzutragen.

Weihnachten ist also von Stallgeruch und vom „Geruch der Schafe“ begleitet – Begriffe, die Papst Franziskus gerne verwendet, wenn er seinen Traum von einer Kirche beschwört, die sich allen zuwendet.

„Gerechtigkeit“ – das Magazin des Erzbistums Paderborn zu Weihnachten 2023

Wo fängt Gerechtigkeit an? Wo hört Gerechtigkeit auf? Fragen, die Herz und Kopf bewegen. Denn Gerechtigkeit ist zentral für das gesellschaftliche Zusammenleben. Deshalb haben wir diesem Thema ein Magazin gewidmet. Unsere Beiträge reichen von persönlichen Erzählungen über Interviews bis hin zu theologischen Betrachtungen. Wir hoffen, dass die Inhalte dieses Magazins Sie dazu ermutigen, das Thema Gerechtigkeit im Herzen zu tragen. Zu Weihnachten und im ganzen Jahr.

Ein Beitrag von:
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Redakteurin

Dr. Claudia Nieser

Weitere Einträge

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